Daryl Pilgrim stand nach seinem ersten Sieg auf der
European Tour 2026 bei den Poland Darts Open sichtbar erleichtert vor der Kamera. Was lange wie ein komfortabler Erfolg gegen Dave Chisnall wirkte, entwickelte sich zu einer nervenaufreibenden Schlussphase. Der Engländer verlor kurzzeitig den Rhythmus, behielt jedoch die Kontrolle. Am Ende brachte er das Match über die Ziellinie. „Ich fühlte mich am Anfang so wohl, aber am Ende wurde es unglaublich spannend“, sagte er.
Für Pilgrim war es erneut ein Sieg als Tourkarteninhaber auf der
European Tour. „Streng genommen hatte ich letztes Jahr auch schon einen als Tourkarteninhaber“,
stellte er klar. „Aber dieser fühlte sich anders an. Das war am Ende wirklich extrem spannend.“ Der Erfolg bedeutete ihm sichtlich viel.
Die Art, wie Pilgrim in die Partie startete, spiegelte seinen mentalen Zustand wider. Er bewegte sich komplett in seiner eigenen Blase. Beim Walk-on vergaß er sogar, Hände zu schütteln. Der Fokus war maximal.
„Ich war sofort bei meiner Aufgabe“, sagte er mit einem Lächeln. „Ich fühlte mich so wohl und war so auf mein Spiel konzentriert, dass ich vergaß, allen die Hand zu geben. Ich musste sogar noch einmal zurücklaufen, um das nachzuholen. Ich war wirklich nur auf dieses Match fixiert.“
Es war nicht das erste Mal, dass ihn seine Konzentration sozial fast in Schwierigkeiten brachte. „Als ich vor drei oder vier Jahren zum ersten Mal spielte, lief ich auf dem Weg zur Bühne sogar an meiner Frau vorbei“, erzählte er. „Ich war so fokussiert darauf, dort zu stehen und zu spielen. Manche Dinge können dich ablenken, und genau das willst du vermeiden.“
Für Pilgrim gehört diese Haltung zu seiner Entwicklung als Profi. „Es klingt vielleicht verrückt, aber es ist dieser Tunnelblick“, erklärte er. „Du willst nichts zulassen, was deine Fokussierung stören könnte.“ Genau diese Mentalität half ihm auch in der entscheidenden Phase.
Erfahrung als Schlüssel
Auf der Bühne traf er auf einen Gegner mit enormer Routine. Dave Chisnall hat mehrere European-Tour-Titel gewonnen und zählt seit Jahren zur erweiterten Weltspitze. „Ich spielte gegen jemanden mit unglaublich viel Erfahrung auf der Euro Tour“, erkannte Pilgrim an. „Zum Glück ließ er mich am Ende ein bisschen davonkommen.“
Diese Erfahrung zeigte sich vor allem im Schlussleg – oder besser gesagt in der Chancenverwertung. Chisnall ließ mehrere Darts auf Doppel liegen. Das Match kippte plötzlich in eine chaotische Phase. Beide Spieler mussten mit der veränderten Dynamik umgehen.
„Als er auf ein Doppel stellte und ich noch bei irgendetwas um die 300 stand, war ich gedanklich schon beim Entscheidungsleg“, gab Pilgrim offen zu. „Ich dachte: Okay, das geht in ein letztes Leg, dort muss es passieren.“ Er bereitete sich innerlich bereits auf den Decider vor.
Doch dieses Entscheidungsleg kam nicht. „Er verpasste Doppel um Doppel. Und ehrlich gesagt hat mich das fast mit beeinflusst“, sagte Pilgrim. „Du wartest, dein Rhythmus verändert sich. Es ist ein komisches Leg. Aber ich bin froh, dass ich am Ende selbst das Doppel getroffen habe.“
Vom Amateur zum Profi
Pilgrim spürt deutlich, wie groß der Unterschied zwischen Amateurbereich und Profitour ist. „Als Amateur spielst du nur aus Liebe zum Spiel“, erklärte er. „Aber wenn es dein Beruf wird, entsteht automatisch zusätzlicher Druck.“ Diese Umstellung forderte ihren Preis.
Über das vergangene Jahr spricht er offen. „Das hat mich in der letzten Saison wahrscheinlich beeinflusst“, räumte er ein. „Du weißt, dass du liefern musst. Es geht um dein Ranking und um die Qualifikation für große Turniere.“ Jeder Auftritt bekommt dadurch ein anderes Gewicht.
Mit inzwischen einem kompletten Jahr als Tourkarteninhaber und seiner fünften Teilnahme auf der European Tour fühlt er sich gereift. „Diese Euro Tours sind enorm wichtig, wenn du im Ranking weit unten stehst“, betonte er. „Sie entscheiden über deine WM-Qualifikation und deine Position in der Order of Merit.“ Genau deshalb war dieser Sieg mehr als nur ein Erfolg in Runde eins.