„Ich habe meinen Job gekündigt und alles auf Darts gesetzt“ – Vom Nachtportier zur WM-Sensation: Die bemerkenswerte Geschichte von Justin Hood

PDC
durch Nic Gayer
Sonntag, 08 Februar 2026 um 11:00
Justin Hood (1)
Das Leben eines Profidarters steht selten still – und das gilt derzeit ganz besonders für Justin Hood. Seit seinem Durchbruch bei der vergangenen Darts WM reiht sich für den 32-jährigen Engländer ein Termin an den nächsten: Verpflichtungen, Exhibitions und öffentliche Auftritte bestimmen aktuell seinen Alltag.
Hood avancierte bei der letzten Weltmeisterschaft zur Kultfigur und wurde erst im Viertelfinale von Gary Anderson gestoppt. Danach überschütteten ihn Fans und Veranstalter mit Anfragen. „Ehrlich gesagt war es ziemlich manisch“, sagt Hood mit einem Lächeln im Interview mit Viaplay. „Ich konnte nicht so viel trainieren, wie ich eigentlich wollte, aber ich bin drangeblieben. Ich habe ein paar Exhibitions gespielt und neulich noch einen Abend für den guten Zweck.“

Von Schottland bis Australien – Hood ist überall gefragt

Diese Exhibitions dürften in nächster Zeit eher mehr als weniger werden. Über ganz Großbritannien verteilt stehen Abende im Kalender – von Schottland bis Irland. Sogar Australien gilt später im Jahr als mögliches Ziel. Die Frage lautet längst nicht mehr, ob Hood präsent ist, sondern wo.
Doch nicht alles dreht sich nur um Darts. Seit Längerem kursieren Gerüchte über Pläne abseits des Sports – darunter eine auffällige Idee: ein chinesisches Restaurant. Aktuell bleibt es jedoch bei Gedankenspielen. „Es war so viel los, dass ich mir das noch nicht wirklich anschauen konnte“, erklärt Hood. „Dieses Jahr will ich mich voll auf Darts konzentrieren. Wenn sich eine Gelegenheit ergibt, schauen wir sie uns an – aber jetzt hat der Sport Priorität.“

Anfänge in der Kneipe

Wer Hood heute auf der großen Bühne sieht, vergisst leicht, dass seine Dartskarriere unspektakulär begann: im lokalen Pub. Mit 14 Jahren warf er seine ersten Pfeile. „Ich war eigentlich gar nicht so gut“, gibt er offen zu. „Aber ich habe sehr viel trainiert.“
Eine zentrale Rolle spielte sein Onkel, selbst ein ordentlicher Darter. „Er spielte dienstagsabends in der Liga, und ich habe dann stundenlang trainiert, bis er nach Hause kam.“ Schritt für Schritt entwickelte sich das Talent. „Das fiel auch genau in die Zeit des Rauchverbots, also musste ich nicht in diesen Rauchschwaden stehen – das war schon angenehm“, witzelt Hood. Aus dem Zeitvertreib wurde Leidenschaft. „Ich wurde besser, hatte richtig Spaß daran – und plötzlich stehst du auf der WM-Bühne.“

Die Geschichte hinter „Happy Feet“

Fast jeder Dartspieler trägt einen Spitznamen – doch kaum einer hat eine so absurde Entstehungsgeschichte wie Hood. Sein Beiname „Happy Feet“ stammt aus seinem allerersten County-Spiel. „Man musste schwarze Schuhe und eine schwarze Hose tragen. Das wusste ich nicht“, erzählt er. „Also kam ich in Turnschuhen an.“
Die Lösung fand sich spontan: Hood lieh sich Schuhe von einem Teamkollegen. „Er hatte Größe 13, und ich bin eher klein. Die Schuhe waren viel zu groß. Die Spitzen bogen sich nach oben, wenn ich am Oche stand – es sah aus, als hätte ich Flossen an.“ Der County-Captain reagierte prompt und taufte ihn „Happy Feet“. „Und der Name ist hängen geblieben.“ Sportlich half das allerdings wenig. „Nein“, lacht Hood. „Ich habe dieses Spiel verloren.“

Vergangenheit als Nachtportier

Bevor Hood seinen Durchbruch schaffte, arbeitete er zwei bis drei Jahre als Nachtportier in einem Hotel. Einen Monat vor der Q-School traf er eine drastische Entscheidung. „Ich habe meinen Job gekündigt, als ich meine PDC Tour Card erobern wollte. Wir haben alles auf eine Karte gesetzt.“
Gemeinsam mit seiner Partnerin zog er für fast zwei Monate nach Milton Keynes, um sich komplett abzuschotten und voll auf Darts zu fokussieren. „Wir haben all unsere Ersparnisse in Hotels gesteckt. Ich sagte zu meiner Frau: Diesmal will ich es richtig machen. Weg von allem und jedem, zwei Monate trainieren und mit klarem Kopf in die Q School gehen.“ Es war bereits sein fünfter Versuch. Bei den ersten vier Anläufen hatte er seinen Beruf in der Hinterhand – diesmal ging er komplett all-in. „Und zum Glück hat es sich ausgezahlt.“

Die WM: entspannt unter Druck

Der bisherige Höhepunkt seiner Karriere ist ohne Zweifel sein Debüt bei der PDC Darts WM. Vor allem der Walk-on bleibt unvergessen. „Mein erster Walk-on, dreieinhalbtausend Menschen, die schreien… sie haben es genossen – und ich auch. Ich fühlte mich sofort entspannt auf der Bühne.“
Auffällig: Während des gesamten Turniers wirkte Hood außergewöhnlich nervenstark, nahezu relaxed. „Erst bei den drei Darts, um Josh Rock zu schlagen – nachdem ich den zwölften zur perfekten Doppelquote verpasst hatte –, spürte ich Druck. Das war der einzige Moment.“ Bis dahin nahm er kaum wahr, wie außergewöhnlich seine Leistung war. „Erst auf dem Bildschirm sah ich, dass ich zehn aus zehn getroffen hatte. Da dachte ich: Offenbar mache ich gerade etwas richtig Gutes.“
Dieses Gefühl ließ er jedoch schnell wieder los. „Während eines Matches denkst du nicht an Rekorde oder perfekte Legs. Du denkst: Gewinne dieses Leg, gewinne das nächste, gewinne das Spiel. Mehr nicht.“
Danach blieb noch Zeit für einen Scherz. Josh Rock bat Hood Berichten zufolge um eine kostenlose chinesische Mahlzeit. „Keine Chance“, lacht Hood.
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