Michael van Gerwen zog am Samstagabend mit einem hart erkämpften Sieg in die dritte Runde der
Hungarian Darts Trophy ein. Gegen James Hurrell brauchte der Niederländer deutlich länger als erwartet, denn der Engländer kämpfte trotz eines Bizepsrisses um jedes Leg. Van Gerwen tat sich über weite Strecken schwer, brachte den Erfolg am Ende aber sicher über die Ziellinie.
Im Anschluss drehte sich das Gespräch jedoch nicht nur um seinen Gegner. Vor allem das ungarische Publikum hinterließ bei dem dreifachen Weltmeister einen bleibenden Eindruck.
Respekt vor Hurrells Kampfgeist
Van Gerwen eröffnete seine Reaktion nach
dem Sieg mit einem Kompliment an Hurrell, der sich trotz seiner körperlichen Probleme erneut auf die Bühne wagte. Der Engländer spielt aktuell mit einem gerissenen Bizeps, ließ sich davon in seinen Matches aber so wenig wie möglich anmerken. Van Gerwen kennt diese Situation aus eigener Erfahrung und weiß, dass eine Verletzung einen Spieler nicht automatisch aus dem Rennen wirft.
Michael van Gerwen trifft in der dritten Runde der Hungarian Darts Trophy auf Nathan Aspinall
„Man muss James auch ein Kompliment machen für den Umgang mit seiner Situation und diesem gerissenen Bizeps", stellte Van Gerwen klar. „Ich kenne viele Spieler, die mit Verletzungen gespielt haben. Ich selbst habe auch mit Verletzungen gespielt."
Laut Van Gerwen kann eine körperliche Einschränkung sogar in den Hintergrund rücken, sobald ein Spieler gut in ein Match findet. Stimmen Rhythmus und Selbstvertrauen, bleibt trotz Blessur ein starkes Niveau möglich. „Manchmal, wenn alles zusammenpasst, kannst du immer noch eine sehr gute Leistung bringen", erklärte der Niederländer. „Damit muss man immer rechnen."
Gänsehaut dank des Publikums
Die Atmosphäre in der ungarischen Hauptstadt blieb Van Gerwen nach dem Match besonders im Kopf. Die Hungarian Darts Trophy steht seit Jahren für eine ausgelassene Stimmung, und auch in diesem Jahr feuerten die Fans die Spieler lautstark an. Die Ränge füllten sich bis auf den letzten Platz, und Van Gerwen genoss die Bedingungen sichtlich. „Wenn du dieses Publikum siehst, diesen Austragungsort und wie viele Menschen hier sind, dann bekomme ich Gänsehaut", sagte Van Gerwen.
Der Niederländer zeigte sich sichtlich beeindruckt vom Empfang in Budapest. Van Gerwen zählt zu den bekanntesten Gesichtern im internationalen Darts und hat schon auf den größten Bühnen der Welt gespielt, doch die Stimmung in Budapest berührt ihn immer wieder aufs Neue.
Das bedeutet allerdings nicht, dass er mit seinem eigenen Auftritt restlos zufrieden war. Van Gerwen erkannte durchaus Ansatzpunkte, an denen mehr drin gewesen wäre. Gleichzeitig wollte er die Leistung nicht überbewerten, denn die Hauptaufgabe hatte er schließlich erfüllt: gewinnen. „Ich hätte hier und da etwas mehr machen können", gab Van Gerwen zu. „Aber morgen wartet noch ein langer Tag auf uns."
Familienzeit vor dem Turnier
Der Niederländer hatte sich vor dem Start des Turniers bewusst Zeit für seine Familie genommen. Nach einer intensiven Phase auf der Tour nutzte Van Gerwen die freien Tage, um neue Energie zu tanken. Eine solche Pause kann allerdings auch dazu führen, dass ein Spieler kurzzeitig aus dem gewohnten Matchrhythmus gerät.
Van Gerwen räumte ein, dass es nach einer Unterbrechung manchmal etwas dauert, bis sich das vertraute Gefühl am Oche wieder einstellt. Am Ende spiele das aber eine untergeordnete Rolle. Im Spitzensport zähle laut dem ehemaligen Weltranglistenersten letztlich nur eines: gewinnen. „Natürlich kann das passieren, aber es ist eigentlich egal, wo du spielst", sagte Van Gerwen. „Hauptsache, du gewinnst. Das Einzige, was zählt, ist das Gewinnen."
Mit einem Satz brachte er anschließend seine Siegermentalität auf den Punkt: „Niemand erinnert sich an die Verlierer. Sie erinnern sich nur an die Sieger. So einfach ist das."
Diese Einstellung trägt Van Gerwen seit Jahren durch seine Karriere. Der 37-Jährige hat nahezu jeden Titel gewonnen, den der Dartssport zu bieten hat, und kennt daher den Druck, wenn am Ende einzig das Ergebnis zählt.
Großartige Organisation lobt Van Gerwen
Mit Budapest verbindet Van Gerwen zudem eine besondere Geschichte. Der Niederländer holte sich den Titel bei der Hungarian Darts Trophy bereits in der Vergangenheit und gehört damit zu den Spielern, die sich auf dieser Bühne ganz besonders wohlfühlen.
Das liegt nicht nur an den Ergebnissen. Van Gerwen lobte vor allem, wie die Veranstalter das Event in Ungarn organisieren. Die Gastfreundschaft bezeichnete er als außergewöhnlich, betonte aber, dass deutlich mehr zu einem gelungenen Turnier gehört als nur der Empfang der Spieler. „Es geht nicht nur um die Gastfreundschaft, sondern auch um die Organisation", betonte Van Gerwen. „Natürlich haben wir die PDC Europe, aber die Leute hier in Budapest machen einen großartigen Job."
Van Gerwen empfindet das gesamte Event bis ins Detail durchdacht. Er verwies dabei auf die Einrichtungen und die Rahmenbedingungen, unter denen die Spieler ihre Partien bestreiten. „Wenn du dir die Einrichtungen ansiehst und alles Drumherum, ist es einfach großartig."
Einen entscheidenden Faktor kann laut Van Gerwen jedoch keine Organisation allein erzeugen: die Stimmung von den Rängen. Erst wenn das Publikum voll mitzieht, können die Spieler eine wirklich starke Show abliefern. „Aber das Wichtigste ist, dass wir alle versuchen, eine gute Show zu liefern. Das geht nicht ohne dieses Publikum."
Nach dem Match nahm sich Van Gerwen deshalb bewusst Zeit, um den anwesenden Fans zu danken. Der Niederländer genoss die Interaktion mit den ungarischen Zuschauern sichtlich und wollte seine Wertschätzung direkt zum Ausdruck bringen. „Ich möchte allen danken, die heute hier sind", sagte Van Gerwen. „Ich hoffe, dass ich es morgen besser machen kann. Ich werde es morgen besser machen."
Diese Worte klangen beinahe wie ein Versprechen. Van Gerwen weiß um die Luft nach oben in seinem Auftritt gegen Hurrell, bekommt am Sonntag aber direkt die nächste Gelegenheit, sich zu steigern. Mit dem Sieg im Rücken kann er voller Selbstvertrauen in sein Duell mit Nathan Aspinall in der dritten Runde gehen.