Schlechtes Omen für Michael van Gerwen: Bemerkenswerter „Fluch“ liegt über der Nummer 1 der Setzliste bei den World Series of Darts Finals

PDC
Mittwoch, 16 September 2026 um 14:30
Michael van Gerwen (2)
Am kommenden Donnerstag starten in Amsterdam die World Series of Darts Finals. Anders als bei Major Turnieren wie dem World Matchplay oder dem in zwei Wochen anstehenden World Grand Prix, entscheidet aber nicht die Position der Order of Merit über die Setzlistenplatzierung.
Die World Series of Darts Finals haben ein eigenes Rankingsystem, in dem die Setzliste auf den Leistungen der Spieler in den jeweiligen World Series of Darts-Events basiert. Michael van Gerwen sammelte 2026 unter anderem aufgrund seiner Siege in Bahrain und Dänemark 32 Punkte und führt so die Wertung an. Glaubt man der Statistik, dann ist "Mighty Mike" aber keinesfalls zu beneiden. Unser englischer Kollege Ben James hat den „World-Series-Fluch“ in der folgenden Analyse genauer unter die Lupe genommen:

Die Bilanz des Topgesetzten

Seit der Premiere 2015 hat der Topgesetzte das Turnier nur dreimal gewonnen, eine Quote von 27,3%. In acht Jahren scheiterte die Nummer eins also auf dem Weg zum Titel, was nahelegt, dass Form innerhalb der World Series selten zum Sieg führt. Das überrascht wenig, da die Setzliste auf den PDC World Series of Darts „Ranking Points“ basiert, die über die Saison verteilt gesammelt werden. Im Fall von Stephen Bunting als Topgesetztem im Vorjahr resultierte dies etwa aus Siegen in Bahrain im Januar und Kopenhagen im Juni.
Michael van Gerwen jubelt.
Michael van Gerwen geht 2026 als Topgesetzter an den Start der World Series of Darts Finals.
Auf diese sechsmonatige Lücke folgte bis zu den World Series of Darts Finals nochmals eine drei Monate lange Pause. Anders als bei der Weltmeisterschaft, wo die Form in den Folgemonaten häufig den späteren Titelträger andeutet, am deutlichsten zu sehen daran, dass die letzten vier Grand Slam of Darts-Sieger im Folgejahr auch den WM-Titel holten , können Topgesetzte hier die Welle nicht in ähnlicher Weise reiten wie bei anderen TV-Turnieren.
Die World Series of Darts Finals sind zudem ein Major ohne Weltranglistenpunkte, was den Druck spürbar senkt und Spielern außer Form oder außerhalb der Top 4 tiefe Runs ermöglicht. Bei der Premiere 2015 war Phil Taylor topgesetzt und verlor im Halbfinale gegen Michael van Gerwen, der als Nummer drei gesetzt war. Unter den Topgesetzten, die das Turnier gewannen, steht Michael van Gerwen zweimal (2016, 2019), hinzu kommt Littler 2024. Das stützt die These, dass das World-Series-Ranking in erster Linie die Auslosung bestimmt, aber nicht zwingend die Form. Sowohl 2016 als auch 2024 gewannen Michael van Gerwen und Luke Littler das Turnier und holten anschließend den WM-Titel, 2019 siegte van Gerwen als amtierender Weltmeister.
Daraus folgt: Der größere Formkontext liefert eine deutlich bessere Indikation für den Titelfavoriten als die Setzliste, anders als bei fast allen Majors im Darts-Kalender. In einem breiteren Sportvergleich würde eine Quote, bei der der Topgesetzte nur in etwa jedem vierten Fall gewinnt, ernsthafte Fragen zur Eignung des Systems aufwerfen.
Das zeigt der Blick auf andere Wettbewerbe: Im Tennis gewann die Nummer eins in der Nadal-Ära rund 60% der French-Open-Titel. Der American Football Top-Conference-Seed holte in den vergangenen zehn Jahren etwa 60% aller Super-Bowl-Ringe. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft erreicht der Topgesetzte das Finale in rund 40% der Fälle. Wenn die Nummer eins der World Series of Darts so häufig schon in Runde zwei rausgeht, wie sie das Event gewinnt, wirkt die Setzlogik zumindest überholungsbedürftig.

Bilanz des Topgesetzten: Elf Jahre

Jahr Topgesetzter Ergebnis Sieger Sieger-Setzliste
2015 Phil Taylor Halbfinale Michael van Gerwen 3
2016 Michael van Gerwen Sieger Michael van Gerwen 1
2017 Gary Anderson Finalist Michael van Gerwen 2
2018 Peter Wright Zweite Runde James Wade Ungesetzt
2019 Michael van Gerwen Sieger Michael van Gerwen 1
2020 Michael van Gerwen Zweite Runde Gerwyn Price 7
2021 Michael van Gerwen Halbfinale Jonny Clayton 4
2022 Dimitri Van den Bergh Zweite Runde Gerwyn Price 2
2023 Rob Cross Viertelfinale Michael van Gerwen 4
2024 Luke Littler Sieger Luke Littler 1
2025 Stephen Bunting Finalist Michael van Gerwen 10
Seit 2015 lauten die Sieger-Setzlisten: dreimal Topgesetzter, zweimal Nummer zwei, zweimal Nummer vier, einmal Nummer drei und einmal Nummer sieben sowie einmal Nummer zehn. Nur einmal gewann ein Ungesetzter: James Wade in 2018. Allerdings war "The Machine" zu diesem Zeitpunkt unter den zehn besten Spieler der Welt in der Order of Merit. Von einer Überraschung kann da wohl kaum die Rede sein.
Wenn man sich anschaut, von welcher Position der Setzliste die bisherigen Sieger kamen, liegt der mittlere Wert bei Platz 3. Die Top 4 holten acht der elf Titel, was die Gegenposition stützt: Setzlisten spiegeln Qualität zwar wider, sind aber keine starke Prognose für das Endergebnis.
Das passt zum 2026er Draw: Zwei der Top-4-Spieler treffen auf internationale Qualifikanten, ein höheres Seeding bringt also tendenziell einen leichteren Auftakt. Allerdings genießen auch die Setzlisten fünf bis acht diese Vorteile, haben aber insgesamt nur einmal den Titel geholt. Das Turnier belohnt entweder echte Top-4-Qualität oder einen deutlichen Ausreißer. Die Setzliste sagt weniger darüber aus, wer gewinnt, als wer realistisch um den Titel mitspielen kann.

Sieger-Setzlisten: Verteilung über elf Jahre

Sieger-Setzliste Anzahl Jahre
Setzliste 1 3 2016, 2019, 2024
Setzliste 2 2 2017, 2022
Setzliste 4 2 2021, 2023
Setzliste 3 1 2015
Setzliste 7 1 2020
Setzliste 10 1 2025
Ungesetzt 1 2018

Das Paradox des höchsten Averages 

Der Spieler mit dem höchsten Average hat die World Series of Darts Finals viermal in elf Jahren gewonnen, eine Quote von 36,4 %, nur ein Sieger mehr als die Nummer eins der Setzliste. Von diesen vier Erfolgen gehen zwei auf das Konto von Michael van Gerwen und einer auf Luke Littler, wobei alle drei in ihren jeweiligen Jahren auch zu den stärkeren Gesetzten zählten.
Luke Littler & Michael van Gerwen
Luke Littler und Michael van Gerwen sind frühere Champions dieses Turniers.
Das bedeutet: In sieben von elf Jahren ging der Spieler mit dem besten Turnier-Average ohne Titel nach Hause. Das extremste Beispiel datierte im Jahr 2017, als Dimitri Van den Bergh 105,21 im Average spielte, den höchsten Einzelturnier-Average der elfjährigen Historie, und James Wade mit einem 96,11 Average gewann. Wades Sieg-Average von 96,11 kaschiert nicht das Defizit von 9,10 Punkten, das er auf dem Weg zum Major-Titel wettmachte – im Darts fast beispiellos, bei den World Series of Darts Finals aber passiert. 2022 spielte Peter Wright einen Average von 103,11 Punkten und unterlag dennoch. Ähnliches passierte Dirk van Duijvenbode 2023, der trotz seines 103,20er Averages bereits in Runde 1 ausschied.

Höchster Average-Spieler vs. Sieger: Elf Jahre

Jahr Spieler mit dem höchsten Average Average Gewinner Average des Gewinners Unterschied
2015 Michael van Gerwen 105.66 Michael van Gerwen 105.66 0
2016 Phil Taylor 104.73 Michael van Gerwen 104.03 0.7
2017 Michael van Gerwen 101.86 Michael van Gerwen 101.86 0
2018 Dimitri Van den Bergh 105.21 James Wade 96.11 9.1
2019 Nathan Aspinall 103.37 Michael van Gerwen 101.98 1.39
2020 Peter Wright 103.58 Gerwyn Price 99.86 3.72
2021 Dimitri Van den Bergh 99.47 Jonny Clayton 98.69 0.78
2022 Peter Wright 103.11 Gerwyn Price 98.92 4.19
2023 Dirk van Duijvenbode 103.2 Michael van Gerwen 99.17 4.03
2024 Luke Littler 103.79 Luke Littler 103.79 0
2025 Michael van Gerwen 101.89 Michael van Gerwen 101.89 0
Die Erklärung liegt im Format. Die World Series of Darts Finals werden im Leg-Format gespielt, sodass verpasste Chancen auf die Doppel besonders schnell bestraft werden können. Selbst ein Spieler mit einem Average von 103 Punkten und einer Checkout-Quote von 36 Prozent kann dadurch in Bedrängnis geraten.
Sollte der Turniersieger nicht den besseren Average gespielt haben, hatte er in den vergangenen Jahren zumindest die höhere Checkout-Quote. Am Ende setzte sich also der Spieler durch, der seine Chancen auf die Doppel besser nutzte. Das zeigte sich auch im Finale 2025: Trotz des besseren Averages des späteren Verlierers Littler blieb van Gerwen aufgrund seiner höheren Doppelquote im Match– und holte sich so den Titel.
Klatscht 0Besucher 0
loading

Gerade In

Beliebte Nachrichten

Aktuelle Kommentare

Loading