„Beim Aufwärmen wusste ich eigentlich nicht mehr, wie ich meine Darts werfen sollte“ – Luke Littler kehrt nach einer Woche Pause auf die Darts-Bühne zurück
Vor einer Woche stand Luke Littler noch in einer brodelnden O2 Arena mit der Premier-League-Trophäe in den Händen nach einem äußerst spannenden Finale gegen Luke Humphries. Keine sieben Tage später betrat die englische Sensation in Kopenhagen für sein erstes Match der Nordic Darts Masters eine deutlich kleinere Bühne. Der Kontrast hätte kaum größer sein können.
Dennoch schaffte es der amtierende Premier-League-Champion, seine erste Hürde ohne große Probleme zu nehmen. Auch wenn sein Spiel noch nicht das Niveau erreichte, das ihn vergangene Woche zu einem der größten Titel seiner Karriere geführt hatte, feierte Littler einen souveränen Sieg und zog in die nächste Runde ein.
Nach dem Spiel war der 18-jährige Engländer vor allem erleichtert, die Auftaktpartie des Turniers überstanden zu haben. „Ein Sieg ist ein Sieg“, stellte Littler nüchtern fest. „Ich hatte seit letztem Donnerstag keinen Dart mehr geworfen. Deshalb war es heute in erster Linie wichtig, einfach die erste Runde zu überstehen und morgen zurückzukehren.“
Eine Woche ohne Darts
Während viele Topspieler direkt nach einem großen Turnier wieder den Weg in den Practice Room suchen, entschied sich Littler bewusst für einen anderen Ansatz. Nach seinem Triumph in der Premier League legte er die Pfeile eine Woche lang komplett zur Seite. Diese Entscheidung führte dazu, dass er sich beim Aufwärmen vor den Nordic Darts Masters ungewohnt fühlte. „Als ich mich aufwärmte, wusste ich eigentlich nicht mehr, wie ich meine Darts werfen sollte“, lachte er. „Ich hatte eine Woche nichts gemacht. Am Ende fand ich eine Art seltsamen Wurf, der funktionierte, aber hoffentlich bin ich morgen wieder näher an meinem normalen Level.“
Das zeigt, wie intensiv der Terminkalender eines modernen Dartprofis ist. Selbst für einen Spieler, der es gewohnt ist, nahezu jedes Wochenende auf einer Bühne zu stehen, kann eine kurze Pause sich so anfühlen, als müsse er von vorn anfangen.
Einer der auffälligsten Momente des Matches war ein merkwürdiger 129-Finishversuch. Littler verfehlte zunächst seinen gewünschten Weg, konnte aber bei seinem nächsten Besuch am Board dennoch eindrucksvoll auschecken. Der Engländer musste selbst lachen, als er nach der Partie gefragt wurde, was genau passiert war. „Ich wollte mir eigentlich an den Kopf fassen, als ich die Triple 20 traf und mich anschließend überworfen habe“, erzählte er. „Danach musste ich auf die 19 umschalten. Aus dem Winkel konnte ich das Board kaum richtig sehen, also warf ich den Dart mehr oder weniger in die Richtung. Zum Glück traf er.“
Jagd auf einen fehlenden Titel
Trotz seines jungen Alters hat Littler bereits eine beeindruckende Trophäensammlung aufgebaut. Dennoch fehlen auf seiner Ehrenliste noch einige Titel, darunter verschiedene World-Series-Turniere.
Die Frage, ob ein Sieg bei diesem Turnier zusätzliche Bedeutung hätte, musste kaum gestellt werden. „Jeder weiß, dass ich am Ende alles gewinnen will“, sagte Littler. „Das gilt für Majors, aber auch für die World-Series-Events. Wenn es eine Trophäe zu gewinnen gibt, will ich sie haben.“
Diese Mentalität hat ihn in kurzer Zeit an die absolute Weltspitze geführt. Wo viele junge Spieler mit den bereits erreichten Erfolgen zufrieden wären, bleibt Littler hungrig auf mehr.
Luke Littler trifft im Viertelfinale auf James Wade
James Wade wartet im Viertelfinale
In der nächsten Runde wartet ein Duell mit James Wade, einem der erfahrensten Spieler auf der Tour. Der Engländer ist in den vergangenen Monaten wieder in ausgezeichneter Form und gilt als unangenehmer Gegner. Littler freut sich auf diese Begegnung. „Es ist schön, James wiederzutreffen. Er hat sich in letzter Zeit hervorragend entwickelt und es ist gut zu sehen, dass er diese Chance bekommt. Hoffentlich wird es erneut ein schönes Match.“
Die direkten Duelle der beiden sorgten in den vergangenen Jahren bereits mehrfach für Feuerwerk. Erneut scheint eine spannende Kräfteprobe bevorzustehen.
Für viele Spieler wäre es schwierig, sich direkt nach einem großen Triumph erneut für ein vergleichsweise kleines Event zu motivieren. Littler räumt ein, dass der Übergang groß ist, sieht es aber vor allem als Teil des Lebens eines Profidarters. „Ich hatte wahrscheinlich eine der besten Wochen seit Langem“, erzählte er. „Einfach entspannen, relaxen und überhaupt nicht an Darts denken. Aber heute Morgen wusste ich, dass es wieder Zeit war, zu arbeiten.“
Laut Littler geht es bei einem Turnier wie diesem vor allem darum, die erste Runde zu überstehen. „Sobald man diese erste Partie hinter sich hat, kann man wieder aufbauen in Richtung Rest des Wochenendes.“
Das harte Leben eines Topdarters
Beim Medientermin ging es auch um die mentale und körperliche Belastung auf dem professionellen Darts-Circuit. Der frühere Weltmeister Phil Taylor hatte zuvor am Tag Verständnis für Spieler gezeigt, die mit dem ständigen Reisen und Spielen zu kämpfen haben.
Littler versteht diese Kommentare voll und ganz. „Seit meiner ersten Weltmeisterschaft ist es eigentlich durchgehend gewesen“, erklärte er. „Jedes Wochenende bist du unterwegs zu einem neuen Turnier. An diesem Wochenende spielen wir hier, danach folgt der World Cup of Darts und anschließend fliegen wir direkt weiter nach New York.“
Gerade deshalb ist laut dem Engländer Ruhe so wichtig. „Diese wöchentliche Darts-Pause hat mir wirklich gutgetan. Für uns Spieler ist freie Zeit enorm wichtig. Manchmal muss man einfach komplett Abstand vom Sport nehmen.“
Fußballkarten statt Darts
Während viele Kollegen ihre freie Woche für einen Strandurlaub nutzten, blieb Littler einfach zu Hause. Seine Tage waren überraschenderweise nicht von Trainingsstunden geprägt, sondern von einer anderen großen Leidenschaft. „Ich habe vor allem Geld für Fußballkarten ausgegeben“, erzählte er lachend. „Ich kaufe sie, verkaufe sie wieder und war fast jeden Tag bei der Post, um Päckchen zu verschicken.“
Das sorgte für eine entspannte Woche, in der Darts kaum eine Rolle spielte. Nächste Woche steht eines der wichtigsten Events des Jahres auf dem Programm: der World Cup of Darts in Frankfurt. Zusammen mit Luke Humphries bildet Littler erneut das englische Duo. Im vergangenen Jahr galt England als Topfavorit, doch es folgte ein überraschendes frühes Aus. Trotz dieser Enttäuschung blickt Littler zuversichtlich auf einen neuen Anlauf. „Ich denke, dass im letzten Jahr mehr Druck auf uns lag als jetzt“, sagte er. „Jeder hat erwartet, dass wir gewinnen. Dieses Jahr fühlt sich das anders an.“
Dennoch weiß er, dass England erneut zu den größten Favoriten zählt. „Hoffentlich bekommen wir diesmal eine etwas günstigere Auslosung in der ersten Runde.“
Laut Littler fehlte im letzten Jahr vor allem der richtige Draht auf der Bühne. „Unsere Gegner haben ein großartiges Match gespielt. Luke und ich hatten auch gute Momente, aber wir fanden nie wirklich unseren gemeinsamen Flow. Hoffentlich ist das dieses Jahr anders.“
Nach Monaten nahezu ununterbrochener Reisen beginnt für Littler erneut eine hektische Phase. Die Nordic Darts Masters, der World Cup of Darts, die US Darts Masters in New York und anschließend die Vorbereitung auf die großen Sommerturniere folgen in schnellem Takt aufeinander.
Der Premier-League-Sieger scheint davon jedoch unbeeindruckt. „Ich bin froh, dass ich kurz zu Hause war“, schloss er. „Aber ab jetzt wird es wieder voll. Das gehört dazu.“
Mit seinem Sieg in Kopenhagen hat Littler jedenfalls den ersten Schritt gemacht. Die Form ist nach seiner Ruhewoche vielleicht noch nicht vollständig zurück, doch der Ehrgeiz ist unverändert. Und für einen Spieler, der mit 18 schon fast alles gewonnen hat, ist das womöglich das gefährlichste Signal für seine Konkurrenten.