Für viele Dartsfans bleibt er eines der markantesten Gesichter der vergangenen dreißig Jahre. Mit seiner charakteristischen Ausstrahlung, kompromisslosen Haltung und enormen Scoring-Power entwickelte sich
Mervyn King zu einer festen Größe auf höchstem Niveau. Nachdem er sich Anfang dieses Jahres seine
PDC Tour Card zurückerobern konnte, ist „The King“ wieder auf der großen Bühne zurück. Und das bedeutete ihm sichtlich viel.
Emotionale Rückkehr
In einem
offenen Interview sprach der ehemalige Major-Sieger über seine emotionale Rückkehr, Höhe- und Tiefpunkte seiner Karriere und seinen Ehrgeiz, sich erneut für TV-Turniere zu qualifizieren. „Es fühlte sich absolut großartig an“, berichtet King über den Moment, als er sich seine PDC Tour Card bei der Q School sicherte.
„Ich war unglaublich emotional. Vier Tage lang habe ich bis zum Äußersten gekämpft und am Ende klappte es erst am letzten Tag. Ich habe meine Punkte verdoppelt und mir diese PDC Tour Card doch noch geschnappt. Das bedeutete mir wirklich alles.“
Für King war es ein besonderer Moment. Zwischen 2007 und 2024 war er ununterbrochen auf dem PDC-Circuit aktiv, wo er jahrelang zu den gefährlichsten Außenseitern zählte. Seine Rückkehr wurde daher mit Begeisterung aufgenommen von Dartsfans, die ihn immer noch gern in Aktion sehen.
Winmau World Masters
Auch wenn ihn viele Fans vor allem durch seine Erfolge in der PDC kennen, nahm Kings Palmarès schon lange zuvor beeindruckende Formen an. 2004 gewann er die prestigeträchtigen Winmau World Masters, indem er Tony O'Shea im Finale besiegte. Dennoch korrigiert King sofort, wenn er nach seinem ersten großen Titel gefragt wird.
„Das war nicht mein erstes Major“, lacht er. „Mein erster große Sieg war die British Open 1996. Die habe ich im Adelphi Hotel in Liverpool gegen Wayne Mardle gewonnen. Damals nahmen mehr als 3.500 Spieler am Herren-Einzelturnier teil, das war wirklich gigantisch.“
Dennoch dauerte es danach noch Jahre, bis King wieder einen großen Titel holen konnte. „Ich habe etliche Finals zwischen dieser British Open und den World Masters verloren. Am Ende habe ich Tony O’Shea in diesem Finale geschlagen, und fünf Monate später gewann ich auch noch den ODL-Titel, erneut gegen ihn im Endspiel. Ich glaube nicht, dass ich damals seine Lieblingsperson war“, witzelt er.
Mervyn King eroberte Anfang dieses Jahres seine PDC Tour Card zurück
2007 wechselte King zur PDC, wo er schnell bewies, dass er mit der absoluten Weltspitze mithalten kann. Im Laufe der Jahre erreichte er mehrere TV-Finals und galt als Spieler, der an seinen besten Tagen jeden schlagen konnte.
Schönster Moment
Gefragt nach seinem schönsten Moment innerhalb der PDC, muss er nicht lange überlegen. „Phil Taylor im Halbfinale der Premier League zu schlagen“, sagt King resolut. „Was danach im Finale passierte, war weniger schön, aber dieser Sieg über Taylor war etwas Besonderes.“
Phil Taylor zu besiegen galt jahrelang als ultimativer Beweis, zur Elite zu gehören. King tat es auf einer der größten Bühnen des Sports und zeigte damit, warum er so lange gefürchtet war.
Seine Karriere kennt jedoch auch schmerzhafte Momente. King verlor mehrere große Finals, darunter Endspiele gegen Michael van Gerwen und James Wade. Vor allem das Finale der Players Championship Finals gegen Van Gerwen lässt ihn nicht los. „Ich könnte dieses Finale gegen Van Gerwen nennen“, erzählt er. „Am Ende bekam ich keine Chance mehr auf Doppel 45, aber davor ließ ich ein paar Legs liegen, in denen ich das Match eigentlich hätte entscheiden müssen. Das machte es besonders enttäuschend.“
Noch keine Zeit für Abschied
Trotz seiner sechzig Jahre weigert sich King jedoch, sich mit einem Abschied abzufinden. Sein Spielniveau gibt ihm weiterhin das Vertrauen, dass neue Erfolge möglich sind. „Ich werfe immer noch Averages über 100“, sagt er kämpferisch. „Das Spiel ist also weiterhin da, selbst in meinem Alter. Früher konnte ich schalten, wann ich wollte. Jetzt kommen diese Gänge, wenn sie das wollen, nicht wenn ich das will. Aber wenn ich dieses Niveau mal länger als einen Tag halten kann, weiß man nie, was möglich ist.“
Das zeichnet Kings Mentalität aus: ehrlich, selbstkritisch und vor allem kämpferisch. Trotz aller Enttäuschungen glaubt der Engländer weiter an seine eigenen Qualitäten. Für viele Dartsfans würde eine neue TV-Teilnahme von „The King“ wie ein wunderbares Kapitel in einer ohnehin beeindruckenden Karriere wirken.
Am Ende des Interviews bekam King noch eine letzte Frage: Welchen Rat würde er jungen Dartspielern geben, die mit dem Sport beginnen wollen? Seine Antwort war so trocken wie typisch Mervyn King: „Sorgt für einen guten Buchhalter.“