„Ja, Luke Littler ist derzeit der beste Spieler der Welt, aber vergesst mich nicht“ – Michael van Gerwen startet mit dem Titel bei den Bahrain Darts Masters ins neue Jahr

PDC
Samstag, 17 Januar 2026 um 7:00
Michael van Gerwen
Michael van Gerwen hatte angeblich nichts zu beweisen – zumindest sagte er das. Doch sein Sieg bei den Bahrain Darts Masters fühlte sich genau danach an: ein klares Statement an alle, die ihn schon abgeschrieben hatten. Der 36-jährige Niederländer schlug im Finale in Sakhir seinen Landsmann Gian van Veen mit 8:6 und sicherte sich damit seinen ersten großen Titel des Jahres.
Nach Monaten voller Rückschläge und verpasster Gelegenheiten stand Van Gerwen wieder dort, wo er sich am wohlsten fühlt – mit Pokal in der Hand, auf einer TV-Bühne, im Rampenlicht. Ruhig, aber bestimmt sprach er nach dem Triumph bei den Bahrain Darts Masters über seine Rückkehr zur alten Stärke. Er grinste, blieb sachlich, doch seine Worte klangen wie eine Kampfansage: Er ist noch lange nicht fertig.„Es fühlt sich immer gut an zu gewinnen“, sagte Van Gerwen nüchtern. „Heute war es nicht einfach, ich habe mir das Leben zwischendurch schwer gemacht, aber insgesamt gut geworfen. Dann gewinnst du solche Spiele.“

Fokus, Form und das vertraute Gefühl

Van Gerwen spielte in Bahrain mit der Zielstrebigkeit, die ihn einst zur dominanten Figur des Sports gemacht hat. Seine Finishes kamen mit Präzision, seine Nerven hielten, sein Blick blieb stählern. „Ich habe mich gut gefühlt, sonst gewinnst du solche Spiele nicht“, erklärte er. „Alle gesetzten Spieler standen hier am Finaltag, das Niveau war brutal. Du musst in jedem Match voll da sein.“
Michael van Gerwen jubelt nach seinem Sieg
Michael van Gerwen besiegte Gian van Veen im Finale der Bahrain Darts Masters 2026
Diese Konsequenz im Kopf war laut Van Gerwen der entscheidende Unterschied. Zu oft hatte er zuletzt Führungen verspielt – diesmal nicht. „Ich habe daraus gelernt“, sagte er mit einem Augenzwinkern. „Heute habe ich’s nicht weggeworfen, oder?“ Der Scherz saß, aber die Botschaft war ernst. Van Gerwen analysierte sein Spiel kritisch, ohne die innere Ruhe zu verlieren. „Manchmal läuft es gegen dich, aber du musst weiter an dich glauben. Das habe ich immer getan.“

Kein Abgesang, sondern ein Signal

Der Bahrain-Titel war Van Gerwens erster TV-Erfolg des Jahres und ein symbolischer Neustart nach einem von Kritik begleiteten 2025. Doch statt Selbstmitleid zeigte er Selbstvertrauen. „Es war kein schlechtes Jahr – weit davon entfernt“, stellte er klar. „Aber dieser Sieg gibt mir Sicherheit, Spaß und Bestätigung. Ich weiß, dass ich noch mehr zeigen kann.“
Das Selbstverständnis spielt in einer Szene, die sich rasant verändert, eine zentrale Rolle. Talente wie Luke Littler sorgen für frischen Wind, neue Energie und tiefere Felder. Van Gerwen begegnet dieser Entwicklung mit Respekt statt Rivalität. „Im Moment ist Luke Littler der beste Spieler der Welt. Das kann man so sagen. Wo ich mich sehe? Das dürft ihr entscheiden.“
Und doch schwang nach dem Finale eine klare Botschaft mit. „Vergesst mich nicht“, rief er ins Publikum. Humorvoll gemeint, aber voller Bedeutung. „Ich sage das gern – jeder kennt mich“, grinste er. „Aber es stimmt: Ich bin immer noch da.“

Fitter, freier, fokussierter

Neben dem Dartspiel fiel die körperliche Veränderung des Niederländers auf. Van Gerwen wirkte schlanker, beweglicher und mental stabiler. „Ich bin noch nicht am Ziel“, sagte er offen. „Ich will noch ein paar Kilo verlieren, aber Schritt für Schritt. Ich fühle mich gut, wohl und habe wieder Spaß.“
Dieses Gleichgewicht zwischen Leistung, Reisen und Erholung war lange sein größter Gegner. „Das klingt leicht, ist es aber nicht. Der Kalender ist voller denn je, mit unzähligen Reisen und späten Sessions. Du musst lernen, auf dich selbst zu achten.“
Er betonte, wie wichtig Gesundheit im modernen Darts geworden ist. „Schaut, wie sich der Sport entwickelt hat. Früher war Darts anders. Heute ist es Hochleistungssport. Wenn du mithalten willst, musst du selbst einen Schritt extra gehen.“

Erfahrung trifft auf jugendlichen Sturm

Mit 36 Jahren gehört Van Gerwen längst zur erfahrenen Generation. Er nimmt das mit Humor, aber auch mit Stolz. „Manchmal fühle ich mich wie ein alter Mann auf Tour“, sagte er lachend. „Dabei bin ich erst 36. Aber ich bin schon so lange dabei. Und solange ich mich steigere und die beste Version von Michael auf die Bühne bringe, mache ich alles richtig.“
Diese Routine zahlt sich aus, wenn Druck, Technik oder äußere Faktoren ins Spiel kommen. Als beim Turnier in Sakhir kurzzeitig der Strom ausfiel, blieb Van Gerwen unbeeindruckt. „Ich stand hinten und habe gelacht. Ich sah, wie Matt Porter (PDC-CEO) fast aus den Ohren rauchte“, erzählte er mit einem breiten Lächeln. Die Szene zeigte: Selbst Chaos bringt ihn nicht mehr aus dem Konzept.

Pokale, Perspektiven und die ewige Reise

Der Triumph im Persischen Golf brachte nicht nur Preisgeld, sondern auch eine imposante Trophäe – goldglänzend und schwer. „Ich liebe solche Pokale“, sagte Van Gerwen. „Den von vor zwei Jahren habe ich auch zu Hause. Dieser bekommt seinen Platz direkt daneben.“
Viel Zeit zum Feiern bleibt kaum, denn die Darts-Karawane zieht weiter. „Nächste Woche geht’s nach Saudi-Arabien“, berichtete Van Gerwen. Wieder wartet ein World Series-Turnier. „Ob ich gleich zwei holen kann? Wer weiß. Das wäre schön.“
Das ständige Reisen sieht er mit pragmatischem Humor. „Ich bin wahrscheinlich mehr geflogen als jeder andere im Circuit“, lachte er. „Aber das ist mein Leben. Es bringt nichts, sich zu beschweren. Man muss den Job genießen.“
Auch die Diskussion um seine Ranglistenposition in den Niederlanden – aktuell hinter Gian van Veen – nahm er gelassen. „Er darf das Label gern eine Weile tragen“, meinte Van Gerwen. „Ich hatte es 15 Jahre lang. Das reicht fürs Erste.“

Ein Signal an die Konkurrenz

Der Bahrain-Titel mag „nur“ zur World Series zählen, doch seine Wirkung reicht weit über das Event hinaus. Van Gerwen hat wieder diesen Ausdruck, dieses innere Feuer, das ihn einst unschlagbar machte. Er wirkt ausbalanciert, doch entschlossen. In einer Dartswelt, in der Jugend und Tempo regieren, erinnert er alle daran, dass Erfahrung, Klasse und mentale Stärke zeitlos bleiben.
Oder wie er es selbst mit einem vielsagenden Lächeln ausdrückte – als Mahnung an die Konkurrenz:„Vergesst mich nicht.“
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