„In Kenia stand alles Kopf. Selbst der Präsident reagierte“ – Wie ein WM-Spiel das Leben von David Munyua veränderte

PDC
durch Nic Gayer
Donnerstag, 29 Januar 2026 um 18:30
David Munyua (2)
David Munyua sorgte in der ersten Runde der Darts WM 2026 für eine der größten Sensationen des Turniers. Unter dem Spitznamen „Why Not“ betrat erstmals ein Spieler aus Kenia die größte Bühne des Sports – und krönte sein Debüt direkt mit einem Paukenschlag. Mit einem 3:2-Erfolg gegen den an Position 18 gesetzten Mike De Decker, früherer Sieger des World Grand Prix, ließ der Außenseiter die Dartswelt staunen.
Der 30-Jährige hatte sich bereits Monate zuvor völlig überraschend für die Darts WM qualifiziert. Im September gewann Munyua das Qualifikationsturnier der African Darts Group (ADG), indem er im Finale den Topfavoriten Cameron Carolissen aus Südafrika mit 8:6 bezwang. Damit schrieb er Geschichte als erster Kenianer, der sich jemals für die PDC Darts World Championship qualifizierte.

Materialwechsel zwei Tage vor WM-Start

Die Teilnahme an der WM bedeutete für Munyua nicht nur einen Platz im erstmals auf 128 Spieler erweiterten Teilnehmerfeld, sondern auch seine erste Reise außerhalb Afrikas. Kurz vor seinem Erstrundenmatch traf er zudem eine Entscheidung, die im Nachhinein fast sinnbildlich für seinen Mut stand: Zwei Tage vor dem Turnier wechselte er sein Material. Bei einem Besuch in einem Londoner Dartshop tauschte er seine stark abgenutzten Pfeile gegen ein neues Set Mission Cameron Crabtree-Darts.
„In Kenia haben wir keine guten Dartläden, in denen man sein Material anpassen kann“, erklärte Munyua im Gespräch mit dem Weekly Dartscast. „Ich hatte zwar Darts, aber nicht mit dem Grip, den ich mag. Zwei Tage vor dem Turnier habe ich mich deshalb zum Wechsel entschieden.“ Der Ladenbesitzer habe ihn nicht gekannt, sei aber äußerst hilfsbereit gewesen. Gemeinsam mit seinem Freund Peter Wachuiri wählte Munyua neue Darts aus. „Sie gaben mir sogar ein Board und ein Stativ, damit ich in meinem Zimmer trainieren konnte. Diesem Laden, Darts GB, bin ich enorm dankbar.“
Vor dem Duell mit De Decker galt eine Überraschung dennoch als äußerst unwahrscheinlich. Der Belgier hatte zwar ein schwächeres Jahr 2025 hinter sich als sein Topjahr 2024, in dem er den World Grand Prix gewann, ging aber weiterhin als klarer Favorit in die Partie. Munyua dachte nicht daran, diese Rolle anzunehmen. Nach einem 0:2-Satzrückstand gewann er drei Durchgänge in Folge und bescherte Dartsfans weltweit eine der größten Sensationen des Jahres.
„Gegen Mike De Decker zu gewinnen, war wirklich verrückt“, sagte Munyua. „Er ist enorm erfahren, ich war der Underdog und es war mein erstes Mal auf dieser Bühne. Selbst ein Satzgewinn fühlte sich schon wie eine riesige Leistung an.“ Dennoch habe er weiter an sich geglaubt. „Dass ich an diesem Tag der Publikumsliebling war, gab mir zusätzliche Energie. Es half mir zu glauben, dass es weiterhin möglich war.“
Die Auswirkungen seines Sieges reichten weit über den Alexandra Palace hinaus. Weltweit sorgten Schlagzeilen für Aufmerksamkeit, und nur eine Woche später kündigte die Professional Darts Corporation an, Afrika ab der WM 2026/27 ein zusätzliches Startrecht zu gewähren. Künftig erhält der Kontinent zwei WM-Tickets statt eines. Zudem erweitert die ADG im Jahr 2026 die African Continental Tour auf sechs Turniere, aufgeteilt in eine nördliche und eine südliche Region. Darüber hinaus erhält Afrika fortan einen zweiten Startplatz beim World Cup of Darts, zusätzlich zu Südafrika.

Kenia steht Kopf

In Kenia selbst schlug Munyuas Erfolg ein wie eine Bombe. „Alles stand Kopf“, erzählt er. „Alle fragten: ‚Wer ist David Munyua? Was ist Darts?‘ Sogar mein Präsident reagierte, und überall wurden meine Fotos geteilt.“ Sein Name trendete landesweit, auf der Straße wird er inzwischen erkannt. „Manchmal schaffe ich es noch, anonym zu bleiben, aber oft höre ich: ‚Hey, das ist der Darter!‘ Das motiviert mich enorm. Ich spüre, dass ich nicht nur für mich spiele, sondern für ein ganzes Land.“
Auch im Bereich Sponsoring hat sich seine Situation grundlegend verändert. „Früher war es fast unmöglich, Unterstützung zu finden. Jetzt ist die Haltung komplett anders. Die Menschen wollen Teil dieser Geschichte sein.“ Für Munyua ist klar, wie es weitergehen soll. „Wenn ich die Chance bekomme, häufiger in Europa oder anderswo zu spielen, nutze ich sie mit beiden Händen. Je mehr Erfahrung und Sichtbarkeit, desto besser kann ich werden.“
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