Für Ricardo Pietreczko war es ein intensiver Auftakt in seine European-Tour-Saison 2026. Beim German Darts Grand Prix im Zenith München setzte sich der Deutsche am Samstagabend in einem umkämpften Match mit 6:5 gegen Ian White durch. Der Erfolg im Decider bedeutete seinen ersten Sieg auf der European Tour in diesem Jahr – und offenbar auch eine ungewohnt nervenaufreibende Erfahrung.
Gerade im entscheidenden Leg war Pietreczko die Anspannung deutlich anzumerken. Beim Stand von 49 Restpunkten überwarf er sich beim Wurf auf die Single-17 sogar mit einem Treffer in die Triple-17 – ein seltener Moment der Unsicherheit bei einem Spieler, der sonst für seine Abgeklärtheit auf der großen Bühne bekannt ist.
„Sieg ist Sieg“ trotz ungewohnt nervösem Auftritt
Entsprechend gemischt fiel seine erste Reaktion nach dem Match aus. „Die Gefühlslage ist ein bisschen zwiegespalten, weil Ian und ich uns ziemlich gut kennen“, erklärte Pietreczko im Exklusiv-Interview mit Dartsnews.de (YouTube). „Deswegen ist es ein bisschen schwieriger für mich, diesen Sieg zu feiern – auch weil es kein wirklich gutes Spiel war. Am Ende: Sieg ist Sieg, und morgen wartet Nathan, dann schauen wir mal, was wird.“
Ricardo Pietreczko setzte sich zum Auftakt des German Darts Grand Prix in München im Decider mit 6:5 gegen Ian White durch
Dass seine Leistung nicht die gewohnte Souveränität ausstrahlte, führte Pietreczko vor allem auf die besondere Ausgangslage zu Saisonbeginn zurück. „Bei mir war es eine Mischung aus dem ersten European-Tour-Turnier in diesem Jahr und einer sehr großen Wichtigkeit für die Order of Merit mit Blick auf die nächsten European Tour Events. Sehr, sehr schwierig für mich, das nervlich alles unter einen Hut zu bekommen.“
Dabei hatte sich der 30-Jährige in den vergangenen Wochen auf der Pro Tour durchaus stabil präsentiert. Zwei Boardfinals und ein Achtelfinale unterstrichen seine steigende Konstanz auf dem Floor. „Auf jeden Fall konstanter auf dem Floor. Wenn man die letzten zwei Jahre betrachtet, war es dort nicht wirklich gut. Den letzten Players-Championship-Block jetzt mal hinten angestellt, war es zuletzt eigentlich wieder ganz konstant. Mal schauen – vielleicht kann ich daran wieder anknüpfen, dann geht’s wieder ab.“
Selbstbewusst ins Duell mit Nathan Aspinall
Mit dem Erfolg über White verschaffte sich Pietreczko zugleich die Chance auf ein weiteres Highlight-Duell: In der zweiten Runde wartet Nathan Aspinall, die Nummer eins der European-Tour-Order-of-Merit der vergangenen Saison. Respekt ist vorhanden – Zurückhaltung jedoch nicht.
„Ich habe immer Bock zu spielen, egal gegen wen es geht“, sagte Pietreczko. „Nathan und ich kennen uns schon ein bisschen länger, haben schon oft gegeneinander gespielt. Der Bessere wird gewinnen – und übermorgen ist Achtelfinale“, ergänzte er lachend.
Auch abseits der Bühne hat sich bei Pietreczko in diesem Jahr etwas verändert. Zu Saisonbeginn wechselte er seinen Ausrüster und arbeitet nun mit Precise180 zusammen. „Mit den Leuten von Precise und dem neuen Prototypen, der jetzt bald auf den Markt kommt – ich fühle mich wohl und bin gespannt auf die Zusammenarbeit.“