Rob Cross hat die erste Hürde beim World Matchplay souverän gemeistert und blickt mit frischem Selbstvertrauen auf die kommenden Wochen. Der ehemalige Weltmeister durchlebte eine schwierige erste Saisonhälfte und stand zwischenzeitlich kurz davor, die Teilnahme am prestigeträchtigen Turnier komplett zu verpassen. Ein starker Endspurt sicherte ihm dennoch die Qualifikation – und direkt zum Auftakt setzte er mit einem klaren Sieg ein Ausrufezeichen.
Cross zeigte sich nach der Partie hochzufrieden mit seiner eigenen Leistung. „Ich fand, dass ich sehr effektiv gespielt habe", resümierte er gegenüber DartsNews.de. „Ich startete mit fünf Finishes aus fünf Versuchen in die Partie, und das gab sofort viel Vertrauen. Ich habe das Match wirklich genossen. Im Practice Room habe ich mir vorher die richtigen Dinge gesagt. Ich habe knüppelhart gearbeitet, um hierher zu kommen, und ich habe das Gefühl, dass ich meinen Platz auf dieser Bühne verdient habe. Deshalb bin ich unglaublich froh, dass ich in die nächste Runde eingezogen bin."
Ein Gespräch veränderte alles
Vor wenigen Wochen sah die Situation noch völlig anders aus. Cross rangierte weit außerhalb der Qualifikationsränge fürs World Matchplay und steuerte auf ein historisches Fehlen zu. „Mein Manager Robbie hat mich damals zu einem ernsthaften Gespräch beiseite genommen. Das passiert nicht oft, denn meist enden unsere Gespräche in einer Diskussion", lachte Cross. „Er sagte zu mir: ‚Du solltest dir wirklich mal die World Matchplay-Rangliste ansehen.'"
Rob Cross trifft in der zweiten Runde auf Schindler-Bezwinger Gerwyn Price
Cross folgte diesem Rat noch am nächsten Tag. „Ich stand irgendwo um Platz vierzig herum. Eigentlich befand ich mich im Niemandsland. Ich sagte zu ihm, dass es schon gut gehen würde, aber ehrlich gesagt war ich ziemlich erschrocken, als ich die Rangliste sah. Genau diese Motivation habe ich gebraucht."
Für den Engländer kommt ein Fehlen bei diesem Turnier grundsätzlich nicht infrage. „Wenn du dieses Turnier auslässt, machst du in deiner Karriere etwas nicht richtig. Ich bin privilegiert, dass ich hier nahezu jedes Jahr spielen durfte. Hätte ich mich nicht qualifiziert, wäre das wirklich herzzerreißend gewesen. Dieses Gespräch hat mir genau den Tritt in den Hintern gegeben, den ich brauchte."
Auch seine private Situation beeinflusst nach eigener Aussage die neue Einstellung von Cross maßgeblich. „Ich bin inzwischen Single. Dadurch kann ich mich voll auf Darts konzentrieren. Im Moment ist das eigentlich das Wichtigste in meinem Leben."
Trotz des Rückfalls im Ranking empfindet Cross seine aktuelle Lage keineswegs als Schock. „Ich habe in meinem Leben nie viel geschenkt bekommen. Eines habe ich jedoch gelernt: Ich kämpfe immer weiter für das, was ich erreichen will. Wenn du gut genug bist, gewinnst du. Bist du es nicht, gehst du zurück an die Zeichentafel und fängst von vorn an."
Nicht unterschätzt, aber realistisch
Obwohl Cross vor einigen Jahren noch große Titel einfuhr, fühlt er sich keineswegs unterschätzt. „Nein, überhaupt nicht. Als Nummer 22 der Welt solltest du nicht erwarten, dass alle über dich reden. Ich habe schlichtweg lange Zeit nicht gut genug gespielt."
Auch die vergangene Saison bewertet Cross selbstkritisch. „Ich habe die Premier League, die World Series und andere große Turniere gespielt, aber ich habe mich dort nicht ausreichend gezeigt. Das ist auch der Grund, warum ich dieses Jahr zu einigen Events nicht eingeladen wurde. Das verstehe ich vollkommen."
In den vergangenen Monaten hat sich die Lage jedoch grundlegend gewandelt. „In den letzten zwei bis drei Monaten war ich voll fokussiert. Mein erstes Ziel war, mich doch noch für das World Matchplay zu qualifizieren, und das ist gelungen. Es gibt genug großartige Spieler, denen das nicht gelungen ist. Deshalb bin ich stolz auf das, was ich erreicht habe."
„Ich stehe am Jahresende wieder in den Top 10"
Auf die Frage nach seinen Ambitionen antwortet Cross ohne zu zögern. „Am Ende dieses Jahres stehe ich wieder in den Top 10."
Diese Aussage entspringt dabei keiner Arroganz, sondern echtem Selbstvertrauen. „Ich habe den Großteil meiner Karriere in den Top Ten gestanden. Schwierige Phasen habe ich schon öfter erlebt. Ich bin ziemlich widerstandsfähig und kann damit umgehen."
Für Cross dreht sich momentan alles um die richtige Mentalität. „Ich stecke den Kopf wieder runter und arbeite knüppelhart. Ich will diesem Sport wieder alles geben. Außerdem will ich dieses Turnier erneut gewinnen."
Mentale Schalter umgelegt
Offen spricht der Engländer über die mentale Komponente seines Spiels. „Wenn ich mental nicht gut drauf bin, kann ich buchstäblich nichts gewinnen. Dann würde ich nicht mal eine Lotterie gewinnen."
Gerade deshalb genießt Cross das Spiel derzeit wieder in vollen Zügen. „Jetzt fühle ich mich gut. Ich habe wieder Spaß am Darts und will hier sein. Warum sollte ich das vergeuden?"
Rückblickend hätte sich Cross gewünscht, diese Einstellung bereits deutlich früher entwickelt zu haben. „Wenn ich etwas an meiner Karriere ändern könnte, dann wäre es meine mentale Herangehensweise seit meinem ersten Jahr als Profi. Schau dir Luke Littler an. Er ist mental unglaublich stark, und das ist einer der Gründe, warum er jetzt der beste Spieler der Welt ist."
Mit sich selbst geht Cross dagegen härter ins Gericht. „Ich war in der Vergangenheit oft mein eigener größter Feind. Aber im Moment bin ich bereit, den nächsten Schritt zu gehen. Ich will wieder Titel gewinnen."
Das überraschende Erstrunden-Aus von Luke Humphries ändert an Cross' eigenem Ansatz nichts. „Ich habe erst nach meinem eigenen Match gehört, was passiert war. Im Practice Room war fast niemand anwesend, daher wurde dort auch nicht darüber gesprochen."
Beeindruckt zeigte sich Cross dagegen von der Leistung des Siegers Cameron Menzies. „Alle Komplimente an Cammy. Er hat fantastisch gespielt."
Nächste Herausforderung: Gerwyn Price
In Runde zwei wartet mit Gerwyn Price ein Gegner, zu dem Cross ein ausgesprochen gutes Verhältnis pflegt. „Vor dem Match haben wir noch ein paar Späße ausgetauscht. So läuft das zwischen uns."
Sobald das Match jedoch beginnt, weicht die Freundschaft sofort professioneller Ernsthaftigkeit. „Dann ist es einfach Arbeit. Gerwyn ist ein echter Profi, und ich habe großen Respekt vor ihm. Aber sobald wir die Bühne betreten, will ich nur eines: gewinnen."
Ein hartes Match erwartet der Engländer allemal. „Price wird definitiv abliefern. Er hat Selbstvertrauen getankt, und ich weiß genau, wozu er fähig ist. Ich unterschätze ihn keine Sekunde."
Vor allem aber überwiegt bei Cross das Gefühl, wieder vollständig zurück im Wettkampf zu sein. „Ich will es im Moment vielleicht mehr denn je. Dieses Gefühl hatte ich lange nicht. Jetzt liegt es an mir, das in den kommenden Monaten auch zu zeigen."
Theo ist seit 2025 Teil der Redaktion von Dartsnews.de und berichtet dort über den professionellen Dartsport. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der Erstellung von Liveblogs zu großen Turnieren und wichtigen Ereignissen, darunter die European Tour und die PDC World Darts Championship (WM). Dabei begleitet er das Geschehen in Echtzeit und ordnet Ergebnisse, Spielverläufe und Entwicklungen fortlaufend ein. Darüber hinaus schreibt er aktuelle Berichte und Hintergrundtexte rund um die internationale Darts-Szene.
Seine journalistische Laufbahn begann Theo als Praktikant und später als Werkstudent beim Online-Gaming-Magazin EarlyGame. Aktuell studiert er Ressortjournalismus an einer Hochschule. Theo arbeitet aus München und ist in seiner redaktionellen Arbeit eng mit Nicolas Gayer und Oliver Ried vernetzt. In seiner Berichterstattung legt er Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und die zeitnahe Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.