„Manchmal frustriert es mich, dann denke ich: ‚Das habe ich schon vor fünfzehn Jahren gemacht‘“ – James Wade fühlt sich noch immer unterschätzt
PDC
James Wade gehört seit fast zwei Jahrzehnten zur absoluten Weltspitze, doch der sechsmalige Weltranglisten-Sechste hat dennoch das Gefühl, dass seine Leistungen nicht immer die Anerkennung erhalten, die sie verdienen. Der Engländer, der weithin als bester Spieler ohne WM-Titel gilt, räumt ein, dass ihn das bis heute manchmal beschäftigt.
Mit elf Major-Titeln und nicht weniger als vierzig PDC-Ranglistentiteln hat Wade eine beeindruckende Bilanz vorzuweisen. Bereits 2007 schrieb er Geschichte, als er mit 24 Jahren das World Matchplay gewann. Damit war er damals der jüngste Sieger eines PDC-Majors, ein Rekord, der später von Michael van Gerwen und anschließend Luke Littler verbessert wurde.
Dennoch bemerkt Wade, dass die Aufmerksamkeit häufig den Leistungen einer neuen Spielergeneration gilt, während er ähnliche Meilensteine schon vor Jahren erreicht hat. „Niemand hat automatisch Anspruch auf Respekt, man muss ihn sich verdienen“, sagt Wade gegenüber TalkSPORT. „Manchmal frustriert es mich, wenn Leute sagen: ‚Dieser Spieler kann dies oder hat das erreicht.‘ Dann denke ich: ‚Das habe ich vor fünfzehn Jahren schon gemacht.‘“
Nach Ansicht des 43-jährigen Engländers ist das keine Eifersucht, sondern eher das Gefühl, dass seine eigenen Leistungen mitunter in Vergessenheit geraten. „Es frustriert mich, weil Menschen mit dir reden, als hättest du all das nie erlebt oder erreicht. Das ist ein kleines Stimmchen auf meiner Schulter, mit dem ich umgehen lernen muss. Ich habe mich entschieden, das auch zu tun.“
ADHS spielt laut Wade eine Rolle
Wade ist sich bewusst, dass er Bemerkungen schneller persönlich nimmt als viele andere. Er führt das teilweise auf sein ADHS zurück, will das aber nicht als Ausrede benutzen.
„Das Leben ist nun einmal nicht immer fair. Manche Menschen nehmen Dinge persönlich und andere überhaupt nicht. Einige hängen an Themen fest, die für andere gar kein Problem sind.“
„Das hat wahrscheinlich mit meinem ADHS zu tun. Ich nutze das nicht als Entschuldigung, aber manche Menschen nehmen Dinge nun mal persönlich und andere nicht.“
Trotz dieser Frustrationen erlebt Wade sportlich erneut eine starke Phase. In den vergangenen zwei Jahren verdiente er über 667.000 Pfund an Preisgeld, unter anderem dank drei verlorener Finals bei TV-Turnieren und zwei ProTour-Titeln.
Weiterlesen
Verwundert über das Wachstum des Dartsports
Neben seinen eigenen Leistungen blickt Wade auch auf die enorme Entwicklung, die der Dartsport seit Beginn seiner Karriere durchlaufen hat. Wo früher Qualifikationsturniere noch in Pubs gespielt wurden, stehen die größten Namen heute vor ausverkauften Arenen rund um den Globus.
„Ich denke, einige Spieler sind inzwischen echte Superstars“, so Wade. „Wenn mir vor Jahren jemand gesagt hätte, dass sich Darts so entwickeln würde, hätte ich ihn ausgelacht.“
Dabei verweist er auch auf die Ambitionen des früheren PDC-Vorsitzenden Barry Hearn. „Früher mussten wir alle ein wenig lachen, als Barry Hearn sagte, der Sieger der WM würde eines Tages eine Million Pfund verdienen. Vor zehn oder fünfzehn Jahren schien das unmöglich, aber er hatte dieses Ziel vor Augen und er hat es auch umgesetzt.“
Nach Wades Ansicht ist der Sport inzwischen deutlich größer geworden, als er je zu träumen gewagt hätte. „Darts ist regelrecht explodiert. Einst starteten wir mit Qualifikationsturnieren in Pubs, jetzt spielen wir in Arenen wie der O2 und dem Madison Square Garden. Und die Liste großer Spielstätten wächst immer weiter.“
„Eigentlich hat der Sport alles übertroffen, was ich je für möglich gehalten habe. Mehr noch, er ist sogar größer geworden, als ich es mir jemals hätte vorstellen können.“

Oliver RiedRedakteur
Oliver Ried ist seit Ende 2024 Redakteur bei Dartsnews.de. Er berichtet dort über den professionellen Dartsport und erstellt regelmäßig Liveblogs zu den wichtigsten Turnieren und Ereignissen, darunter die PDC World Darts Championship, die Premier League Darts und das World Matchplay. Ergänzend veröffentlicht er Berichte, Einordnungen und Hintergrundtexte zum Geschehen auf der PDC-Tour. Seit Anfang 2025 schreibt er zudem für Radsportaktuell.de über den professionellen Radsport.
Oliver ist in Würzburg stationiert. Neben seiner redaktionellen Arbeit ist er selbst aktiver Dartspieler und bringt dadurch zusätzliche Praxisnähe in seine Berichterstattung ein. Er studiert Grundschullehramt und legt bei seinen Artikeln Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und verlässliche Informationen. Inhalte aktualisiert er, sobald neue, gesicherte Details vorliegen.
Klatscht 0Besucher 0
Gerade In
Beliebte Nachrichten
Aktuelle Kommentare
- Keiner der Spieler darf sich über Pfiffe oder nicht vorhandenen Respekt beschweren. Ich war Donnerstag, Freitag, Samstagabend und Sonntagnachmittag vor Ort. Es war immer ein sehr faires Publikum. Und wenn Littler und seine Mutter jetzt auch noch respektvoll mit anderen Spielern umgehen, sollte den Aussagen von Littler nichts im Wege stehen.
Grobi25-10-2026 - Sorry, Mensur, zu spät. Wer solche Aussagen in tiefer Emotionalität äußert, der meint diese ernst. Denn das rationale Denken funktioniert in solchen (positiven) Stressmomenten seltens. Und wenn die Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass ich als Profispieler nicht mitbekomme, dass mein Gegner Matchdarts hat, dann stimmt in der Wahrnehmung etwas nicht. Also sorry, Mensur. Entschuldigung nicht angenommen, zumindest von mir. Und was vom Inhalt seines Statement ist mit KI geschrieben? Steht ganz oben. NI wäre hier angebracht gewesen.
Grobi12-10-2026 - Weiß man ob es die rechte oder linke Hand ist? In jedem Fall extrem bitter….Robertuil09-10-2026
- Ricke Evans ist Stand jetzt für die WM qualifiziert. Quelle: Dartsrankings In der ProTour Rangliste werden die Personen rausgerechnet, die bereits qualifiziert sind. Das hat der Autor hier nicht berücksichtigt.FabianD24-09-2026
- Aspinall lag 1:3 hinten , nicht 1:4 🎯Pool1809419-09-2026
- Was ein toller Mensch er doch gewesen ist. Der deutsche Dartsport wäre ohne ihn lange nicht da, wo er heute wäre. Super Artikel 👍ArturBoruc24-08-2026
- Und wer ist jetzt für Amsterdam qualifiziert?Julian1122-08-2026
- Er hat keinen Bock auf Deutschland und findet es hier schrecklich, weil er (zwei-)mal bei einem oder zwei Turnieren von einigen "Dartfans" ausgepfiffen wurde. Das mochte er nicht und deswegen bleibt es Deutschland fern. Ausnahme war der World Cup, da siegte sein Patriotismus und der Ehrgeiz, einmal alles gewonnen zu haben. Er hat es auch mal selbst so geschrieben bzw gesagt, dass er Deutschland (gemeint sind wahrscheinlich Turniere in Deutschland) schrecklich findet.
Grobi18-08-2026 - Danke für den ausführlichen Bericht über Jamie. Generell finde ich es klasse das du dich "fast vergessenen Spielern" annimmst. Wäre grundsätzlich bei Dartnews ein interessantes Dauerthema.XJRLion18-08-2026
- „Littler findet Deutschland einfach ein schreckliches Land“Reißerische Überschrift, aber Gründe lieferst du leider keine. Klar kann man verstehen das einige Topspieler, wie kürzlich Gary Anderson, sagten das er "keinen Bock darauf habe" mehrere Std. am Flughafen zu stehen bis es aufgrund aller Kontrollen weitergeht. Doch erklär uns, gerade aufgrund deiner Überschrift, bitte warum Luke scheinbar grundsätzlich keinen Bock auf Deutschland hat.XJRLion18-08-2026









