Cameron Menzies hat offen zugegeben, dass er zu Beginn des Jahres ernsthaft über ein Leben nach dem Profi-Darts nachgedacht hat. Nach einem holprigen Saisonstart bewarb sich der Schotte sogar wieder um neue Stellen.
Der ehemalige Klempner hatte 2025 endgültig seinen alten Beruf aufgegeben, um sich voll auf die Dartkarriere zu konzentrieren. Diese Entscheidung folgte auf eine starke Saison: Menzies sicherte sich seinen zweiten Players-Championship-Titel und qualifizierte sich für nahezu alle großen TV-Turniere – nur der Grand Slam of Darts blieb ihm verwehrt.
Frust-Ausbruch bei der WM und die Folgen
Das neue Jahr verlief für den Schotten allerdings alles andere als nach Plan. Bei der Darts WM geriet Menzies negativ in die Schlagzeilen, als er nach seiner überraschenden Erstrundenniederlage gegen Charlie Manby aus Frust einen Trinktisch auf der Bühne schlug.
Menzies debütierte kürzlich an der Seite von Anderson für Schottland beim World Cup of Darts.
Menzies entschuldigte sich später für den Vorfall, zog sich dabei aber eine Verletzung zu, die seine Probleme an der Oche zusätzlich verschärfte. Seine Form sackte ab, und auch sein Selbstvertrauen erlitt einen deutlichen Dämpfer.
Die schwierige Phase brachte Menzies sogar dazu, sich auf eine mögliche Rückkehr ins Berufsleben vorzubereiten. „Das lag vor allem daran, dass ich nicht gut spielte. Ich habe sogar meinen Lebenslauf bei Indeed wieder aktualisiert. So schlecht stand es um mich", sagte Menzies.
„Mein Lebenslauf war dort bereits hinterlegt, aber ich habe erneut ein paar Bewerbungen verschickt und sofort zwei oder drei Anrufe zu offenen Stellen bekommen." Laut der aktuellen Nummer 29 der Welt standen ihm genügend Optionen offen, falls er sich tatsächlich gegen das Profidarts entschieden hätte. „Mein früherer Vorgesetzter bot mir sogar direkt einen Job an. Wenn ich zurückkommen wollte, könnte ich ohne Probleme wieder anfangen."
„Die Möglichkeiten waren definitiv da, aber in den letzten zwei bis drei Monaten habe ich große Fortschritte gemacht. Es hat mich richtig runtergezogen, doch mental bin ich jetzt wieder gut drauf."
Hypnotherapie bringt die Wende
Menzies führt seine neu gewonnene mentale Ruhe größtenteils auf Hypnotherapie zurück. Die Behandlung wirkt sich nach seinen Worten nicht nur positiv auf seine Auftritte an der Bühne aus, sondern auch auf seinen Alltag. „Es hilft mir enorm. Nicht nur bei meiner mentalen Verfassung im Darts, sondern auch darüber hinaus."
Besonders deutlich spürt Menzies die Veränderung auf Reisen: „Fliegen fand ich früher schrecklich. Ich machte mich vorher komplett verrückt. Ich bin immer noch kein Fan davon, aber ich gerate nicht mehr so in Angst."
Auch abseits des Sports erkennt er klare Vorteile. „Wenn ich früher zu viel auf einmal erledigen wollte, war ich schnell überfordert. Jetzt hilft es mir, Probleme Schritt für Schritt anzugehen. Es hat mir unglaublich geholfen. Ehrlich gesagt hätte ich nie gedacht, dass ich so etwas ausprobieren würde, bis ich schließlich damit angefangen habe."
Die neue mentale Stärke strahlt mittlerweile auch auf sein Spiel ab. „Ich fühle mich auf der Bühne ruhiger, weil ich wieder mehr Freude daran habe. Ich hatte Angst, dass ich vielleicht nicht mehr performen könnte. Jetzt versuche ich, die Momente zu genießen, weil ich weiß, wie schnell man alles verlieren kann."
Zittern um das Matchplay-Ticket
Nach seiner schwierigen Phase richtet Menzies den Blick nun nach vorn: auf die Qualifikation für das
World Matchplay in Blackpool. Im vergangenen Jahr gab er sein Debüt bei dem prestigeträchtigen Sommerturnier und hofft, diesen Sommer erneut dabei zu sein.
Aktuell belegt der Schotte über die
ProTour Order of Merit den letzten Qualifikationsplatz – allerdings steht diese Position unter Druck. Mehrere Konkurrenten sitzen ihm im Nacken, darunter Dave Chisnall, der mit noch ausstehenden Turnieren nur 4.250 Pfund Rückstand aufweist.
Trotzdem bleibt Menzies zuversichtlich: „Natürlich will ich sehr gern wieder nach Blackpool. Und wenn ich mich qualifiziere, möchte ich besser abschneiden als im vergangenen Jahr. Das ist mein Ziel: zum World Matchplay zurückkehren und es noch mehr genießen. Aber derzeit jagen viele Spieler diesen letzten Platz. In der kommenden Zeit kann sich noch viel ändern. Hoffentlich habe ich am Ende genug getan, um mich zu qualifizieren."