Nach einer schwierigen Phase mit Gesundheitsproblemen, persönlichen Rückschlägen und sportlicher Ungewissheit scheint Scott Mitchell langsam aber sicher wieder zu seinem alten Niveau zurückzufinden. Bei Online Darts blickte der BDO-Weltmeister von 2015 offen auf die vergangenen Jahre zurück, sprach über seine sportliche Zukunft und gab seine Sicht auf die Entwicklungen in der Dartswelt wieder.
Schwierige Jahre abseits der Bühne
Dass Mitchell in den vergangenen Jahren auf Topniveau weniger präsent war, hatte mehrere Gründe. Der Engländer kämpfte 2025 mit verschiedenen gesundheitlichen Problemen, betont jedoch, dass nichts Lebensbedrohliches dabei war. „Ich habe ein paar harte Phasen durchgemacht, aber nichts Ernstes. Es waren vor allem viele Krankenhausbesuche, und das setzt dir mental zu. Man wird älter, und Darts ist heutzutage wirklich ein Sport für junge Spieler.“
Neben seiner eigenen Gesundheit musste Mitchell auch privat harte Schicksalsschläge verkraften. Kurz nach seinem WM-Titel änderte sich sein Leben drastisch, weil er jahrelang seine Eltern pflegte. „Ich habe meine Mutter in ihrem Kampf gegen Krebs begleitet, bis sie starb. Danach kam mein Vater, der COPD hatte. Bis etwa 2019 konnte ich Darts eigentlich nie mehr vollständig an erste Stelle setzen.“
Trotz dieser schwierigen Umstände kämpfte Mitchell weiter. 2020 führte er die Challenge Tour-Rangliste an und eroberte schließlich doch noch eine PDC Tour Card. Sein Abenteuer auf dem Profizirkus dauerte jedoch nur zwei Jahre. „2022 verlor ich meine PDC Tour Card um ein paar Pfund Preisgeld. Dann landest du als Nummer 66 statt 64 und fragst dich, wo du in der Dartswelt noch hingehörst.“
„Ich bin wieder nah an meinem alten Niveau dran“
Obwohl Mitchell seine Karriere heute realistischer betrachtet, ist sein Ehrgeiz weiter vorhanden. Der Engländer spürt, dass sein Level erneut steigt. „In den vergangenen Monaten spiele ich wirklich besser. Warum sollte ich nicht zu meinem alten Niveau zurückkehren können?“
Laut Mitchell spielt Materialpartner Cosmo dabei eine wichtige Rolle. Der ehemalige Weltmeister betont zudem, wie bedeutend Loyalität für ihn ist. „Ich war nie jemand, der ständig den Sponsor wechselt. Meine Sponsoren sind mir immer treu geblieben, auch in schwierigen Zeiten. Das weiß ich enorm zu schätzen.“
Dennoch blickt Mitchell heute anders auf seine Karriere als früher. Wo er früher jedes Ranglistenturnier spielte, wählt er seine Events nun viel bewusster aus. „Ich will vor allem noch dort spielen, wo ich Spaß habe. Dieses ständige Reisen, um Ranglistenpunkte zu sammeln? Das reizt mich nicht mehr so. Dieses Leben hatte ich jahrelang.“
Mitchell sieht durchaus noch Chancen, zu größeren Turnieren zurückzukehren. Dabei nennt er vor allem die MODUS Super Series als wichtigen Faktor seines Aufschwungs. „Ich bin ein riesiger Fan der Super Series. Hätte es dieses Konzept früher schon gegeben, wäre ich wahrscheinlich schneller durchgebrochen. Junge Spieler sammeln dort inzwischen wöchentlich enorm viel Bühnenerfahrung.“
Nach Mitchell erklärt das auch, warum so viele Spieler über diesen Circuit letztlich eine PDC Tour Card ergattern. „Du siehst die Spieler dort im Fernsehen und denkst: Wie hat dieser Junge noch keine Tour Card? Sie gewöhnen sich an Kameras, Druck und große Matches.“
Außerdem entwickelt sich Mitchell zunehmend als Kommentator. Er nennt Namen wie Chris Murphy, Henry Deacon und Paul Nicholson als wichtige Lehrmeister. „Ich lerne unglaublich viel von den Jungs. Sie sagen dir nicht, dass etwas falsch ist, sondern begleiten dich. So entwickelst du automatisch deinen eigenen Stil.“
Scott Mitchell wurde 2015 BDO-Weltmeister
Zurück zu den Wurzeln
Auffällig ist, dass Mitchell inzwischen auch an kleineren lokalen Events viel Freude findet. Vor allem die ADC Vault-Turniere halfen ihm, die Lust am Darts wiederzuentdecken. „In Christchurch, wo ich aufgewachsen bin, spiele ich jetzt wieder lokale Vault-Turniere in einer Kneipe namens The Sandpiper. Dort trete ich gegen Jungs wie Jayden Walker an, dem ich früher schon Dartunterricht gegeben habe, als er vier Jahre alt war.“
Dass ausgerechnet diese junge Generation ihn nun gelegentlich schlägt, sieht Mitchell nicht negativ. „Ich gehe im Grunde wieder zurück zum Anfang. Ich musste neu lernen, Darts zu genießen, und diese Vaults haben dabei enorm geholfen.“
Wie nahezu jeder Dartsfan sprach auch Mitchell ausführlich über Luke Littler. Der Weltmeister der neuen Generation beeindruckte den ehemaligen BDO-Champion nachhaltig. „Luke hat mich um ein Selfie gebeten, nicht umgekehrt“, witzelte Mitchell. „Ich kenne ihn, seit er etwa dreizehn war.“
Laut Mitchell vergessen viele Menschen immer noch, wie jung Littler tatsächlich ist. „Er ist erst neunzehn Jahre alt. Als ich neunzehn war, stand ich in der Kneipe und suchte Streit, wenn jemand etwas Falsches sagte. Luke macht das alles nicht.“
Zudem nahm Mitchell Littler nach jüngster Kritik in den sozialen Medien in Schutz. „Die Leute vergessen, wie viel Gutes er für Darts getan hat. Wir sind in England von zwanzig Dartakademien auf über sechzig gestiegen. Das liegt mit an dem Luke-Littler-Hype.“
Der Engländer sieht sogar Parallelen zu früheren ikonischen Epochen des Sports. „Zuerst gab es die Bristow-Ära, dann die Taylor-Ära und jetzt befinden wir uns in der Littler-Ära.“
Auch der Umzug der WDF Masters nach Las Vegas kam zur Sprache. Während viele Spieler kritisch reagierten, sieht Mitchell vor allem Chancen. „Ich denke, es ist gut für die WDF. Darts wächst weltweit und manchmal muss man sich trauen, zu erneuern.“
Er versteht die Kritik an Reiseentfernung und Kosten, weist jedoch darauf hin, dass der Dartskalender heutzutage schlichtweg überfüllt ist. „Bei so vielen Organisationen und Turnieren ist es unmöglich, Überschneidungen zu vermeiden. Spieler müssen Entscheidungen treffen.“
Für Mitchell persönlich liefert das Turnier zudem eine zusätzliche Motivation. „Ich war noch nie in Amerika, und meine Frau will seit Jahren nach Las Vegas. Darts ist inzwischen eine schöne Ausrede, das endlich zu tun.“
Obwohl Mitchell weiß, dass seine Karriere langsam auf die letzten Kapitel zusteuert, blickt er mit viel Begeisterung auf die Zukunft des Sports. „Ich habe vielleicht noch ein paar Jahre im Tank, aber danach kommentiere ich gern und genieße das Geschehen von der Seitenlinie.“
Der Engländer sieht eine außergewöhnlich talentierte Generation heranwachsen. „Es gibt unglaublich viele sehr gute junge Spieler. Dank Akademien und Jugendprogrammen wächst Darts stetig weiter.“
Und genau deshalb kann Mitchell inzwischen auch sein eigenes Spiel wieder voll genießen. „Ein glücklicher Scott ist ein besserer Scott“, schloss er mit einem Lächeln.