Kaum hat die Dartswelt nach einer atemberaubenden
Darts WM etwas durchgeatmet, da steht bereits das nächste große Highlight bevor. In
The Darts Show der Professional Darts Corporation blickte Moderator Will Simpson gemeinsam mit den Analysten
Chris Mason und
Dan Dawson auf eine historische WM zurück, voraus auf das
Winmau World Masters – und vor allem auf die zentrale Frage: Kann jemand die Dominanz von
Luke Littler stoppen?
Die
jüngste Darts WM lieferte reichlich Gesprächsstoff. Sie schrieb Geschichte, bot große Emotionen, Newcomer und sportliche Höchstleistungen. Gleichzeitig blieb ein Aspekt hängen, der die Diskussion bis heute prägt: das einseitige Finale und die scheinbare Überlegenheit des neuen Weltmeisters.
Eine WM, die alles bot – außer einer echten Finalpartie
Wie so oft wurde die zurückliegende PDC-WM erneut als „die beste aller Zeiten“ bezeichnet. Dieses Mal gab es dafür auch einen objektiven Grund: Erstmals traten 128 Spieler an. Für Mason war das im Vorfeld ein Risiko. „Ich hatte ehrlich gesagt ein bisschen Angst, dass es verwässert“, räumte er ein. „Aber das Einzige, was dabei herauskam, waren Drama, großartige Geschichten und unglaublich hochwertiges Darts.“
Die größere Struktur brachte mehr Varianz, mehr Überraschungen und vor allem mehr Drucksituationen. Trotzdem blieb ein kritischer Unterton. „Am Ende stand ein leicht enttäuschendes Finale“, stellte Mason fest – nicht wegen des Niveaus, sondern wegen des Kräfteverhältnisses. Littler agierte schlicht auf einem anderen Level. „Er war von Anfang bis Ende phänomenal. Ein mehr als verdienter Weltmeister.“
Dass der Dartskalender keine Pause kennt, zeigte auch Dawsons jüngster Besuch bei der
Q-School in Milton Keynes. „Spannend, emotional, überraschend – es war alles dabei“, fasste er zusammen. Besonders hob er Cristo Reyes hervor, der nach fünf Jahren Abwesenheit auf die Tour zurückkehrte. „Solche Geschichten machen die Q-School fantastisch“, so Dawson.
World Masters: klassisches Format, maximaler Druck
Der Blick richtete sich schnell auf das
Winmau World Masters, das an diesem Donnerstag, dem 29.01., beginnt. Gespielt wird im klassischen World-Masters-Format von 1973, das die PDC im vergangenen Jahr erfolgreich wiederbelebte. „Als die WDF es fallen ließ, war das der Moment, es neu einzuführen“, erklärte Mason. „Und es kam sofort an.“
Das Format gilt vor allem in den frühen Turnierrunden als gnadenlos: Best of three Legs, Best of five Sets. „Du fühlst dich nie sicher“, betonte Mason. „Du kannst meilenweit führen, aber ein Break – und alles ist wieder ausgeglichen.“ Er sprach dabei aus eigener Erfahrung. „Ich habe einmal ein Halbfinale verloren, obwohl ich deutlich vorn lag. Das sagt alles.“
Nach der Auslosung stachen mehrere Partien sofort ins Auge. Mason nannte insbesondere das Duell zwischen Damon Heta und Michael van Gerwen. Van Gerwen startete stark in die World Series, steht jedoch vor einer richtungsweisenden Saison. „Mehr als siebzig Prozent seines Preisgelds muss er verteidigen“, erklärte Mason. „Tut er das nicht, fällt er im Ranking zurück.“
Gleichzeitig befindet sich Heta in einer schwierigeren Phase. „Aber wenn er auf 95 Prozent seines Niveaus zurückkommt, kann er das gewinnen“, stellte Mason klar. „Er gewinnt mehr Matches als fast jeder auf der Tour.“
Auch das Aufeinandertreffen von Dave Chisnall und Luke Humphries sorgte für Aufmerksamkeit. „Das ist kein angenehmer Start“, sagte Mason lachend. „Humphries wird dieses Jahr etwas beweisen wollen.“
Auf mögliche frühe Überraschungen angesprochen, verwies Dawson auf Chris Dobey, der mit Jermaine Wattimena eine „fürchterliche Auslosung“ erwischt habe. Auch Stephen Bunting kam zur Sprache. „Er gewann letztes Jahr sechs Titel, aber im TV lief es zäh“, so Dawson. „Das ist seine Chance, alle daran zu erinnern, wie gut er ist.“
Mason warnte dabei vor dem mentalen Druck. „An seinen Interviews sieht man, dass er sich annimmt, was andere denken. Das kann in beide Richtungen gehen. Wenn er etwas beweisen will, kann das nach hinten losgehen.“
Bei den Außenseitern fiel zudem der Name Rob Cross. „Seine Form ist ein Thema“, räumte Mason ein. „Aber wir wissen alle, dass er alles gewinnen kann.“ Cross muss sich in diesem Jahr über Qualifikationen in die European Tour spielen und hat laut Mason zu viel Leerlauf. „Er spielt schlicht zu wenig.“
Darüber hinaus nannten die Experten Gary Anderson, James Wade und Nathan Aspinall als Spieler, die in diesem speziellen Format besonders gefährlich sein können.
Kann jemand Littler stoppen?
Am Ende landeten die Experten dennoch wieder bei einem Namen:
Luke Littler. Das World Masters gehört zu den wenigen großen Titeln, die ihm noch fehlen. „Leute behaupten, Darts sei kaputt und er werde alles gewinnen“, sagte Dawson. „Das glaube ich nicht. Selbst auf dem Höhepunkt von Taylor und van Gerwen blieben Titel liegen.“
Dennoch bleibt Littler der Favorit – nicht, weil er das Spiel neu definiert hat, sondern wegen seiner außergewöhnlichen Stärke unter Druck. „Wenn du Druck auf ihn ausübst, wird er nur stärker“, analysierte Dawson. „Das liegt an seinem Temperament. Das dürfte er in diesem Alter nicht haben – aber er hat es.“
Mason verwies abschließend auf das WM-Finale gegen Gian van Veen. „Gian hatte Chancen, 2:0 in Sätzen in Führung zu gehen. Wenn er die nutzt, wird es ein anderes Match. Aber gegen Littler musst du jede Chance nutzen – bis zum Schluss.“