„Wenn es nicht gut läuft, nehme ich mir den Rest des Jahres frei“ – Gary Anderson ist mit klarer Mission nach Ungarn gereist

PDC
Sonntag, 30 August 2026 um 8:30
Gary Anderson
Gary Anderson hat am Samstagabend sein Comeback auf der European Tour eindrucksvoll gefeiert. Der zweifache Weltmeister präsentierte sich in der zweiten Runde der Hungarian Darts Trophy in überragender Form und setzte sich klar gegen Krzysztof Ratajski durch. Mit einem Average von über 105 Punkten stellte der Schotte sofort unter Beweis, dass er trotz seiner langen Abwesenheit weiterhin zur absoluten Spitze zählt.
Anderson hatte seit dem World Matchplay in Blackpool kein European-Tour-Turnier mehr bestritten. Nach einer Urlaubsphase entschied sich der Schotte, für die Hungarian Darts Trophy auf das europäische Circuit zurückzukehren – eine Entscheidung, die sich als Volltreffer erwies.

Größte Ovation des Abends

„Ich bin eigentlich überrascht, dass ich hier so gut spiele, denn seit Blackpool war ich im Urlaub", sagte Anderson nach seinem Sieg. „Ich habe noch nie zuvor die Hungarian Darts Trophy gespielt. Alle schwärmen immer so davon, also musste ich einfach kommen."
Gary Anderson in Aktion
Gary Anderson trifft in der dritten Runde der Hungarian Darts Trophy auf Stephen Bunting
Die Reise nach Ungarn belohnte das Publikum mit einem warmen Empfang. Anderson erhielt beim Walk-on eine der lautesten Ovationen des gesamten Abends. Selbst die ungarischen Fans, die sonst vor allem ihre eigenen Landsleute lautstark unterstützen, ließen keinen Zweifel daran, dass sie den populären Schotten gern wieder auf der European Tour begrüßen. „Wenn man so einen Austragungsort sieht und so ein Publikum erlebt, dann muss man einfach herkommen", betonte Anderson. „Man muss einfach kommen."
Die Zuneigung des Publikums für Anderson ist in Budapest unübersehbar. Der 55-jährige Schotte genießt weiterhin enorme Popularität und muss dafür kaum etwas tun. Als der Interviewer ihn darauf ansprach, dass er beim Einlauf wohl die lauteste Ovation des Tages bekommen habe – noch vor den ungarischen Spielern selbst –, konterte Anderson trocken: „Das liegt daran, dass ich als Einziger noch nichts unterschrieben habe."
Damit spielte er auf einen Fan an, der auffällig ein Trikot von Luke Littler trug. Anderson bemerkte die Szene sofort und legte humorvoll nach. Gleichzeitig wurde deutlich, wie sehr er den Abend genoss. „Nein, es ist großartig. Es sind so viele junge Leute hier. Da drüben steht jemand mit einem Shirt von Luke Littler. Wer ist das eigentlich?", fragte Anderson mit einem Augenzwinkern. „Nein, er ist großartig. Aber ich habe bisher richtig Spaß."
Der Spaßfaktor beschränkt sich bei Anderson nicht auf die Zeit neben der Bühne. Auch am Oche wirkt der Schotte, als würde er seine Sportart wieder in vollen Zügen genießen. Sein Auftritt in Budapest dürfte ihm für den Rest des Turniers und die kommenden Monate zusätzliches Selbstvertrauen liefern.

Klarer Fahrplan für die EM-Qualifikation

Für Anderson steht bei der Hungarian Darts Trophy mehr auf dem Spiel als nur dieses eine Turnier. Der Schotte verfolgt für den Rest der European-Tour-Saison ein klares Ziel: die Qualifikation für die Darts-EM in Dortmund.
Dafür muss Anderson in den kommenden Wochen kräftig Preisgeld sammeln. Die Hungarian Darts Trophy brachte ihm bereits die ersten Punkte der laufenden European-Tour-Saison ein. Fünf weitere Gelegenheiten bleiben ihm, seine Position in der Rangliste zu verbessern.
Sein starker Auftritt in Budapest kam damit zum perfekten Zeitpunkt. Der Interviewer sprach Anderson scherzhaft auf eine Art „Luke-Littler-Mission" auf der European Tour an. Der Schotte nahm die Bemerkung mit Humor, räumte aber ein, dass er seine Chancen genau kalkuliert. „Auf jeden Fall. Ich mache meine Berechnungen", sagte er. „Ich dachte: Wir fahren nach Budapest, und wenn es dort nicht gut läuft, nehme ich den Rest des Jahres frei. Dann lasse ich ein paar Turniere aus und starte nächstes Jahr neu."
Dieses Szenario kann Anderson vorerst ad acta legen. Der Schotte erwischte genau den Start, auf den er gehofft hatte. „Aber wir sind gut gestartet, also muss ich jetzt weiter pushen."
Diese Aussage verrät viel über Andersons Einstellung. Obwohl er seit Jahren zu den erfahrensten Spielern auf dem Profi-Circuit zählt und in seiner Karriere nahezu alles gewonnen hat, setzt sich der Schotte weiterhin neue Ziele.
Die EM in Dortmund bleibt dabei ein zentrales Vorhaben. Fünf European-Tour-Events verbleiben Anderson, um seine Position in der Rangliste zu verbessern und sich das Ticket zu sichern. Sein Auftritt in Budapest beweist schon jetzt: Vom Niveau her kann er weiterhin mit der absoluten Weltspitze mithalten.
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