Luke Littler wird sich nicht für die Players Championship Finals qualifizieren – davon ist Matthew Edgar überzeugt. Der ehemalige PDC-Profi sieht „The Nuke“ vor einer nahezu unlösbaren Aufgabe, wenn dieser tatsächlich jedes Major innerhalb eines Jahres gewinnen will. Zum Problem könnte dabei vor allem werden, dass Littler nur an wenigen Turnieren der Pro Tour teilnimmt.
Im Gespräch mit Online Darts nahm Edgar die Statistiken genauer unter die Lupe. Demnach hat Littler in seiner bisherigen Karriere lediglich vier Players-Championship-Turniere gewonnen und müsste nun voraussichtlich mindestens zwei weitere für sich entscheiden. Erschwert wird die Aufgabe durch ein Format, das den großen Namen zumindest theoretisch weniger entgegenkommt: Auf dem Floor wird ohne große Bühne und in vergleichsweise ruhiger Atmosphäre in einem offenen Teilnehmerfeld gespielt.
Edgar zweifelt an Littlers Chancen: „Die Prozentsätze sehen nicht gut aus“
„Ich glaube nicht, dass er es schafft. Ich würde es mir wünschen, denn ich bin seit den frühen Tagen ein großer Fan von Luke Littler. Ich habe die Entwicklung geliebt und die Geschichte geliebt. Es war fast wie ein Märchen“, erklärte Edgar bei Online Darts.
Luke Littler muss um seine Teilnahme an den Players Championship Finals kämpfen – Matthew Edgar sieht „The Nuke“ vor einer enorm schwierigen Aufgabe.
Sollte Littler das Kunststück dennoch gelingen, würde Edgar den Erfolg entsprechend hoch bewerten. „Wenn er das durchzieht, wäre das aus Sicht des Floor-Games und seiner Entwicklung einer seiner größten Erfolge.“
Für Edgar kommt ein weiterer entscheidender Faktor hinzu, den auch Littler und andere Topspieler kennen: Ein Auftritt auf den Streaming-Boards von Leicester ist mit den Bedingungen auf den großen TV-Bühnen kaum zu vergleichen. Genau deshalb sei es schwierig, Littlers Erfolgsaussichten anhand seiner Leistungen bei den großen Turnieren zu beurteilen.
„In den zwei Jahren, in denen Luke Littler auf der Tour ist, hat er nur vier Floor-Turniere gewonnen. Wenn man sich die Anzahl der gespielten Events anschaut, glaube ich, dass er weniger als 25 Prozent davon gewonnen hat. Jetzt muss er 50 Prozent holen.“
Die Zahlen sprechen aus Edgars Sicht deshalb nicht unbedingt für den Engländer. „Die Prozentsätze sehen nicht gut aus. Aus dem Stegreif würde ich sagen, er ist genauso wahrscheinlich – oder sogar wahrscheinlicher –, in Runde eins auszuscheiden, wie den Titel zu holen, basierend auf seinen bisherigen Ergebnissen.“
Dabei stellt Edgar keineswegs infrage, dass Littler sein Spiel weiterentwickelt hat. Entscheidend sei vielmehr, unter welchen Bedingungen diese Entwicklung stattgefunden habe. „Also macht man sich bei diesen Zahlen Sorgen. Aber wir haben gerade darüber gesprochen, ob er besser geworden ist. Er ist besser geworden – aber er ist besser geworden auf der großen Bühne, über längere Distanzen, vor Publikum. Stell ihn in Leicester auf Board 12, in eine stagnierende Umgebung, Best of 11 Legs, und es klingt nicht mehr ganz so reizvoll. Deshalb sage ich, er schafft es nicht, aber ich hoffe es wirklich.“
„Sponsoren wollen die besten Spieler“
Als Belohnung würde Littler ein Platz bei den Players Championship Finals in Minehead winken. Damit berührt die Diskussion jedoch ein grundsätzliches Thema, das rund um das Turnier während der gesamten Saison immer wieder aufgekommen ist: die Interessen der zahlenden Zuschauer vor Ort sowie der TV-Partner und Sponsoren, die das Event finanzieren und produzieren.
„Sponsoren wollen die besten Spieler. Broadcaster wollen die größten Namen. Wir arbeiten mit sozialen Medien, also wissen wir, welche Zahlen entstehen, wenn die größten Namen dabei sind. Setzt man jemanden wie Luke Littler irgendwo hinein, schnellen die Zahlen nach oben.“
Für die übertragenden Sender sei das naturgemäß von großer Bedeutung. „Broadcaster wollen das natürlich, weil sie viel Geld in den Sport stecken. Es ist also ganz klar, dass das ein Thema schafft.“
Im Mittelpunkt der Diskussion stehen damit einmal mehr die Players Championship Finals, die geringe Anzahl an Pro-Tour-Auftritten von Littler und anderen Topstars sowie die Frage, ob die Qualifikationsregeln verändert werden sollten. Edgar hält Änderungen grundsätzlich für sinnvoll – allerdings nicht im Fall von Minehead. Seiner Ansicht nach sollte die Qualifikation für die Players Championship Finals unangetastet bleiben. Schließlich arbeiten zahlreiche Spieler über die gesamte Saison hinweg auf ihre Teilnahme hin. Dieses Prinzip dürfe nicht ausgehöhlt werden, nur weil Littler und andere Stars weniger Pro-Tour-Turniere bestreiten wollen.
„Ich setze da ein Sternchen. Ich denke, wir werden Regeländerungen für die meisten Events sehen. Ich spreche nicht nur über die Players Championship Finals – ich meine die Qualifikationskriterien allgemein. Sehe ich eine komplette Überarbeitung? Ja. Außer bei den Players Championship Finals. Ich glaube, die meisten Events werden sich ändern, aber es würde mich nicht überraschen, wenn die Players Championship Finals exakt so bleiben, wie sie sind.“
Dafür gibt es aus Edgars Sicht einen entscheidenden Grund: Das Turnier bildet den Abschluss einer ganzen Saison auf dem Floor. „Der Grund ist, dass die Players Championship Finals den Abschluss der Pro-Tour-Saison bilden. Es gibt 64 Plätze. Wenn du es nicht schaffst, unter die Top-64 von 128 Tour-Card-Inhabern zu kommen, dann fährst du nicht hin. Das würde ich gerne so belassen.“
Gleichzeitig erkennt Edgar die Schwierigkeiten, die dieses System mit sich bringen kann. Littler könnte sich beispielsweise gerade noch für das Turnier qualifizieren und als Nummer 64 der Setzliste nach Minehead reisen. Dadurch könnte bereits in der ersten Runde einer der anderen großen Namen auf ihn treffen. Edgar sieht deshalb Argumente auf beiden Seiten: Einerseits geht es um einen gewissen Schutz der Topstars, andererseits um den Wert einer Qualifikation, die sich die übrigen Profis über die gesamte Saison erarbeiten müssen.
„Ich bin in dem Lager, das findet, dass die Top-16 wahrscheinlich geschützt sein sollten, und ich weiß, dass das viele ärgert. Denn die Ranglisten sind jetzt massiv verzerrt.“
Welche Folgen die aktuelle Situation haben könnte, verdeutlicht Edgar anhand einiger prominenter Beispiele. „Wenn du Michael van Gerwen, Nathan Aspinall, Gian van Veen, Josh Rock hast – nehmen wir an, sie rutschen alle gerade so in die Top-64 auf 61, 62, 63 und so weiter – dann hast du dir das ganze Jahr eine hohe Setzliste erarbeitet und ziehst einen von ihnen in Runde eins.“
Ob das tatsächlich gerecht wäre, kann Edgar selbst nicht eindeutig beantworten. Seine Vergangenheit als Spieler prägt seine Sichtweise bis heute. „Ist das richtig? Es ist schwierig. Ich war so lange Spieler, dass ich immer noch diese Denkweise habe: ‚Ich mag das nicht. Warum sollte jemand einen Freifahrtschein bekommen, während ich mich qualifizieren muss?‘ Deshalb bin ich wahrscheinlich einer der schwierigsten Leute, denen man eine klare Antwort entlocken kann, weil ich hin- und hergerissen bin.“
Genau dieses Spannungsfeld zeigt sich für ihn besonders deutlich am Beispiel Littler. „Ich schaue drauf und denke, wir brauchen Luke Littler in Minehead. Die harte Schule sagt: ‚Nun, er sollte sich wie alle anderen qualifizieren.‘“
Auf der anderen Seite steht die wirtschaftliche Bedeutung der größten Namen des Sports. „Aber ohne Luke Littler, Luke Humphries und Michael van Gerwen ist dieses Event nicht so lukrativ. Es hat nicht die gleichen TV-Deals. Es hat nicht die gleichen Sponsoren. Es hat nicht das gleiche Preisgeld. Daher verstehe ich beide Seiten des Arguments.“
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Heute berichtet er für Dartsnews.de über den professionellen Dartsport und ordnet das aktuelle Geschehen ein – von großen Turnieren bis zu Entwicklungen abseits der Bühne.
Regelmäßig ist er bei Events vor Ort und begleitet rund 20 Turniere pro Jahr, wo er Interviews führt, unter anderem mit Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gerwyn Price sowie Martin Schindler, Gian van Veen und Josh Rock.
Zudem ist er eine der prägenden Stimmen im englischsprachigen Dartsnews Podcast und Co-Host des Sport-Podcasts Overtime Takes.
Nic arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus.
In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.