„Du wirst Michael van Gerwen nicht davon abhalten, so etwas zu sagen“ – Jonny Clayton gewährt Einblicke hinter die Premier-League-Kulissen

PDC
durch Nic Gayer
Donnerstag, 12 März 2026 um 9:00
Jonny Clayton
Mit einem starken Start in die Premier League Darts 2026 und dem Einzug ins Viertelfinale der UK Open reist Jonny Clayton am sechsten Spieltag PDC-Roadshow mit viel Selbstvertrauen nach Nottingham.
Der 51-jährige Waliser führt aktuell die Tabelle an und hat sich bereits einen kleinen Vorsprung auf seine Konkurrenz erarbeitet. Dennoch bleibt Clayton bodenständig. Sein Ansatz ist klar: Jede Woche zwei Punkte holen – alles darüber hinaus betrachtet er als willkommenen Bonus.

Ein Blitzstart in die Premier League Darts

Die aktuelle Premier-League-Saison läuft für Clayton bislang hervorragend. Mehrere starke Auftritte brachten ihn früh an die Spitze des Tableaus.
Der aktuelle Tabellenführer der Premier League Darts: Jonny Clayton
Der aktuelle Tabellenführer der Premier League Darts: Jonny Clayton
„Es läuft gut“, sagt Clayton im Gespräch mit Online Darts. „Meine Ergebnisse sind sehr gut und mein Selbstvertrauen ist hoch. Genau das wünscht man sich zu Beginn einer solchen Saison.“
Dass er derzeit mit fünf Punkten Vorsprung führt, überrascht ihn sogar ein wenig. Gleichzeitig sieht er darin vor allem eine Bestätigung für seinen Ansatz.
„Ich weiß aus Erfahrung, wie wichtig Punkte in dieser Liga sind. Deshalb versuche ich jede Woche dasselbe Ziel zu haben: zwei Punkte holen. Wenn dir das jede Woche gelingt, machst du es gut. Und alles darüber ist ein Bonus, denn es kommen auch Wochen, in denen es nicht klappt.“
Diese realistische Herangehensweise hat Clayton bereits früher in der Premier League Darts geholfen – und daran hält er auch jetzt fest. Trotz seines Vorsprungs bleibt seine Strategie unverändert.
„Ich bleibe offensiv. Du willst so viele Punkte wie möglich sammeln. Wenn du zum Beispiel nach zwölf Wochen die Play-offs in Woche 17 schon sicher hast, ist die Arbeit im Grunde erledigt.“

Respekt für Michael van Gerwen

In Nottingham wartet auf Clayton ein besonderer Gegner: Michael van Gerwen. Beide trafen in der Premier League Darts bereits vierzehnmal aufeinander, acht dieser Duelle entschied Clayton für sich. Trotzdem spricht er mit großem Respekt über den Niederländer.
„Ich spiele gerne gegen Michael“, erzählt Clayton. „Ich habe großen Respekt vor ihm. Ich habe seine Art zu spielen immer bewundert. Er sucht niemals nach Ausreden. Wenn es nicht sein Abend ist, schaut er auf sich selbst und versucht, sich zu verbessern.“
Clayton sagt, dass er von dieser Mentalität viel gelernt hat. „Niemand sonst kann es für dich lösen. Du musst es selbst tun. Diese Mentalität habe ich von ihm aufgenommen, und davor habe ich großen Respekt.“
Wenn beide aufeinandertreffen, bleibt der Ansatz jedoch simpel. „Dann gehen wir einfach auf die Bühne und spielen Darts. Kein Gedöns, kein Drama. Einer muss gewinnen und hoffentlich bin ich das.“

Wie viele Punkte reichen für die Play-offs?

In der Premier League Darts stellt sich jedes Jahr die gleiche Frage: Wie viele Punkte braucht man, um die Play-offs zu erreichen? Im vergangenen Jahr reichten 24 Punkte, um sich einen Platz im Finalabend in der O2 Arena zu sichern.
Clayton will sich darauf aktuell noch nicht festlegen.
„Das weißt du erst später in der Saison“, erklärt er. „Vielleicht bekommst du um Woche dreizehn herum eine Vorstellung davon, was nötig ist. Bis dahin schaue ich einfach auf mich und versuche, jede Woche Punkte mitzunehmen.“
Zudem empfindet er die aktuelle Premier-League-Ausgabe als besonders ausgeglichen. Spieler wie Luke Littler und Luke Humphries sorgen für ein extrem hohes Niveau, während praktisch jeder jedem Punkte abnehmen kann.
„Ich denke, das ist die konkurrenzfähigste Premier League Darts, in der ich je gespielt habe“, sagt Clayton. „Aber genau das macht es reizvoll. Niemand setzt sich weit ab, und das macht es für alle spannend.“

Gute Leistungen, aber noch keine Trophäen

Obwohl Clayton in den vergangenen Wochen stark spielte, blieb ihm ein Titel bislang verwehrt. So verlor er kürzlich ein Finale in Cardiff und schied bei den UK Open im Viertelfinale aus.
Trotzdem bleibt er positiv.
„Man gewinnt einige Turniere und verliert auch ein paar. Das gehört dazu. Natürlich will ich alles gewinnen, woran ich teilnehme, aber die Tatsache, dass ich regelmäßig in die Schlussphase von Turnieren komme, bedeutet, dass ich etwas richtig mache.“
Der Waliser ist überzeugt, dass er sich Schritt für Schritt wieder seiner Bestform nähert.
„Ich will zurück an die Spitze meines Könnens. Und Schritt für Schritt komme ich da wieder hin. Hoffentlich kann ich dieses Jahr erneut die Play-offs der Premier League Darts erreichen.“

Die Stimmung ohne Nathan Aspinall

Neben den Matches gehört auch die Atmosphäre im Players Room zum Alltag auf der Tour. Clayton bemerkt in dieser Saison jedoch eine auffällige Veränderung: Nathan Aspinall fehlt.
„Er ist wirklich ein Charakter“, lacht Clayton. „Nathan ist jemand, der immer redet und immer Energie reinbringt. Mit ihm kommt jeder gut klar.“
Ganz ruhig ist es im Players Room trotzdem nicht. „Wir scherzen immer noch miteinander, aber es ist wahrscheinlich etwas ruhiger, als wenn Nathan dabei ist.“
Clayton gilt selbst als einer der entspanntesten Spieler auf der Tour. Kollegen nennen ihn mit einem Augenzwinkern manchmal „Grandad“. „Ach, das gehört dazu“, sagt er lachend. „Ich bin einfach ein junger Opa.“
Besonders Michael van Gerwen ist bekannt für seine lockeren Sprüche. „Du wirst Michael wirklich nicht davon abhalten, so etwas zu sagen“, grinst Clayton. „Aber das gehört zu unserem Humor. Ich kann genauso gut zurückscherzen.“
Sobald das Match beginnt, ändert sich jedoch alles. „Wir können lachen und albern, aber sobald du die Bühne betrittst, musst du fokussiert sein.“

Der Aufstieg einer neuen Generation

Mit jungen Talenten wie Luke Littler verändert sich die Dynamik im Dartsport. Clayton betrachtet diese Entwicklung positiv.
„Es kommen neue Spieler dazu, die großartig spielen. Das hält jeden wachsam. Am Ende willst du einfach das Spiel genießen.“
Und genau das tut Clayton derzeit wieder. „Das Wichtigste ist, dass ich wieder Spaß habe. Ich stehe wieder mit einem Lächeln auf der Bühne. Das macht einen großen Unterschied.“

Leidenschaft für alte Rallyeautos

Neben Darts hat Clayton noch eine weitere große Leidenschaft: Autos. In den sozialen Medien zeigte er kürzlich, dass er an einem besonderen Projekt arbeitet. „Ich restauriere einen alten Ford Escort Mk2“, erzählt er stolz. „Ein 2000er-Modell. Es ist ein kompletter Neuaufbau.“
Seine Liebe zu Rallyeautos spielt dabei eine wichtige Rolle. „Ich liebe die alten Rallyewagen. Ich werde damit wahrscheinlich nicht wirklich Rallye fahren, denn das kostet viel zu viel Geld“, lacht er. „Aber es ist etwas, das ich immer schon machen wollte.“
Vorerst bleibt es bei diesem einen Projekt. „Zum Glück“, witzelt er. „Sonst müsste ich jedes Jahr die Premier League gewinnen, um es bezahlen zu können.“
Mit neuem Selbstvertrauen und spürbarer Freude am Spiel blickt Clayton nun auf den nächsten Premier-League-Abend. Sein Ziel bleibt klar: Woche für Woche Punkte sammeln – und am Ende im großen Finalabend stehen. „Ein Sieg ist ein Sieg“, sagt er zum Abschluss. „Es ist egal, wie schön es aussieht. Wenn du gewinnst, ist das alles, was zählt.“
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