Es war ein Abend, an dem für
Luke Littler alles zusammenpasste. In einer brodelnden Arena in Cardiff – in der das Publikum vor allem die walisischen Favoriten unterstützte – bewahrte das junge Darts-Phänomen einen kühlen Kopf, überstand mehrere heikle Phasen und
sicherte sich schließlich den Sieg am fünften Spieltag der
Premier League Darts.
Für Littler bedeutete der Erfolg nicht nur seinen ersten Wochentitel der Saison. Der amtierende Weltmeister machte auch einen wichtigen Sprung in der Tabelle und sendete ein klares Signal an die Konkurrenz: Mit ihm ist trotz eines schwachen Saisonstarts mehr als nur zu rechnen.
Holpriger Start gegen Rock
Der Abend begann für Littler mit einem schwierigen Viertelfinale gegen Josh Rock. Am Ende setzte sich der Engländer durch, zeigte sich danach jedoch bemerkenswert ehrlich in seiner Analyse.
Feierte am Donnerstagabend seinen ersten Wochentitel der Premier-League-Saison 2026: Luke „The Nuke“ Littler
„Es fühlte sich wie ein gutes Match an“,
sagte Littler auf der anschließenden Pressekonferenz. „Aber als ich später die Statistiken gesehen habe, stellte sich heraus, dass Josh eigentlich besser gespielt hat als ich. Das sind die Spiele, die man gern gewinnt: wenn man nicht sein bestes Spiel zeigt, aber trotzdem den Sieg holt.“
Gerade in einer Turnierserie wie der
Premier League Darts können solche Siege entscheidend sein. Jeder Spieltag bringt wichtige Punkte, und Momentum spielt eine große Rolle. Für Littler war nach dem zähen Auftakt klar, dass er diesen Erfolg als Grundlage für einen starken weiteren Abend nutzen wollte.
Neuer Fokus Richtung Halbfinale
Vor dem Halbfinale hielt Littler seine Herangehensweise bewusst simpel. Keine komplizierten Analysen, kein zusätzlicher Druck. „Ich sagte mir: Es ist, wie es ist. Du hast jetzt zwei Punkte, also versuch einfach, dein bestes Spiel zu spielen.“
Im Halbfinale wartete mit Gerwyn Price einer der großen Publikumslieblinge des Abends. Der frühere Weltmeister erhielt die volle Unterstützung der walisischen Fans.
Doch Littler ließ sich davon nicht beeindrucken. Während der Partie erlaubte er sich sogar ein kleines Augenzwinkern in Richtung seines Gegners und imitierte kurz dessen charakteristische Jubelgeste. „Ja, gegen ‚Gezzy‘ kann man es manchmal einfach nicht lassen“, sagte Littler lachend. „Zum Glück hat es diesmal nicht gegen mich gearbeitet und ich habe den Sieg geholt.“
Mit diesem Erfolg zog er ins Finale des Abends ein.
Finale gegen Clayton im feindlichen Hexenkessel
Im Endspiel traf Littler erneut auf einen Waliser: Jonny Clayton. Damit musste der junge Engländer an einem einzigen Abend gleich zwei Lokalmatadoren vor einer lautstarken Heimkulisse bezwingen.
Trotzdem blieb Littler bemerkenswert ruhig. „Normalerweise gehe ich manchmal etwas mehr mit dem Publikum mit“, erklärte er. „Aber heute Abend hatte ich einfach das Gefühl, dass ich gewinnen musste.“
Das Finale entwickelte sich zu einem hochklassigen Duell. Littler stand sogar kurz davor, einen 9-Darter zu werfen. Auch wenn das perfekte Leg ausblieb, behielt er die Kontrolle über das Match und sicherte sich schließlich den Sieg.
Seine Herangehensweise blieb bewusst nüchtern. „Wie ich immer sage: erst die harte Arbeit erledigen und dann im Finale locker bleiben. Ich habe dem Publikum nicht zu viel gezeigt und mich einfach auf mein eigenes Spiel konzentriert.“
Die Tabelle ist völlig offen
Der Sieg in Cardiff ließ Littler in der Tabelle einen gewaltigen Sprung machen. Innerhalb eines Abends kletterte er von Platz sieben auf Rang drei.
Für den jungen Engländer zeigt das vor allem, wie eng das Feld in dieser Saison beieinanderliegt. „Vorher lag nicht viel zwischen den Spielern“, erklärte er. „Aber ich wusste: Wenn ich diesen Abend gewinne, stehe ich plötzlich in einer sehr guten Position. Und genau so ist es gekommen.“
Bemerkenswert: An den ersten fünf Spieltagen der Premier League Darts gab es fünf unterschiedliche Wochensieger. Für Littler ein Zeichen, dass noch eine äußerst spannende Saison bevorsteht.
„Ich hoffe natürlich, dass ich jetzt ein bisschen wegziehen kann“, sagte er. „Aber jede Woche ist wieder eine neue Woche. Man weiß nie, was passieren wird.“
Kleine Sticheleien hinter den Kulissen
Hinter den Kulissen gehört auch ein gutes Maß an Humor zum Alltag der Spieler. Im Players Room wird regelmäßig gescherzt und geneckt – auch auf Littlers Kosten.
Der Weltmeister berichtete, dass ihn seine Kollegen in den vergangenen Wochen immer wieder aufgezogen hatten, weil er noch keinen Spielabend gewonnen hatte.
Für ihn gehört das jedoch einfach dazu. „Es geht nicht mal so sehr ums Gewinnen oder Verlieren“, sagte Littler. „Es sind einfach die gleichen Späße und das gleiche Geplänkel, das wir hinter den Kulissen immer haben.“
Er räumte allerdings ein, dass er auf der Bühne zuletzt etwas ernster wirkte. „Ich habe dort weniger gescherzt, weil ich nicht gewonnen habe. Ich wollte einfach jede Woche meinen Job machen.“
Jetzt, da der erste Wochentitel eingefahren ist, könnte sich das wieder ändern. „Vielleicht nächste Woche“, sagte Littler mit einem Lachen.
„Big Fish“ For Fun
Auf seinem Weg zum Tagessieg sorgte Littler auch mit zwei spektakulären Finishes für Aufsehen. Gleich zweimal gelang ihm ein sogenannter „Big Fish“ – ein 170er-Finish, das höchstmögliche Checkout im Darts.
Dass ein Spieler dieses Finish zweimal an einem Abend wirft, kommt nur selten vor. „Normalerweise sieht man nicht zweimal ein 170er-Finish an einem Abend“, sagte Littler. „Selbst zwei zu werfen und damit Matches zu gewinnen, macht es schon extra besonders.“
Lange Zeit zum Feiern bleibt ihm jedoch nicht. Der dicht getaktete Darts-Kalender führt ihn direkt weiter zu den UK Open in Minehead.
Das Turnier besitzt ein besonderes Format: Nach jeder Runde wird neu gelost, wodurch völlig unerwartete Begegnungen entstehen können. Genau das reizt Littler an diesem Event. „Du weißt nie, was dich erwartet“, erklärte er. „Du kannst wirklich gegen jeden spielen. Das macht es so spannend.“
Hinzu kommt eine zusätzliche Motivation. Ein weiterer Titel würde ihn in der Order of Merit nahe an die Marke von drei Millionen Pfund an Preisgeld bringen.
„Das ist natürlich ein Antrieb“, gab Littler zu. „Aber am Ende geht es darum, dass du wieder jedes Match gewinnen musst.“
Selbstvertrauen zurück
Nach einigen Wochen mit Ergebnissen, die nicht ganz seinem eigenen Anspruch entsprachen, spürt Littler, dass dieser Sieg ihm neues Vertrauen gibt.
„Wenn du nicht gewinnst, fühlt sich das einfach nicht gut an“, sagte er offen. „Dann musst du dich wieder aufrappeln.“
Sein Ansatz bleibt dabei bewusst einfach. „Jede Woche ist eine neue Woche. Aber dieser Sieg gibt mir definitiv Selbstvertrauen für das Wochenende in Minehead.“