Nach mehr als elf Jahren ist in diesem Sommer eine Ära zu Ende gegangen: Jermaine Wattimena und Bull's haben ihre langjährige Zusammenarbeit beendet. Der Niederländer entschied sich für einen neuen Weg und unterschrieb einen Mehrjahresvertrag bei Winmau. Für „The Machine Gun“ bedeutet der Wechsel allerdings weit mehr als nur eine Umstellung beim Material. Es ist eine bewusste Entscheidung, die zu seinem großen Ziel passt, den nächsten Schritt in seiner Karriere zu machen.
In einem Interview mit seinem neuen Sponsor erklärt Wattimena, warum für ihn nach elfeinhalb Jahren der richtige Zeitpunkt für eine Veränderung gekommen war. „Nach elfeinhalb Jahren mit Bull's suchte ich etwas anderes. Ich fand, es war Zeit für Veränderung und dafür, in der Weltrangliste weiter nach oben zu kommen. Wir haben ein paar Gespräche geführt und dann fragten sie, ob ich mit Winmau zusammenarbeiten wolle. Ich sagte sofort: ‚Ja, lass es uns machen und schauen, was wir füreinander tun können.‘“
Wattimena spielt die besten Darts seiner Karriere
Der Wechsel erfolgt in einer Phase, in der Wattimena womöglich die besten Darts seiner bisherigen Karriere spielt. In der jüngeren Vergangenheit feierte er seine ersten beiden Titel auf der Players-Championship-Tour, zudem erreichte er kürzlich erstmals das Finale eines Turniers auf der European Tour. Dass seine Entwicklung deutlich in die richtige Richtung zeigt, spürt auch der Niederländer selbst. „Ich bin sehr glücklich mit meinen ersten beiden Players Championship-Titeln aus dem letzten Jahr. Und kürzlich erreichte ich mein erstes Euro Tour-Finale. Es sieht gut aus.“
Jermaine Wattimena startet nach mehr als elf Jahren bei Bull's mit Winmau in ein neues Kapitel seiner Karriere.
Auch wenn ihm der Titel im Endspiel letztlich verwehrt blieb, hatten die European Darts Open in Leverkusen für Wattimena eine große Bedeutung. Insbesondere der Sieg im Viertelfinale und der spätere Einzug ins Endspiel fühlten sich für ihn wie ein wichtiger Durchbruch an. „Es bedeutete mir sehr viel, dieses Viertelfinale zu gewinnen. Danach erreichte ich das Finale. Ich denke, mein Gegner im Finale war einen Tick besser als ich, aber ich merke, dass mein Niveau stetig weiter steigt. Wir werden in den kommenden Jahren mit Winmau zusammenarbeiten und hoffentlich bringt das schöne Titel.“
Wattimena ist davon überzeugt, dass seine Entwicklung noch längst nicht abgeschlossen ist. Ein Titel auf der European Tour steht weit oben auf seiner Wunschliste, doch auch den Triumph bei einem Major-Turnier hält er inzwischen für realistisch.
„Natürlich ist ein Euro Tour-Titel der nächste Schritt. Ich war auch schon nah an einem Major dran. Ich kämpfe immer um den Sieg. Ich habe etwas mehr trainiert und denke, dass ich in Zukunft sicher einen Titel gewinnen kann.“
Als entscheidenden Faktor für seinen Aufschwung sieht der Niederländer vor allem seine Entwicklung auf den großen Bühnen. Dort fühlt er sich inzwischen deutlich wohler als noch vor einigen Jahren. „In den letzten drei oder vier Jahren fühle ich mich auf der Bühne viel wohler. Früher hatte ich bei großen Turnieren stark mit dem Druck zu kämpfen. Es hat lange gedauert, bis ich das ablegen konnte.“
Dass er in diesem Bereich große Fortschritte gemacht hat, zeigen für Wattimena insbesondere seine jüngsten Resultate.
„Das Finale der Europameisterschaft und das Halbfinale der Players Championship Finals haben mir viel Selbstvertrauen gegeben. Das hat Zeit gebraucht. Vielleicht sah man es mir nicht an, aber früher war ich manchmal sogar ein bisschen ängstlich, die Bühne zu betreten. Jetzt spiele ich viel besser, weil ich mich besser fühle.“
Der echte Wattimena ist zurück
Wer Wattimena in den vergangenen Monaten am Oche beobachtet hat, dürfte die Veränderung bemerkt haben. Während der Niederländer früher auf der Bühne häufig angespannt wirkte, strahlt er mittlerweile sichtbar mehr Freude und Selbstvertrauen aus.
Wattimena selbst kann sich mit dieser Beobachtung voll und ganz identifizieren. „Das stimmt zu hundert Prozent. Ich bin jetzt viel mehr ich selbst, und man sieht, dass ich dadurch auch viel besser spiele.“
Die Erklärung für diese Veränderung ist aus seiner Sicht denkbar einfach. „Vor Spielen bin ich nicht mehr nervös und nicht mehr gestresst. Das war vor ein paar Jahren noch anders. Jetzt nicht mehr. Dadurch kommen manchmal auch die Emotionen hoch, weil du weißt, dass du es kannst. Und wenn es dann endlich passiert, bedeutet das sehr viel.“
Auf dem Weg in die Top Ten
Seine starken Leistungen könnten Wattimena schon bald auch den nächsten Meilenstein in der Weltrangliste bescheren. Der Niederländer befindet sich an der Schwelle zu den Top-16 – und damit zu einer Position, die ihm automatisch den Zugang zu den wichtigsten TV-Turnieren ermöglichen würde.
Genau dort liegt zunächst sein Fokus. „Ich will mir zunächst einen festen Platz in den Top-16 sichern. Danach hoffe ich, Schritt für Schritt in Richtung Top Ten gehen zu können. Das ist mein neues Ziel.“
Gleichzeitig weiß Wattimena, wie anspruchsvoll der Weg dorthin ist. „Es gibt unglaublich viele gute Spieler, die in die Top Ten kommen können. Der Unterschied ist sehr klein und bei jedem Turnier musst du wieder für dich kämpfen.“
Ein dauerhafter Platz unter den besten 16 Spielern der Welt würde ihm allerdings unmittelbar zusätzliche Sicherheit verschaffen. „Auf jeden Fall. Man hat dann viel mehr Freiheit, weil man automatisch für die TV-Turniere gesetzt ist.“
Herzliches Willkommen bei Winmau
Noch vor seiner Unterschrift machte sich Wattimena persönlich ein Bild von seinem möglichen neuen Partner und besuchte die Zentrale sowie die Fabrik von Winmau in Südwales. Die Dimensionen vor Ort beeindruckten ihn auf Anhieb. „Es sah großartig aus. Ich war wirklich überrascht, wie viele Menschen dort arbeiten. Die Fabrik ist enorm.“
Seine Erwartungen wurden bei dem Besuch deutlich übertroffen. „Ehrlich gesagt hatte ich gedacht, es sei ein Büro mit einer kleinen Fabrik daneben. Aber es war wirklich gigantisch.“
Für Wattimena war dieser Eindruck letztlich ein entscheidender Faktor für seinen Wechsel. „Ja, da wusste ich, dass ich diesen Schritt gehen musste. Ich denke, Winmau möchte in den kommenden Jahren wirklich mit mir zusammenarbeiten.“
Auch bei der Entwicklung seines neuen Materials wird Wattimena eng eingebunden. Erste Wünsche für seine künftigen Darts hat der Niederländer bereits geäußert. „Ich habe Darts mit etwas mehr Grip angefragt. Die sind jetzt in Entwicklung. Das Design des neuen Shirts habe ich noch nicht gesehen, aber ich hoffe, es bald anschauen zu können. Alles ist neu für mich: neue Darts, ein neues Shirt. In ein paar Monaten werde ich mich noch etwas intensiver damit beschäftigen.“
Trotz des Abschieds blickt Wattimena mit großer Wertschätzung auf seine lange Zeit bei Bull's zurück. „Ich war auch bei Bull's sehr glücklich. Es ist ein gutes Unternehmen und der Inhaber ist ein großartiger Mann. Aber ich musste eine Entscheidung für mich treffen. Das habe ich ihm auch gesagt. Ich musste diese Entscheidung für meine eigene Karriere treffen und nicht für jemand anderen.“
Dass er sich mit seinem neuen Umfeld identifizieren kann, wurde Wattimena bereits bei seinem ersten Besuch bei Winmau deutlich. „Alle waren großartig. Ich fühlte mich dort auf Anhieb sehr wohl. Sie gaben mir wirklich das Gefühl, zu Hause zu sein.“
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Heute berichtet er für Dartsnews.de über den professionellen Dartsport und ordnet das aktuelle Geschehen ein – von großen Turnieren bis zu Entwicklungen abseits der Bühne.
Regelmäßig ist er bei Events vor Ort und begleitet rund 20 Turniere pro Jahr, wo er Interviews führt, unter anderem mit Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gerwyn Price sowie Martin Schindler, Gian van Veen und Josh Rock.
Zudem ist er eine der prägenden Stimmen im englischsprachigen Dartsnews Podcast und Co-Host des Sport-Podcasts Overtime Takes.
Nic arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus.
In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.