Antwerpen atmete am vergangenen Donnerstagabend Darts. Die
Premier League Darts machte erstmals in ihrer Geschichte Halt in der Scheldestadt, der Geburtsstadt von Darts-Profi
Dimitri Van den Bergh. Doch ausgerechnet der Mann, der das belgische Darts mit auf die Landkarte setzte, stand nicht auf der Bühne.
„Das tut innerlich doch sehr weh“, sagte Van den Bergh, der selbst in der Halle anwesend war, im Gespräch mit
Viaplay. „Aber ich war immer ein Liebhaber dieses Sports. Auch wenn ich diesen Schmerz spüre, schaue ich immer noch gerne zu. Und jetzt in meinem eigenen Land, in meiner eigenen Stadt, in der ich geboren bin … das ist doch etwas Besonderes.“
Der lange Weg nach Antwerpen
Dass die
Premier League Darts in Belgien Station machte, ist laut Van den Bergh kein Zufall. Es ist das Ergebnis jahrelanger Arbeit und eines wachsenden Interesses seit der Corona-Zeit.
„Das brauchte ein paar Jahre Entwicklung, seit Covid. Das Interesse ist enorm angefacht worden. Ich habe mich mit VTM zusammengesetzt, mit ein paar Bossen, und sie direkt mit Matthew Porter in Kontakt gebracht. Am Ende dieser Woche wurde Darts im belgischen Fernsehen übertragen. Von da an ist es nur weiter gewachsen.“
Die Zahlen sprechen für sich. „Zehntausend Menschen hier heute. Das ist das Ergebnis. Das ist fantastisch.“ Und die Stimmung? Die war ausgelassen. „Sie haben ein paar Mal die La-Ola-Welle gemacht. Ich dachte: nach ein- oder zweimal sind sie sicher fertig. Nein, das ging eine Viertelstunde weiter. Ich dachte: Was ist hier los? Großartig.“
Kein Belgier auf der Bühne
Trotzdem nagt es. Kein Van den Bergh, kein Huybrechts, kein De Decker, und auch kein anderer Belgier im Line-up. „2024 hatten wir zwei Major-Sieger in Belgien, Mike De Decker und mich. Ich hatte auch ein sehr gutes Jahr bei den Majors. Aber aus irgendeinem Grund war es nicht für uns bestimmt. Das fand ich auf jeden Fall schade.“
Das Timing ist bitter. Van den Bergh erlebt eine schwierige Phase, sportlich wie privat. Er steht derzeit auf Platz
26 der Weltrangliste und muss in den kommenden Monaten viel Preisgeld verteidigen.
Van den Bergh muss im kommenden Jahr viel Preisgeld verteidigen und läuft Gefahr, in der Weltrangliste deutlich abzurutschen.
„Das miserabele Gefühl geht vorläufig noch weiter“, gibt er zu. „Ich arbeite enorm daran. Ich habe mein medizinisches Team, ich probiere alles, um mich wieder dorthin zu bringen, wo ich sein will, wovon ich träume. Aber vorläufig bin ich noch knallhart am Boden festgenagelt.“
Die Realität ist, dass Van den Bergh wichtige Resultate verteidigen muss, darunter seinen Triumph bei den UK Open vor zwei Jahren und starke Auftritte bei anderen Majors. „Ich bin weit weg von den Majors und habe doch einiges zu verteidigen. Die UK Open zum Beispiel. Andere Turniere, bei denen ich gut abgeschnitten habe. Die Chance ist groß, dass ich fallen werde.“
Er weist darauf hin, dass nicht jedes Turnier für die Weltrangliste zählt. „Der World Cup of Darts zum Beispiel zählt nicht für das Ranking. Aber ich habe noch genug andere Turniere gut gespielt. Die muss ich verteidigen.“
Sein Ziel für dieses Jahr ist auffallend bescheiden, aber zugleich vielsagend: „Ganz ehrlich? Ich hoffe, am Ende des Jahres meine Tour Card noch zu haben. Damit ich weiter an mir arbeiten kann.“
Der mentale Kampf
Van den Bergh betont, dass das Problem nicht technisch ist. „Ich kann immer noch 15-Darter werfen, 11-Darter, hohe Finishes. Das kann ich alles noch. Es liegt nicht an den Pfeilen, nicht am Training. Es ist rein mental.“ Anschließend korrigiert er sich, als er das Wort ‚einfach‘ benutzt. „Das war keine gute Wortwahl. Es ist nicht ‚einfach‘ mental. Es ist knüppelhart, unter den Besten der Besten mitzuhalten.“
Auf der Floor – den Pro-Tour-Turnieren ohne Publikum – tut er sich traditionell schwerer. Auf der großen Bühne, bei den TV-Majors, blühte er meist auf. „Bei den Majors konnte ich immer gut performen. Warum es dort so leicht ging, weiß ich nicht einmal. Aber auf dem Floor war es immer eine große Aufgabe. Das Board hängt gleich hoch, steht gleich weit weg, und doch fühlte es sich anders an.“
Auf die Frage, wo es genau hakt, bleibt er ehrlich: „Willkommen in meiner Welt, Jungs. Ich weiß es im Moment selbst nicht so genau.“ Trotzdem bleibt er nicht untätig. „Wenn du es selbst nicht mehr weißt, musst du Hilfe einschalten. Professionelle Leute. Und daran arbeite ich.“
Ihm ist bewusst, dass das moderne Darts mehr verlangt als nur gut zu werfen. „Gesund zu leben ist ein großer Faktor. Das gibt so viel mehr Energie. Ich denke, als Dartspieler muss man alle Aspekte rund um seinen Sport viel ernster nehmen.“
Als Beispiel nennt er Gerwyn Price. „Er geht es fantastisch an. Das ist etwas, worauf Dartspieler viel mehr schauen sollten. Die Tour ist knüppelhart. Du bekommst so viele Chancen, aber du musst körperlich und mental bereit sein.“
Verlorene Freude
Der wohl schmerzlichste Moment des Gesprächs kommt, als er gefragt wird, ob er noch Freude am Darts hat. „Für mich vorläufig nicht“, sagt er leise. „Das tut sehr weh. Dass ich das gerade nicht mehr fühlen kann, dass es mich nicht glücklich macht. Das hatte ich jahrelang.“
Er weiß, was auf dem Spiel steht. „Wenn du keine Freude mehr hast, ist schnell Schluss. Und wenn du dann reisen musst, während du so viel Schmerz spürst, startest du mit dem Gefühl: Das ist nicht großartig.“
Dennoch klingt keine Resignation mit. Eher Entschlossenheit. „Warum sollte ich dieses Niveau nicht mehr erreichen können? Es wäre verrückt, jetzt zu sagen, dass ich nie wieder so gut werfen kann.“ Seine Worte lassen also wenig Zweifel: Er ist noch nicht fertig. „Ich will stärker zurückkommen als zuvor. Das ist mir am wichtigsten.“