„Eines Tages hole ich mir diese Karte“ – Einer der besten Dartspieler ohne Tour Card gibt seinen Traum nicht auf

PDC
Samstag, 22 August 2026 um 18:00
Andreas Harrysson (1)
Andreas Harrysson ist seit Jahren ein fester Begriff für Dartsfans. Der 50-jährige Schwede zählt zu den stärksten Spielern auf dem skandinavischen Circuit und hat mehrfach bewiesen, dass er auch gegen etablierte PDC-Profis bestehen kann. Dennoch fehlt in seiner Vita weiterhin etwas Entscheidendes: eine PDC Tour Card.
In den vergangenen Jahren hat Harrysson seine Qualitäten regelmäßig auf der PDC Nordic & Baltic Tour und bei internationalen Turnieren gezeigt. Wenn der Schwede sein Topniveau erreicht, kann er nahezu jedem Gegner ernsthaft zusetzen. Das macht ihn zu einem der auffälligsten Spieler, die nie einen festen Platz auf der PDC ProTour erkämpft haben.
Im Gespräch mit Bang On Target berichtete Harrysson ausführlich über sein Leben neben dem Darts, die Entwicklung des Sports in Skandinavien und seinen Antrieb, doch noch eine Tour Card zu holen. Denn trotz früherer Enttäuschungen bei der Q School ist Aufgeben für Harrysson keine Option.

Ruhiges Leben in Målilla

Harrysson lebt in Målilla, einem kleinen Ort im Süden Schwedens. Dort wohnt er mit seiner Partnerin Petra, mit der er seit über drei Jahrzehnten zusammen ist. „Ich lebe in Schweden, in einer kleinen Gemeinde namens Målilla, in der etwa 1500 Menschen wohnen“, erzählt Harrysson. „Ich lebe mit meiner Partnerin Petra zusammen. Wir sind nicht verheiratet, wir sind erst seit 31 Jahren zusammen! Wir haben zwei Söhne, Linus (26) und Albin (22).“
Abseits des Darts führt Harrysson nach eigenen Worten ein eher ruhiges Leben. „Meine Interessen sind Angeln, Speedway schauen und Musik hören.“
Seine Leidenschaft für Speedway kommt nicht von ungefähr. Målilla hat eine enge Verbindung zum Motorsport und ist in Schweden ein bekannter Ort in der Speedway-Szene. Dennoch nimmt Darts selbstverständlich einen großen Teil von Harryssons Freizeit ein.
Der Schwede ist keiner, der nur auftaucht, wenn ein wichtiges internationales Turnier ansteht. Auch im eigenen Land versucht er, so viele Matches wie möglich zu spielen. „Ich versuche, so oft wie möglich für mein Klubteam Målilla in der schwedischen Elitserien und in der lokalen Liga zu spielen. Außerdem nehme ich an verschiedenen Einzelturnieren in ganz Schweden teil.“
Diese vielen Spielstunden haben dazu beigetragen, dass Harrysson seit Jahren zu den besseren Spielern seiner Region gehört. Auf der PDC Nordic & Baltic Tour ist er ein vertrautes Gesicht, und auch abseits dieses Circuits sucht er kontinuierlich nach Möglichkeiten, wettbewerbsmäßig im Rhythmus zu bleiben.

Einer der besten Spieler ohne Tour Card

Wer Harrysson häufiger in Aktion gesehen hat, dürfte sich gefragt haben, warum er nie eine PDC Tour Card erobert hat. Der Schwede verfügt über ausreichend Scoring-Power und hat in der Vergangenheit gezeigt, dass ihn große Namen nicht einschüchtern.
Harrysson wird daher regelmäßig als einer der besten Spieler genannt, die nie einen festen Platz auf der PDC ProTour hatten. Für ihn selbst ist das vor allem ein großes Kompliment.
„Es ist eine große Ehre, auf diese Weise gesehen zu werden“, sagt er. „Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich mehrfach gezeigt habe, dass ich jedem eine echte Herausforderung bieten kann – sowohl on stage als auch off stage.“
Genau das hat Harrysson im Laufe der Jahre immer wieder unterstrichen. Seine Resultate waren nicht immer konstant, aber an einem guten Tag erreicht der Schwede ein Niveau, mit dem er selbst etablierte Tour-Card-Inhaber in Bedrängnis bringt.
Zugleich zeigt es, wie schwierig es ist, sich die Tour Card über die Q School zu sichern. Vier Tage lang muss fast alles zusammenpassen, während Hunderte Spieler dasselbe Ziel verfolgen. Ein schwächeres Match kann reichen, um ein ganzes Jahr warten zu müssen. Harrysson weiß inzwischen besser als die meisten, wie hart dieser Kampf ist. Seine Ambition hat das dennoch nicht geschmälert.
Andreas Harrysson zeigt beide Daumen hoch.
Harrysson erreichte bei seinem Debüt bei der vergangenen Darts-WM sofort das Achtelfinale.

Neuer Anlauf bei der Q School

Der Schwede wird deutlich, als er gefragt wird, ob er erneut versuchen wird, eine Tour Card zu holen. „Ich werde es auf jeden Fall wieder versuchen“, betont Harrysson. „Eines Tages werde ich mir diese Karte schnappen.“
Eine Aussage, die viel über seine Einstellung verrät. Trotz aller vorherigen Anläufe und Enttäuschungen bleibt Harrysson von seinen Möglichkeiten überzeugt.
Sollte es ihm gelingen, dürfte er sich zwei Saisons lang mit den Besten auf der ProTour messen. Angesichts seiner bisherigen Auftritte gegen PDC-Profis wäre Harrysson dort alles andere als ein unbekannter Gegner.
Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob es künftig vielleicht einen anderen Weg auf die ProTour für Spieler aus Skandinavien geben sollte. Die PDC Nordic & Baltic Tour hat sich in den vergangenen Jahren stark entwickelt und bringt immer häufiger Spieler hervor, die auch international mithalten.
Eine mögliche Option wäre, dem Sieger der Serie direkt eine Tour Card zu geben. Harrysson ist dem nicht abgeneigt. „Das könnte auf jeden Fall etwas Gutes sein“, sagt er. „Auch wenn Q-School natürlich schon hart genug ist, so wie sie jetzt ist.“

Niveau in Skandinavien steigt weiter

Der Dartsport hat in den vergangenen Jahren in Skandinavien deutlich an Boden gewonnen. Während die absolute Weltspitze lange Zeit vor allem aus Großbritannien und den Niederlanden kam, nimmt der internationale Charakter der Sportart stetig zu.
Auch auf der Nordic & Baltic Tour ist diese Entwicklung sichtbar. Laut Harrysson steigt das Niveau dort Jahr für Jahr. „Das kann man auf jeden Fall sagen. Das Niveau wird jedes Jahr besser.“
Das führt auch dazu, dass Spieler aus Skandinavien immer häufiger den Weg zu größeren PDC-Turnieren finden. Die Distanz bleibt dabei jedoch ein wichtiger Faktor. Für Spieler aus Großbritannien oder den Niederlanden ist es vergleichsweise einfach, viele Events zu spielen, während skandinavische Dartspieler regelmäßig auf Flugreisen und Hotelübernachtungen angewiesen sind.
Die finanziellen und praktischen Hürden liegen dadurch deutlich höher. Dennoch erwartet Harrysson, dass in Zukunft mehr skandinavische Spieler auf der PDC Tour auftauchen werden. „Das glaube ich und das hoffe ich.“
Für die weitere Entwicklung des Darts in der Region wäre das ein wichtiger Schritt. Je mehr Spieler sich auf Topniveau etablieren, desto attraktiver wird der Sport für neue Generationen in Schweden, Finnland, Dänemark und den übrigen Ländern der Region.

Harrysson über Nationalität im Sport

Im Interview wurde Harrysson auch zu einem Thema befragt, das in den vergangenen Jahren immer wieder für Diskussionen sorgte: Spieler, die nicht in einem bestimmten Land geboren sind, dieses Land später aber international vertreten.
Harrysson findet, dass daran grundsätzlich nichts falsch ist, solange jemand tatsächlich eine Bindung zu dem betreffenden Land aufgebaut hat. „Das ist eine schwierige Frage“, beginnt er. „Meine Meinung ist: Wenn du in ein Land ziehst, Staatsbürger wirst und das Gefühl hast, Teil dieses Landes zu sein, ist es logisch, dieses Land zu vertreten.“
Laut Harrysson ändert sich die Lage, wenn jemand nur die Nationalität wechselt, um sportliche Vorteile zu erlangen. „Wenn du nur Staatsbürger wirst, um bei Olympischen Spielen, der WM oder etwas Vergleichbarem starten zu können, dann finde ich das falsch.“
„In solchen Fällen finde ich, dass diejenigen, die wirklich für ihr Land spielen, diesen Platz bekommen sollten, selbst wenn sie vielleicht etwas schwächer sind.“
Für Harrysson geht es beim Vertreten eines Landes also nicht ausschließlich um die offizielle Staatsangehörigkeit. Ein Spieler müsse seiner Ansicht nach auch tatsächlich eine Verbindung zu dem Land aufgebaut haben, für das er antritt.

Tour Card bleibt das große Ziel

Harrysson hat in seiner langen Dartkarriere bereits viel erlebt und durfte sich auch auf großen internationalen Bühnen zeigen. Das Spielen im Alexandra Palace zählt für ihn zu den eindrucksvollsten Erfahrungen, die der Sport zu bieten hat.
„Es wäre definitiv der Moment, in dem du die Bühne im Ally Pally betrittst“, antwortet Harrysson, als er nach einem seiner größten Karrierehöhepunkte gefragt wird.
Seine Geschichte ist jedoch noch nicht zu Ende. Der Schwede bleibt auf dem skandinavischen Circuit aktiv, spielt so viele Matches wie möglich im eigenen Land und denkt nicht daran, seinen Traum von einer Karriere als PDC-Profi aufzugeben.
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