„Ich habe letztes Jahr mit meinem Griff herumgedoktert, das musste sich einfach ändern“ – Gian van Veen setzt mit neuem Dart-Setup ein wichtiges Signal

PDC
Freitag, 24 April 2026 um 9:30
Gian van Veen (1)
Gian van Veen hat am zwölften Spieltag der Premier League Darts in Liverpool gleich doppelt Grund zum Feiern gehabt. Neben seinem Geburtstag sorgte der Niederländer auch sportlich für ein Ausrufezeichen. Mit einem mutigen Schritt leitete er eine mögliche Trendwende ein: Kurz vor seinem Viertelfinale entschied er sich für ein neues Set Darts – und traf damit ins Schwarze.
Der Wechsel kam nicht zufällig, sondern als Ergebnis einer längeren Phase voller Zweifel und Suche. Van Veen kämpfte in den vergangenen Monaten mit Formschwankungen und verlor zwischenzeitlich das Vertrauen in sein eigenes Spiel. „Ich habe schon einen Grund, warum es schlechter lief, und den verstehe ich auch“, erklärte er offen. Mit dem neuen Material gelang ihm nun ein erster Schritt zurück zu mehr Stabilität und Selbstvertrauen – auch wenn er selbst weiß, dass dieser Prozess noch längst nicht abgeschlossen ist.

Vom Höhenflug in die Realität – und zurück zur Basis

Die Erwartungen an Van Veen sind seit seinem Durchbruch enorm gestiegen. 2025 gewann er mit der Europameisterschaft seinen ersten großen Titel und spielte sich endgültig in die Weltspitze. Wenig später bestätigte er diese Entwicklung eindrucksvoll bei der Weltmeisterschaft im Alexandra Palace, wo er bis ins Finale vorstieß.
Gian van Veen in Aktion
Gian van Veen steht derzeit auf Platz fünf in der Premier League Darts
Auch in die Premier-League-Saison startete er furios. Vier Finalteilnahmen in Serie unterstrichen seine Klasse und machten ihn früh zu einem der dominierenden Spieler im Feld. Doch anschließend verlor sein Spiel an Klarheit. Ergebnisse blieben aus, die Konstanz ging verloren – und auch auf der Pro Tour konnte er sein Niveau nicht mehr abrufen.
Eine Operation wegen Nierensteinen erschwerte die Situation zusätzlich, doch Van Veen suchte die Gründe nicht nur im Körperlichen. „Aber ich war es selbst auch ein bisschen leid. Mir machte dieses alte Set wenig Spaß“, sagte er und machte damit deutlich, wie stark ihn die Situation belastete.
Die Konsequenz folgte in Liverpool. Im Viertelfinale gegen Gerwyn Price griff Van Veen zu einem neuen Set. „Einfach, um mal etwas anderes auszuprobieren. Es fühlte sich sofort gut an“, erklärte er. Der Schritt wirkte unmittelbar. Er startete stark, spielte in der Anfangsphase einen Average um die 100 und sicherte sich schließlich einen 6:4-Erfolg.
Der Schlüssel lag im Detail. „Der Grip ist ein bisschen anders“, sagte Van Veen. „Ich habe letztes Jahr mit meinem Griff herumgedoktert. Bei der WM und EM war mein Daumen sogar aufgerissen. Das musste sich einfach ändern.“ Der veränderte Griff sorgte für ein deutlich besseres Gefühl in der Hand.
Gerade im Dartsport entscheiden oft Nuancen über Erfolg oder Misserfolg. Kleine Anpassungen können große Auswirkungen haben – besonders dann, wenn sie das Selbstvertrauen stärken. Genau diesen Effekt spürte Van Veen sofort.

Chancen da, Kaltschnäuzigkeit fehlt noch

Allerdings zeigte sich im weiteren Verlauf des Abends auch, dass noch nicht alles rund läuft. Im Halbfinale gegen Jonny Clayton hielt er lange gut mit, ging zwischenzeitlich sogar in Führung. Doch er schaffte es nicht, sich entscheidend abzusetzen. Clayton nutzte seine Chancen konsequent und zwang die Partie in ein entscheidendes Leg.
Dort bot sich Van Veen noch einmal die Möglichkeit, das Match für sich zu entscheiden. Sein Matchdart verfehlte jedoch knapp das Ziel. Clayton blieb eiskalt und holte sich den Sieg. „Das ist auch die Phase, in der ich mich befinde“, räumte Van Veen anschließend ein. „Ich bin noch auf der Suche, aber das fühlt sich auf jeden Fall wie ein Schritt in die richtige Richtung an.“
Trotz der Niederlage überwiegt der positive Eindruck. Der Materialwechsel gibt ihm nicht nur technisch neue Optionen, sondern wirkt auch mental befreiend. „Dass man mit diesen Darts gleich ein Match in der Premier League gewinnt, gibt schon Vertrauen“, sagte er. „Trotz des Averages ist es ein guter Anfang.“
Denn gerade im Dartsport entscheidet nicht allein die Technik. Vertrauen, Rhythmus und ein gutes Gefühl am Board sind mindestens ebenso wichtig. „Ich finde es einfach auch schön, mit diesen Darts zu werfen“, erklärte Van Veen mit einem Lächeln. „Es ist mal etwas anderes. Das hilft.“
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob er diesen Aufwärtstrend stabilisieren kann. Klar ist jedoch: Mit dem Wechsel des Dart-Setups hat er sich eine neue Perspektive eröffnet. Er hat aktiv reagiert, Verantwortung übernommen und einen Impuls gesetzt.
Und vielleicht ist genau das der entscheidende Punkt. Nicht das perfekte Spiel, sondern die Bereitschaft zur Veränderung bringt ihn zurück in die Spur. Van Veen hat in Liverpool bewiesen, dass er diesen Schritt gehen kann – und dass er bereit ist, weiter an sich zu arbeiten.
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