„Ich glaube wirklich, dass Kenia eines der besten Dartsländer Afrikas werden kann“ – Wachiuri und Munyua treiben große Vision voran

PDC
Donnerstag, 02 April 2026 um 9:00
David Munyua (3)
Der Moment, in dem David Munyua seinen entscheidenden Pfeil im Board versenkte, wird sich noch lange in das kollektive Gedächtnis der Dartswelt einprägen. Auf der größten Bühne des Sports, der Darts WM im Alexandra Palace, schrieb der Kenianer Geschichte, als erster Spieler seines Landes überhaupt ein Match zu gewinnen. Was folgte, war nicht nur ein persönlicher Triumph, sondern auch der Beginn einer breiteren Bewegung, die Darts in Kenia nachhaltig zu verändern scheint.

WM-Coup gegen De Decker

Munyua, erst seit 2022 im Sport aktiv und außerdem Vollzeit-Tierarzt, schien anfangs chancenlos in seinem Duell mit Mike De Decker. Der Belgier, eine feste Größe auf der Tour, zog komfortabel mit 2:0 in Sätzen davon. Doch Munyua kämpfte sich stark zurück und drehte das Match komplett: 3:2. Die ikonische Kulisse des Alexandra Palace wurde zum Schauplatz eines der überraschendsten Comebacks des Turniers.
„Als ich 0:2 hinten lag, sagte ich mir immer wieder: Gib nicht auf“, erzählt Munyua. „Ich dachte: Wenn ich einen Satz holen kann, ist alles möglich. Und dann spürte ich, dass das Publikum hinter mir stand.“
Diese Unterstützung kam nicht nur von den Rängen, sondern auch aus nächster Nähe. Neben ihm stand sein guter Freund und Landsmann Peter Wachiuri, der eine entscheidende Rolle auf Munyuas Reise nach London spielte. Die beiden reisten gemeinsam aus Kenia an, wohnten in derselben Unterkunft und bereiteten sich zusammen auf den größten Moment ihrer Karrieren vor.

„Das war ein Sieg von uns beiden“

Ein besonderes Detail unterstrich ihre Verbundenheit. Beim Walk-on erhielt Munyua sein Dartcase von einem Fan in der ersten Reihe gereicht. Dieser Fan entpuppte sich als niemand Geringerer als Wachiuri selbst. „Wir sind wie Brüder“, sagt Munyua. „Er war immer für mich da. Ohne ihn wäre das nicht dasselbe gewesen.“
Wachiuri ergänzt: „Wir haben so viel zusammen durchgemacht. Das war nicht nur sein Sieg, sondern ein Stück weit unserer beiden.“
Die Wirkung von Munyuas Leistung reichte schnell über den Alexandra Palace hinaus. Bei seiner Rückkehr nach Kenia erwartete ihn ein wahrer Heldempfang. Medienpräsenz, Glückwünsche und eine wachsende Popularität des Dartsports waren die unmittelbare Folge. Selbst der kenianische Präsident William Ruto meldete sich zu Wort und sprach seine Unterstützung aus.
„Es ist wirklich unglaublich“, sagt Munyua. „Alles hat sich verändert. Die Leute erkennen mich auf der Straße, und überall, wo ich hinkomme, sehe ich jetzt Menschen darten. Das motiviert mich enorm. Ich bin stolz, mein Land vertreten zu haben. Hoffentlich inspiriert das andere, ebenfalls anzufangen.“
Laut Wachiuri ist das Wachstum des Sports deutlich sichtbar. „Der Sport wird hier immer größer“, erklärt er. „Man sieht neue Spieler auftauchen, die Leute trainieren ernsthafter. Es lebt richtig.“ Er betont jedoch, dass noch Arbeit vor ihnen liegt: „Wir haben genug Talent, aber wir brauchen Unterstützung, um weiter zu wachsen.“
Peter Wachiuri in Aktion bei den MODUS Super Series
Peter Wachiuri gilt als Kultheld im Dartsport

„Wir hoffen auf mehr Unterstützung vom Verband und der Regierung“

Diese Unterstützung ist entscheidend, denn für viele afrikanische Dartspieler sind die Kosten eine große Hürde. Reisen zu internationalen Turnieren, Zugang zu guten Spielstätten und professionelle Betreuung sind nicht selbstverständlich. „Es ist hier teuer, alles zu organisieren“, sagt Wachiuri. „Wir hoffen auf mehr Unterstützung vom Verband und der Regierung.“
Es gibt jedoch auch positive Entwicklungen. So erhielt Afrika kürzlich einen zusätzlichen Qualifikationsplatz für die Darts WM, was die Chancen für Spieler vom Kontinent erhöht. Zudem spielt Devon Petersen eine wichtige Rolle in der Entwicklung des Sports durch Initiativen, die mehr Wettkämpfe und Sichtbarkeit schaffen.
Auffällig ist, dass Wachiuri selbst bereits im Rampenlicht stand. Bei der MODUS Super Series avancierte er zum Publikumsliebling, indem er das Finale erreichte und mehrere erfahrene Spieler schlug. Bei seiner Rückkehr nach Nairobi wurde er wie ein Held empfangen. „Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet“, sagt er. „Aber es zeigt, wie viel es den Menschen bedeutet.“
Der Fokus liegt nun jedoch vor allem auf der Zukunft. Munyua und Wachiuri sind fest entschlossen, Darts in Kenia auf ein neues Level zu heben. Ihr Anspruch geht über individuelle Erfolge hinaus. Sie wollen Strukturen schaffen, in denen neue Spieler sich entwickeln können und internationale Turniere erreichbar werden.
„Ich glaube wirklich, dass Kenia eines der besten Dartsländer Afrikas werden kann“, sagt Munyua. „In fünf Jahren hoffe ich, dass wir große Spieler in unser Land holen können. Wir wollen den Sport verändern. Das ist erst der Anfang.“
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