Dirk van Duijvenbode hat am Samstagabend bei der
Hungarian Darts Trophy für die Überraschung des Abends gesorgt. In der zweiten Runde der European-Tour-Veranstaltung
bezwang der Niederländer Luke Humphries und beendete damit eine Serie, die ihm zuletzt schwer im Magen lag. Neun Duelle in Folge hatte er zuvor gegen den Engländer verloren, ehe er nun endlich wieder jubeln durfte.
Der Erfolg bedeutete für Van Duijvenbode weit mehr als nur den Einzug in die nächste Runde. Er zeigte sich nach dem Match sichtlich erleichtert und genoss den Moment in vollen Zügen. Als der Interviewer allerdings behauptete, es handle sich um seinen ersten Bühnensieg gegen Humphries überhaupt, widersprach er prompt und mit einem Lachen.
Klare Ansage an den Interviewer
„Ich habe ihn schon einmal auf der Bühne geschlagen", stellte Van Duijvenbode klar. „Damals stand er im Finale, also mach deine Hausaufgaben." Der Interviewer entschuldigte sich umgehend, am eigentlichen Fakt änderte die kleine Verwechslung jedoch nichts: Humphries hatte den Niederländer in den vergangenen Jahren deutlich häufiger bezwungen als umgekehrt. Umso größer fiel die Genugtuung über den aktuellen Sieg aus.
Dirk van Duijvenbode steht in der dritten Runde der Hungarian Darts Trophy
Schon vor dem Duell hatten die beiden Spieler über ihre Bilanz gesprochen. Van Duijvenbode und Humphries treffen auf der European Tour regelmäßig aufeinander, in den vergangenen neun Turnieren wurden sie gleich viermal in dieselbe Gruppe gelost. „Heute kam er zu mir und sagte: 'Wir werden oft gegeneinander gelost'", erinnerte sich Van Duijvenbode. „Ich sagte zu ihm: Ich glaube nicht, dass dich das stört, denn du gewinnst ja immer."
Trotz des Frusts über die einseitige Bilanz bringt der Niederländer dem Engländer großen Respekt entgegen. Er sieht in Humphries zu Recht den stärkeren Spieler der beiden, findet die Häufigkeit der Niederlagen im Vergleich zu seiner eigenen Leistungsfähigkeit aber nicht ganz gerecht. „Natürlich ist Luke ein phänomenaler Spieler", erklärte Van Duijvenbode. „Aber ich denke, ich bin selbst auch gut genug. Ich weiß, dass er der bessere von uns beiden ist, doch in Relation zu meiner eigenen Leistungsfähigkeit finde ich es nicht immer fair, wie oft er mich schlägt. Ich sollte ihn ab und zu auch besiegen."
Ein Scherz wird zur Realität
Die Ausgangslage vor dem Match gab dem Niederländer wenig Grund für Optimismus. Neun direkte Duelle in Serie hatte Humphries für sich entschieden, entsprechend nahm Van Duijvenbode die Partie mit Galgenhumor. „Ich dachte mir einfach: Er hat alle neun gewonnen. Wenn ich heute gewinne, liege ich immerhin bei zwanzig Prozent", scherzte er im Vorfeld. Am Ende wurde aus dem Scherz Realität, denn er warf Humphries tatsächlich aus dem Turnier.
Der Sieg passt zu einer Entwicklung, die sich bei Van Duijvenbode schon seit einigen Monaten abzeichnet. Er wirkt gelöster, lacht häufiger und tritt insgesamt wieder mit spürbar mehr Freude an der Scheibe auf. Auch im Duell mit Humphries strahlte er vor allem Ruhe aus, während frühere Auftritte oft von Anspannung und Frust geprägt waren.
Bessere Nächte, besserer Fokus
Diesen Wandel führt der Niederländer auf Veränderungen in seinem Privatleben zurück. Als zweifacher Vater beschreibt er die vergangenen Monate als Balanceakt zwischen Familie und Spitzensport, der ihn körperlich und mental gefordert hat. „Ich bin glücklicher im Leben", sagte Van Duijvenbode. „Natürlich gab es viele Stolpersteine. Ich habe zwei kleine Kinder und mein Schlaf war wirklich sehr schlecht."
Gerade der Schlafmangel wirkte sich nach eigener Einschätzung direkt auf seine Leistungen aus. Ein Profi-Darter braucht während des Matches durchgehend Konzentration, und fehlende Nachtruhe kann diesen Fokus empfindlich stören. Van Duijvenbode spürte die Folgen deutlich zu spüren bekommen. „Wenn ich mit anderen spreche, die auch Kinder haben, bin ich manchmal neidisch. Wir schlafen einfach nicht. Und wenn du nicht schläfst, hast du keinen Fokus und keine gute Laune."
Mittlerweile beginnt sich die Lage zu entspannen. Die Kinder schlafen inzwischen besser durch, wodurch auch der Vater endlich wieder zur Ruhe kommt. Die Auswirkungen zeigen sich direkt im Alltag und auf der Bühne. „Es wird jetzt besser und das sieht man direkt an deinem Fokus. Natürlich liebe ich meine Kinder, aber kein Schlaf ist einfach nicht gut für deinen Fokus und dein Glück."
Die Aussagen geben einen offenen Einblick in die Herausforderungen, denen sich Profisportler mit kleinen Kindern stellen müssen. Van Duijvenbode betont dabei ausdrücklich seine Liebe zu den Kindern, macht aber ebenso deutlich, welchen Tribut der Schlafmangel zuletzt gefordert hat.
Mit den ruhigeren Nächten wächst auch sein persönliches Wohlbefinden spürbar. Der Niederländer spielt inzwischen entspannter und könnte dadurch wieder an frühere Erfolge anknüpfen. „Es wird besser und ich fühle mich besser", fasste er zusammen. „Das Leben ist besser und meine Familie ist besser. Und ich werde jetzt hoffentlich auch besser."
Am Ende bleibt für Van Duijvenbode nach dem Erfolg über Humphries vor allem eine Erkenntnis: Der sportliche Aufschwung hängt eng mit seiner privaten Situation zusammen. Nach Monaten, in denen Müdigkeit und familiärer Stress seine Leistungen belasteten, findet er nun langsam zurück zu Energie, Ruhe und Spielfreude – und das könnte für die Konkurrenz auf der European Tour zum echten Problem werden.