„Er hatte Größe 48, die Spitzen bogen sich nach oben – es sah aus, als würde ich Flossen tragen“: Justin Hood enthüllt die Geschichte hinter seinem Spitznamen „Happy Feet“
PDCDas Leben eines Profidarters steht selten still – und das gilt derzeit ganz besonders für Justin Hood. Seit seinem Durchbruch bei der vergangenen Darts WM reiht sich für den 32-jährigen Engländer ein Termin an den nächsten: Verpflichtungen, Exhibitions und öffentliche Auftritte bestimmen aktuell seinen Alltag.
Hood avancierte bei der letzten Weltmeisterschaft zur Kultfigur und wurde erst im Viertelfinale von Gary Anderson gestoppt. Danach überschütteten ihn Fans und Veranstalter mit Anfragen. „Ehrlich gesagt war es ziemlich manisch“, sagt Hood mit einem Lächeln im Interview mit Viaplay. „Ich konnte nicht so viel trainieren, wie ich eigentlich wollte, aber ich bin drangeblieben. Ich habe ein paar Exhibitions gespielt und neulich noch einen Abend für den guten Zweck.“
Von Schottland bis Australien – Hood ist überall gefragt
Diese Exhibitions dürften in nächster Zeit eher mehr als weniger werden. Über ganz Großbritannien verteilt stehen Abende im Kalender – von Schottland bis Irland. Sogar Australien gilt später im Jahr als mögliches Ziel. Die Frage lautet längst nicht mehr, ob Hood präsent ist, sondern wo.
Doch nicht alles dreht sich nur um Darts. Seit Längerem kursieren Gerüchte über Pläne abseits des Sports – darunter eine auffällige Idee: ein chinesisches Restaurant. Aktuell bleibt es jedoch bei Gedankenspielen. „Es war so viel los, dass ich mir das noch nicht wirklich anschauen konnte“, erklärt Hood. „Dieses Jahr will ich mich voll auf Darts konzentrieren. Wenn sich eine Gelegenheit ergibt, schauen wir sie uns an – aber jetzt hat der Sport Priorität.“
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Anfänge in der Kneipe
Wer Hood heute auf der großen Bühne sieht, vergisst leicht, dass seine Dartskarriere unspektakulär begann: im lokalen Pub. Mit 14 Jahren warf er seine ersten Pfeile. „Ich war eigentlich gar nicht so gut“, gibt er offen zu. „Aber ich habe sehr viel trainiert.“
Eine zentrale Rolle spielte sein Onkel, selbst ein ordentlicher Darter. „Er spielte dienstagsabends in der Liga, und ich habe dann stundenlang trainiert, bis er nach Hause kam.“ Schritt für Schritt entwickelte sich das Talent. „Das fiel auch genau in die Zeit des Rauchverbots, also musste ich nicht in diesen Rauchschwaden stehen – das war schon angenehm“, witzelt Hood. Aus dem Zeitvertreib wurde Leidenschaft. „Ich wurde besser, hatte richtig Spaß daran – und plötzlich stehst du auf der WM-Bühne.“
Die Geschichte hinter „Happy Feet“
Fast jeder Dartspieler trägt einen Spitznamen – doch kaum einer hat eine so absurde Entstehungsgeschichte wie Hood. Sein Beiname „Happy Feet“ stammt aus seinem allerersten County-Spiel. „Man musste schwarze Schuhe und eine schwarze Hose tragen. Das wusste ich nicht“, erzählt er. „Also kam ich in Turnschuhen an.“
Die Lösung fand sich spontan: Hood lieh sich Schuhe von einem Teamkollegen. „Er hatte Größe 48, und ich bin eher klein. Die Schuhe waren viel zu groß. Die Spitzen bogen sich nach oben, wenn ich am Oche stand – es sah aus, als hätte ich Flossen an.“ Der County-Captain reagierte prompt und taufte ihn „Happy Feet“. „Und der Name ist hängen geblieben.“ Sportlich half das allerdings wenig. „Nein“, lacht Hood. „Ich habe dieses Spiel verloren.“
Vergangenheit als Nachtportier
Bevor Hood seinen Durchbruch schaffte, arbeitete er zwei bis drei Jahre als Nachtportier in einem Hotel. Einen Monat vor der Q-School traf er eine drastische Entscheidung. „Ich habe meinen Job gekündigt, als ich meine PDC Tour Card erobern wollte. Wir haben alles auf eine Karte gesetzt.“
Gemeinsam mit seiner Partnerin zog er für fast zwei Monate nach Milton Keynes, um sich komplett abzuschotten und voll auf Darts zu fokussieren. „Wir haben all unsere Ersparnisse in Hotels gesteckt. Ich sagte zu meiner Frau: Diesmal will ich es richtig machen. Weg von allem und jedem, zwei Monate trainieren und mit klarem Kopf in die Q School gehen.“ Es war bereits sein fünfter Versuch. Bei den ersten vier Anläufen hatte er seinen Beruf in der Hinterhand – diesmal ging er komplett all-in. „Und zum Glück hat es sich ausgezahlt.“
Die WM: entspannt unter Druck
Der bisherige Höhepunkt seiner Karriere ist ohne Zweifel sein Debüt bei der PDC Darts WM. Vor allem der Walk-on bleibt unvergessen. „Mein erster Walk-on, dreieinhalbtausend Menschen, die schreien… sie haben es genossen – und ich auch. Ich fühlte mich sofort entspannt auf der Bühne.“
Auffällig: Während des gesamten Turniers wirkte Hood außergewöhnlich nervenstark, nahezu relaxed. „Erst bei den drei Darts, um Josh Rock zu schlagen – nachdem ich den zwölften zur perfekten Doppelquote verpasst hatte –, spürte ich Druck. Das war der einzige Moment.“ Bis dahin nahm er kaum wahr, wie außergewöhnlich seine Leistung war. „Erst auf dem Bildschirm sah ich, dass ich zehn aus zehn getroffen hatte. Da dachte ich: Offenbar mache ich gerade etwas richtig Gutes.“
Dieses Gefühl ließ er jedoch schnell wieder los. „Während eines Matches denkst du nicht an Rekorde oder perfekte Legs. Du denkst: Gewinne dieses Leg, gewinne das nächste, gewinne das Spiel. Mehr nicht.“
Danach blieb noch Zeit für einen Scherz. Josh Rock bat Hood Berichten zufolge um eine kostenlose chinesische Mahlzeit. „Keine Chance“, lacht Hood.
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Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Heute berichtet er für Dartsnews.de über den professionellen Dartsport und ordnet das aktuelle Geschehen ein – von großen Turnieren bis zu Entwicklungen abseits der Bühne.
Regelmäßig ist er bei Events vor Ort und begleitet rund 20 Turniere pro Jahr, wo er Interviews führt, unter anderem mit Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gerwyn Price sowie Martin Schindler, Gian van Veen und Josh Rock.
Zudem ist er eine der prägenden Stimmen im englischsprachigen Dartsnews Podcast und Co-Host des Sport-Podcasts Overtime Takes.
Nic arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus.
In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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Aktuelle Kommentare
- Keiner der Spieler darf sich über Pfiffe oder nicht vorhandenen Respekt beschweren. Ich war Donnerstag, Freitag, Samstagabend und Sonntagnachmittag vor Ort. Es war immer ein sehr faires Publikum. Und wenn Littler und seine Mutter jetzt auch noch respektvoll mit anderen Spielern umgehen, sollte den Aussagen von Littler nichts im Wege stehen.
Grobi25-10-2026 - Sorry, Mensur, zu spät. Wer solche Aussagen in tiefer Emotionalität äußert, der meint diese ernst. Denn das rationale Denken funktioniert in solchen (positiven) Stressmomenten seltens. Und wenn die Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass ich als Profispieler nicht mitbekomme, dass mein Gegner Matchdarts hat, dann stimmt in der Wahrnehmung etwas nicht. Also sorry, Mensur. Entschuldigung nicht angenommen, zumindest von mir. Und was vom Inhalt seines Statement ist mit KI geschrieben? Steht ganz oben. NI wäre hier angebracht gewesen.
Grobi12-10-2026 - Weiß man ob es die rechte oder linke Hand ist? In jedem Fall extrem bitter….Robertuil09-10-2026
- Ricke Evans ist Stand jetzt für die WM qualifiziert. Quelle: Dartsrankings In der ProTour Rangliste werden die Personen rausgerechnet, die bereits qualifiziert sind. Das hat der Autor hier nicht berücksichtigt.FabianD24-09-2026
- Aspinall lag 1:3 hinten , nicht 1:4 🎯Pool1809419-09-2026
- Was ein toller Mensch er doch gewesen ist. Der deutsche Dartsport wäre ohne ihn lange nicht da, wo er heute wäre. Super Artikel 👍ArturBoruc24-08-2026
- Und wer ist jetzt für Amsterdam qualifiziert?Julian1122-08-2026
- Er hat keinen Bock auf Deutschland und findet es hier schrecklich, weil er (zwei-)mal bei einem oder zwei Turnieren von einigen "Dartfans" ausgepfiffen wurde. Das mochte er nicht und deswegen bleibt es Deutschland fern. Ausnahme war der World Cup, da siegte sein Patriotismus und der Ehrgeiz, einmal alles gewonnen zu haben. Er hat es auch mal selbst so geschrieben bzw gesagt, dass er Deutschland (gemeint sind wahrscheinlich Turniere in Deutschland) schrecklich findet.
Grobi18-08-2026 - Danke für den ausführlichen Bericht über Jamie. Generell finde ich es klasse das du dich "fast vergessenen Spielern" annimmst. Wäre grundsätzlich bei Dartnews ein interessantes Dauerthema.XJRLion18-08-2026
- „Littler findet Deutschland einfach ein schreckliches Land“Reißerische Überschrift, aber Gründe lieferst du leider keine. Klar kann man verstehen das einige Topspieler, wie kürzlich Gary Anderson, sagten das er "keinen Bock darauf habe" mehrere Std. am Flughafen zu stehen bis es aufgrund aller Kontrollen weitergeht. Doch erklär uns, gerade aufgrund deiner Überschrift, bitte warum Luke scheinbar grundsätzlich keinen Bock auf Deutschland hat.XJRLion18-08-2026







