„Ich wurde viel zu schnell abgeschrieben, ich bin einer der besten Spieler der Welt“ – Stephen Bunting kontert Kritiker mit Belfast-Triumph

PDC
durch Nic Gayer
Freitag, 27 Februar 2026 um 8:00
Stephen Bunting (1)
Was für ein Abend für Stephen Bunting. In der brodelnden SSE Arena in Belfast startete er mit seinem persönlichen Premier-League-Rekordaverage in den vierten Spieltag – und beendete ihn mit dem Wochentitel in der Hand. Für den Mann aus St Helens fühlte sich dieser Triumph nicht nur wie ein Sieg an, sondern wie eine Befreiung.
Im Finale des vierten Spieltags der Premier League Darts 2026 setzte sich Bunting mit 6:2 gegen Gian van Veen durch. „Was für ein großartiger Abend“, sagte er sichtlich gerührt im Anschluss gegenüber SkySports. „Dieser Titel zählt zu den schönsten Siegen meiner Karriere.“

Aus Rückschlägen gelernt

Der Weg zu diesem Moment des Jubels war steinig. Im vergangenen Jahr erlebte Bunting in der Premier League Darts eine extrem harte Phase. Mehrere Niederlagen in Folge nagten an ihm. Diese Serie schmerzte – doch im Rückblick erwies sie sich als wertvoll.
Die ersten Punkte, der erste Wochentitel: Stephen Bunting feierte an Spieltag vier der Premier League Darts 2026 einen besonderen Befreiungsschlag
Die ersten Punkte, der erste Wochentitel: Stephen Bunting feierte an Spieltag vier der Premier League Darts 2026 einen besonderen Befreiungsschlag
„Diese Niederlagen haben mir ehrlich gesagt geholfen“, erklärte er. „Sie haben mir auf dieser Bühne Erfahrung gebracht. In der Premier League Darts spielst du gegen die Allerbesten der Welt. Jeder Fehler wird bestraft.“
Die Premier League gilt als gnadenlose Liga. Woche für Woche stehen die Spieler unter dem Brennglas. Jedes Leg wird analysiert, jeder Fehlwurf diskutiert. Wer schwächelt, bekommt die Reaktion von Publikum und Medien ungefiltert zu spüren. Bunting erlebte das in der vergangenen Saison hautnah. Doch er zerbrach nicht daran. Er nutzte die Rückschläge als Antrieb.

Emotionen im Griff

Dass ihn die Anspannung nicht kaltließ, war deutlich zu sehen. Nach seinem ersten Match des Abends kämpfte er mit den Emotionen. „Ich war nach meinem ersten Spiel ein bisschen emotional“, gab er zu. „Aber ich habe mich wieder gefangen.“
Die Erleichterung kam nicht von ungefähr. In den Wochen vor diesem Spieltag spielte Bunting stark, doch in den entscheidenden Momenten fehlte oft das letzte Quäntchen. Mehrmals unterlag er dem späteren Wochensieger. „Ich glaube weiterhin, dass ich einer der schwierigsten Spieler bin, wenn es darum geht, mich zu schlagen“, betonte er. „Aber Gegner finden manchmal einen Weg, gegen mich ihr bestes Spiel abzurufen.“
In Belfast schrieb er die Geschichte neu. Diesmal ließ er nichts anbrennen. „Heute Abend bin ich der Sieger, also kann mich niemand schlagen.“

Mentale Widerstandskraft

Auffällig: Bunting ließ sich vom fehlenden Erfolg nicht verunsichern. Im Gegenteil. Er zog sich bewusst aus den sozialen Medien zurück und konzentrierte sich auf seinen eigenen Weg. „Ich bin von den sozialen Medien weggegangen“, berichtete er. „Ich habe ein großartiges Team um mich. Wir richten den Blick auf das Positive.“
Seinen mentalen Ansatz verstärkte er am Morgen des Spieltags mit einer Hypnotherapie-Sitzung um acht Uhr. „Wir denken immer positiv“, sagte er. „Selbst in den vergangenen Wochen, als die Ergebnisse ausblieben, hatte ich das Gefühl, gut zu spielen.“
Er verwies auf starke Leistungen auf der European Tour sowie auf einen Finaleinzug auf der Pro Tour. Im Endspiel, so seine Einschätzung, fehlte ihm schlicht die Energie. „Ich glaube aufrichtig, dass ich einer der besten Spieler der Welt bin. Ich verdiene meinen Platz in dieser Premier League Darts. Dieser Sieg unterstreicht, warum.“

Balance zwischen Familie und Spitzensport

Auch abseits der Bühne fordert ihn die Situation. Bunting gilt als Familienmensch und berichtet immer wieder vom Leben mit seinem zweiten, inzwischen einjährigen Sohn. Das intensive Reiseprogramm mit dem Familienleben zu verbinden, verlangt Organisation und Kraft. „Ich muss alles unter einen Hut bringen“, sagte er. „Aber ich habe eine wunderbare Familie zu Hause.“
Während ihn der Druck im vergangenen Jahr spürbar belastete, tritt er in dieser Saison deutlich gefestigter auf. „Letztes Jahr habe ich den Druck gespürt, das gebe ich zu. Aber dieses Jahr habe ich knallhart gearbeitet. Ich fühle mich getragen.“
Diese Unterstützung spürte er auch in Belfast. „Die Fans waren heute Abend unglaublich“, betonte er. „Dass sie mir durch dick und dünn die Treue halten, nach allem, was ich durchgemacht habe … Das bedeutet enorm viel.“

Kollegen und Kameradschaft

Trotz des Triumphs blieb Bunting sportlich. Über seine Konkurrenten sprach er mit großem Respekt – unter anderem über den 9-Dart-Helden Josh Rock. „Josh ist einer der besten Spieler der Welt“, sagte er. „Er hat es vielleicht gerade schwer, aber das wird. Wir haben heute Abend gesehen, wie gut er sein kann.“
Mit den fünf Punkten aus Belfast mischt sich Bunting nun klar ins Rennen um die Play-offs ein. Vor dem Turnier hatten einige Analysten argumentiert, er habe seinen Platz in der Premier League nicht verdient. „Alle haben mich abgeschrieben“, sagte er. „Aber ich weiß, wie hart ich hinter den Kulissen arbeite.“
Vielleicht fiel an diesem Abend vor allem eine Last von ihm ab. „Endlich ist diese Bürde weg“, sagte er mit einem Lächeln. „Jetzt kann ich befreit aufspielen.“
Die Erleichterung war greifbar. Er scherzte sogar, er müsse aufhören, vor der Kamera zu weinen. Emotionen gehören zu ihm. Sie spiegeln seine Leidenschaft für den Sport wider. Vor allem aber überwog der Stolz – auf seine Leistung und auf seine mentale Stärke.

Ein Wendepunkt?

Bleibt die Frage, ob dieser Abend zum Wendepunkt seiner Saison wird. Die Premier League ist ein Marathon, kein Sprint. Ein gewonnener Spieltag garantiert nichts. Doch Momentum spielt im Darts eine entscheidende Rolle.
Bunting kennt seine Qualitäten. Seine Scoring-Power überzeugte, auf die Doppel war in den Schlüsselmomenten Verlass. Vielleicht noch wichtiger: Er strahlte wieder das Selbstvertrauen eines Spielers aus, der an sich glaubt.
Wenn er dieses Vertrauen konserviert, kann dieser Sieg mehr sein als ein einzelner Erfolg. Er kann zum Fundament für einen ernsthaften Angriff auf die Play-offs werden.
Für den Moment zählt vor allem die Freude. „Worte können nicht beschreiben, wie glücklich ich bin“, sagte er zum Abschluss.
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