„Ich habe ein bisschen Angst um seine Tour Card“ – Gian van Veen äußert sich besorgt über Dimitri Van den Bergh

PDC
durch Nic Gayer
Samstag, 12 September 2026 um 14:30
Gian van Veen & Dimitri van den Bergh
Vom aufstrebenden Talent zum WM-Finalisten und zur Nummer drei der Welt: Für Gian van Veen hat sich innerhalb kürzester Zeit nahezu alles verändert. Mit seinem rasanten Aufstieg sind auch die Erwartungen an den 24-jährigen Niederländer enorm gestiegen. Ein Titel fehlt ihm 2026 zwar noch, nach einem extrem kräftezehrenden ersten Teil der Saison findet van Veen inzwischen jedoch immer besser zu seinem Rhythmus zurück.
Entsprechend selbstbewusst reist er zur Flanders Darts Trophy nach Antwerpen. Da unter anderem Luke Littler und Luke Humphries im Aufgebot fehlen, gehört van Veen in der Antwerp Expo zu den Topfavoriten auf den Turniersieg. Zudem fühlt sich der Auftritt in Belgien für ihn beinahe wie ein Heimspiel an: Von seinem Wohnort Poederoijen beträgt die Anreise nur knapp eine Stunde – und mit den belgischen Dartsfans hat er ohnehin beste Erfahrungen gemacht.

Van Veen fühlt sich in Belgien wohl

„Ich spiele in den letzten Wochen wirklich gut. Das Niveau wird stetig besser. Ich komme auch immer gerne nach Belgien zum Darten. Antwerpen ist für mich nah – knapp eine Stunde Fahrt – und vor dem belgischen Publikum zu spielen fühlt sich immer großartig an. Die Hallen sind top und alles ist immer bestens organisiert“, erklärt van Veen im Gespräch mit Het Nieuwsblad.
Gian van Veen posiert mit seiner Trophäe für den Zweitplatzierten bei der vergangenen Darts WM.
Gian van Veen ist innerhalb eines Jahres bis auf Platz drei der Weltrangliste geklettert und hat sich längst in der absoluten Weltspitze etabliert.
Ein Turniersieg in Antwerpen käme für den Niederländer zum richtigen Zeitpunkt. Nach seinem großen Durchbruch und dem Einzug ins WM-Finale sind die Ansprüche an van Veen deutlich gestiegen, doch auf seinen ersten Titel in diesem Kalenderjahr wartet er weiterhin. Mit seinen bisherigen Leistungen ist der 24-Jährige dennoch keineswegs unzufrieden.
„Ich würde meinem Jahr bisher eine 7 von 10 geben“, bilanziert van Veen. „Bei den Majors lief es bislang gut, mit Halbfinals beim World Masters und beim World Matchplay. Und natürlich dem Finale beim World Cup, zusammen mit Michael. Auch die European Tour kommt immer besser ins Laufen. Auf dem Floor war es bisher schwächer, aber nach dem Ende der Premier League versuche ich das nach und nach zu korrigieren.“

Hartes Programm nach dem Durchbruch

Van Veen absolvierte in diesem Jahr seine erste Saison in der Premier League. 16 Wochen in Folge war er jeweils am Donnerstagabend gefordert, während parallel auch der restliche PDC-Kalender weiterlief. Zusätzlich hatte der Niederländer mit Nierensteinen zu kämpfen. Die enorme Belastung zwang ihn dazu, Prioritäten zu setzen und auf mehrere Players Championship-Turniere zu verzichten.
„Es geht um mehr als Titel zu gewinnen. Natürlich sind die Erwartungen an mich sehr hoch, und das verstehe ich vollkommen. Daran werde ich am Ende gemessen, das ist okay. Mache ich selbst auch. Aber ich bin mit meinem konstant hohen Niveau recht zufrieden, besonders bei TV-Turnieren. Ich habe auch einen Teil der Floor-Turniere ausgelassen wegen der Premier League. Das musste sein, sonst hätte ich mich überlaufen. Dann war ich auch noch in Australien und Neuseeland für die World Series. So eine Saison ist Planung.“
Wie grundlegend sich sein Status innerhalb nur eines Jahres gewandelt hat, bekommt van Veen mittlerweile täglich zu spüren. Vor einem Jahr bewegte er sich noch um Platz 20 der Weltrangliste, mittlerweile ist er bis auf Rang drei vorgestoßen. Entscheidenden Anteil an diesem Sprung hatte naturgemäß sein Einzug ins Finale der Weltmeisterschaft.
„Es fühlt sich für mich neun Monate danach noch immer unwirklich an, in diesem WM-Finale gestanden zu haben. Für mich kommt jetzt viel mehr dazu: Jeder erwartet, dass du weit kommst und/oder Turniere gewinnst. Aber vor einem Jahr stand ich noch auf Platz 20 der Weltrangliste. Es ist nicht so, dass ich jetzt – als Nummer drei – so viel besser bin. Es gibt also auch schwierige Phasen, aber daraus lernst du wieder.“

„Es liegt nicht in mir, den Bösewicht zu spielen“

Trotz seines kometenhaften Aufstiegs sieht van Veen keinen Grund, seine Persönlichkeit zu verändern. Während andere Topspieler ihr Selbstvertrauen offensiv zur Schau stellen oder auf und neben der Bühne bewusst für Reibung sorgen, kann sich der Niederländer mit einer solchen Rolle nicht identifizieren.
„Es liegt nun mal nicht in mir, den ‚Bösewicht‘ zu spielen“, lacht er. „Ich will ansprechbar bleiben und mit beiden Beinen auf dem Boden. Darauf bin ich auch einfach stolz. Ich bin nicht der feindselige Typ, Streit ist nichts für mich. Schon gar nicht auf der Bühne. Ich lasse lieber meine Leistungen sprechen. In Interviews rausposaunen, wie viele Titel man holt... Nein. Das kann nach hinten losgehen. Keine Sorge: Ich bin selbstbewusst. Aber ich muss das nicht rausbrüllen, damit es jeder hört.“
Auch im Umgang mit seinen Fans möchte van Veen derselbe bleiben, der er bereits vor seinem Durchbruch war. Die deutlich größere Aufmerksamkeit führt allerdings dazu, dass er inzwischen bewusster damit umgeht, wie er sich auch abseits des Boards präsentiert.
„Ich versuche, mit beiden Beinen auf dem Boden zu bleiben. Und ich selbst zu bleiben. Es wäre mies, wenn ich Fans jetzt sagen würde, dass ich keine Lust auf ein Foto oder Autogramm habe. Deshalb mache ich auch mehr in den sozialen Medien und gebe Einblicke hinter die Kulissen meiner Erlebnisse. Als kleiner Junge hätte ich es großartig gefunden, so etwas sehen zu können. Es ist für mich noch ungewohnt, aber ich werde immer besser darin. Es ist nicht so, dass ich zwanzig Takes für ein Video brauche.“

Van Veen sorgt sich um Dimitri Van den Bergh

Gleichzeitig nimmt van Veen wahr, wie groß die Leistungsdichte auf der PDC-Tour mittlerweile geworden ist. Die Niederlande verfügen mit Spielern wie Michael van Gerwen, Danny Noppert, Wessel Nijman, Dirk van Duijvenbode, Jermaine Wattimena und Niels Zonneveld über eine breite Gruppe, die auf höchstem Niveau konkurrenzfähig ist.
Im belgischen Dartsport gestaltet sich die Situation derzeit schwieriger. Mike De Decker ist auf der Suche nach seiner Bestform, während insbesondere die Lage von Dimitri Van den Bergh zunehmend Anlass zur Sorge gibt. Grundsätzliche Probleme für den belgischen Dartsport sieht van Veen deshalb allerdings nicht.
„Mit den Belgiern wird es zu 100 Prozent wieder gut“, ist er überzeugt. „Schau, wie stark Mike De Decker vor zwei Jahren war. Dieses Niveau ist nicht weg, er hat nur einen mentalen Schlag durch den Pfeilwechsel bekommen. Davon zu genesen ist schwierig, vor allem, wenn dreißig oder vierzig Dartspieler hinter dir stehen und deinen Platz wollen.“
Bei Van den Bergh blickt der Weltranglistendritte etwas sorgenvoller auf die weitere Entwicklung. „Ich habe ein bisschen Angst um die Tour Card von Dimitri Van den Bergh, denn er hat seit einigen Monaten nicht mehr gespielt. Ich hatte immer guten Kontakt zu ihm … Ich bin gespannt, wie er sich im Herbst schlägt. Aber schau auf Kim Huybrechts: Der ist nach einer schwächeren Phase wieder da. Also würde ich nicht zu schnell in Panik verfallen.“
An genügend Nachwuchspotenzial für neue belgische Erfolge mangelt es nach Ansicht von van Veen ebenfalls nicht. Jungen Spielern rät er allerdings dringend davon ab, ihre eigene Entwicklung mit dem außergewöhnlichen Aufstieg von Luke Littler zu vergleichen.
„Es gibt bei euch auch viel Talent, oder? Mein bester Rat für diese jungen Kerle ist: Habt Spaß an dem, was ihr tut. In so jungem Alter sollte der Druck durch euch selbst, die Eltern oder das Umfeld nicht zu groß sein. Man sieht, was das auslösen kann, denn nicht selten entwickeln junge Spieler Dartitis. Jeder will den 19-jährigen Luke Littler kopieren, aber das passiert nicht, ne. Also: Genießt es. Denn: Je mehr Freude ihr habt, desto besser wird es laufen.“
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