Luke Littlers erfolgreiche Titelverteidigung bei den
UK Open 2026 hat erneut Eindruck hinterlassen. Doch nicht jeder blickt ausschließlich mit Bewunderung auf die Dominanz des jungen Weltmeisters.
Im Podcast
Darts Draait Door sprach Ex-Profi
Vincent van der Voort ausführlich über das Turnier in Minehead – und richtete seine Kritik vor allem an die absolute Spitze des Sports. Nach Ansicht des Niederländers liegt das Problem nicht bei Littler selbst, sondern bei den Spielern, die es nicht schaffen, ihn wirklich unter Druck zu setzen.
„Die Topspieler liefern gegen ihn nicht ab“
Van der Voort sah, wie Littler erneut als stärkster Spieler aus dem Turnier hervorging. Gleichzeitig überraschte ihn diese Entwicklung immer weniger.
Verteidigte als erst vierter Spieler der PDC-Geschichte seine UK-Open-Krone: Luke Littler
„Ja, schön, oder? Ich werde langsam ein bisschen müde davon“, sagte er. „Aber es ist nicht seine Schuld. Beunruhigender finde ich, dass die Topspieler gegen ihn nicht abliefern. Das finde ich schlimmer.“
Der frühere UK-Open-Finalist erkennt ein klares Muster: Viele etablierte Namen bleiben unter ihrem Niveau, sobald sie Littler gegenüberstehen.
„Ich weiß nicht, ob sie sich schon auf den Rücken legen und denken: Du hast gewonnen. Aber gegen ihn spielen sie einfach alle nicht ihr bestes Match. Das ist beunruhigend. Man muss doch zumindest das Gefühl haben, dass er bis aufs Äußerste gefordert wird. Und wenn er dann besser ist, okay. Aber er muss nicht einmal überragend spielen, um zu gewinnen.“
Bei den
UK Open sah van der Voort mehrere Beispiele für dieses Problem. Einige Spieler präsentierten sich zuvor in guter Form, konnten gegen Littler jedoch nicht das abrufen, was nötig gewesen wäre.
Als besonders deutliches Beispiel nannte er Gary Anderson. Der Schotte spielte ein starkes Turnier, ließ aus van der Voorts Sicht jedoch genau im entscheidenden Moment nach.
„Der war wirklich nicht in Bestform. Die haben nicht abgeliefert. Und wenn ich dann die Interviews höre, bekommt Littler schon wieder so viele Komplimente. Da denke ich: Wir brauchen Spieler, die ihn wirklich schlagen wollen.“
Price bringt die richtige Mentalität
Einen Spieler mit genau dieser Einstellung sieht van der Voort vor allem in Gerwyn Price.
„Dann landest du doch bei Price. Der hat das. Der will um jeden Preis gewinnen. Schade, dass er das Finale nicht erreicht hat. Von dieser Sorte bräuchten wir mehr. Spieler, die es schaffen, gegen ihn ihr bestes Niveau abzurufen. Sonst wird es ihm viel zu leicht gemacht.“
Niederländer zeigen sich
Auch die niederländischen Teilnehmer kamen laut van der Voort noch am ehesten an eine Überraschung heran. Dennoch erkannte er auch dort verpasste Chancen. Kevin Doets und Danny Noppert hielten phasenweise mit Littler mit, konnten in den entscheidenden Momenten jedoch nicht durchziehen.
„Doets, das wäre schön gewesen, wenn er ihn erwischt hätte. Aber auch er hätte am Anfang weiter davonziehen müssen. Das ist der Druck. Er lag lange bei rund 90 im Schnitt und am Ende bei 97. Littler lag auch nur bei etwa 93, dennoch konnte er sich nicht absetzen. Das können sie sich schon ankreiden.“
Bei Danny Noppert sah van der Voort ein ähnliches Szenario. Der Friese spielte zuvor stark, erreichte dieses Niveau gegen den Weltmeister jedoch nicht. Zudem kassierte er einen entscheidenden Nackenschlag.
„Noppert kriegt die 161 um die Ohren, während er selbst auf 25 wartet. Dann ist es plötzlich vorbei. Das sind Momente, in denen Littler brillant ist. Da kann man nicht viel machen. Aber es ist frustrierend, gegen ihn zu spielen.“
Littler war zu knacken
Besonders bemerkenswert fand van der Voort, dass Littler bei diesem Turnier nicht einmal sein absolutes Topniveau zeigte. Genau das mache die Situation für die Konkurrenz noch beunruhigender.
„Er war bei diesem Turnier nicht einmal brillant. Man hatte das Gefühl, er wäre zu knacken. Aber wenn alle gegen ihn nicht das Spiel spielen, das sie spielen wollen, gewinnt er trotzdem. Da sieht man, dass er so weit über dem Rest steht.“
Ein entscheidender Unterschied zu vielen anderen Topspielern zeigt sich für van der Voort im Umgang mit schwierigen Phasen. Während andere anfangen zu forcieren, bleibt Littler ruhig.
„Er stand zwischendurch bei acht Prozent auf die Doppel. Aber man sieht ihn nicht forcieren. Er macht einfach weiter dasselbe. Sein Wurf bleibt gleich. Er wirft nicht härter und baut keinen Extra-Druck auf. Er bleibt bei seinem Ding und am Ende fällt es. Das ist ein Musterbeispiel für jeden, der Dart spielt. Nicht forcieren, sondern dasselbe weitermachen. Nur ist das so schwer.“
Rock ließ erneut seine Chance liegen
Auch Josh Rock bekam laut van der Voort eine echte Gelegenheit, Littler zu schlagen – konnte sie jedoch nicht nutzen.
Der Nordire ging mit 9:7 in Führung und hatte Anwurf, verlor dann aber die Kontrolle über das Match.
„Er führt 9:7 und darf selbst anfangen. Dann wirft er in zwei Aufnahmen zusammen 105 Punkte und Littler zieht an. Ab da ist es wieder gekippt. Das ist typisch Rock. Wenn die Chancen da sind, nutzt er sie nicht.“
Wade beeindruckt mit starkem Turnier
Neben Littler fiel auch die Leistung von James Wade auf. Der Engländer spielte sich mit starken Auftritten bis ins Finale und überzeugte vor allem mit seinem Scoring.
Für van der Voort kam diese Leistung nicht überraschend.
„Wade hat ein fantastisches Turnier gespielt. Wenn man das Finale mal ausklammert, war er richtig gut. Einfach stark, was er wieder zeigt. Er stand im Halbfinale bei einem Scoring-Average von 116. Dann wird es für jeden schwer.“
Gerwyn Price musste sich in diesem Halbfinale geschlagen geben – obwohl sein eigener Average in vielen Partien zum Sieg gereicht hätte.
„Price war bei rund 104 im Schnitt und dachte, das reicht. Gegen Wade ist das oft so. Aber diesmal nicht. Wade war beim Scoring einfach der Chef. Dann spürst du irgendwann: Egal, was ich mache, er ist besser. Dann wird es sehr schwierig.“
Kritik auch an Luke Humphries
Auch Luke Humphries bekam von van der Voort Kritik ab. Der Engländer schied erneut früh aus und steckt seiner Meinung nach aktuell in einer schwierigen Phase.
„Er verpasst ein paar Doppel und ist dann weg. Dann kommt er nicht mehr zurück. Er hat jetzt wirklich ein ernstes Problem. Noppert war einfach besser und hat seine Chancen genutzt.“
Van Gerwen muss nach hinten schauen
In der Weltrangliste beginnen sich die Kräfteverhältnisse langsam zu verschieben. James Wade arbeitet sich wieder nach oben, Gerwyn Price fand nach einem Tief zurück, und Spieler wie Jonny Clayton rücken näher an Michael van Gerwen heran.
Van der Voort sieht darin eine logische Entwicklung der letzten Monate.
„Sie kommen alle näher an van Gerwen heran. Das wusste er auch, als er ins Jahr gestartet ist. Das darf keine Überraschung sein. Wenn er nicht liefert, fällt er zurück.“
Der ehemalige Profi glaubt, dass für van Gerwen eine entscheidende Phase bevorsteht, da er viel Preisgeld verteidigen muss.
„Wir wissen, dass er nächstes Jahr plötzlich um Platz zwanzig stehen kann, wenn er nichts macht. Also muss er in diesem Jahr wirklich performen, um wieder nach oben zu klettern. So einfach ist das.“