„Momentan kommt er nicht einmal in die Nähe von Phil Taylor“ – Darts-Analysten halten Luke Littler noch lange nicht für den Besten aller Zeiten

PDC
Donnerstag, 06 August 2026 um 8:30
Luke Littler und Phil Taylor posieren nebeneinander mit verschränkten Armen.
Die Frage nach dem besten Dartspieler aller Zeiten bekommt dieser Tage neue Nahrung. Luke Littler hat sich in jungen Jahren bereits eine beeindruckende Titelsammlung erspielt und rückt für viele Fans und Experten immer näher an die größten Namen der Sportgeschichte heran. Darts-Kommentator Chris Murphy bremst die Euphorie jedoch deutlich: Für ihn ist es viel zu früh, „The Nuke" über Phil Taylor zu stellen.
Im Podcast „Love the Darts" wird Murphy auf die aktuelle Debatte angesprochen und findet klare Worte: „Littler ist noch nicht der Beste aller Zeiten. Im Moment kommt er nicht einmal in die Nähe von Taylor." Er stellt jedoch klar, dass diese Einschätzung nichts mit Littlers Fähigkeiten zu tun hat. „Was er derzeit zeigt, ist unglaublich. Aber wenn man die komplette Karriere und Titelliste von Taylor neben die von Littler legt, bleibt der Unterschied enorm."

Taylors Dominanz über vier Generationen

Taylor setzte über mehrere Jahrzehnte hinweg den Maßstab im Dartsport. Sechzehn Weltmeistertitel und eine beispiellose Dominanzphase machen den Engländer bis heute zur Referenzgröße. Hinzu kommt seine Anpassungsfähigkeit: Immer wieder stellte er sich neuen Spielergenerationen und blieb trotzdem an der Spitze. „Taylor war in vier verschiedenen Generationen der Beste", erklärt Murphy. „Er musste sich ständig neu erfinden – das darf man nicht unterschätzen. Er behauptete sich, während sich der Sport veränderte und ständig neue Herausforderer auftauchten."
Luke Littler mit der Phil Taylor Trophy.
Luke Littler gewann im vergangenen Monat zum zweiten Jahr in Folge das World Matchplay
Murphy bringt damit einen entscheidenden Aspekt der Debatte auf den Punkt: Nicht nur das aktuelle Niveau zählt, sondern auch die Dauer der Dominanz. Littler hat in außergewöhnlich kurzer Zeit große Titel geholt und Rekorde gebrochen, doch für eine mit Taylor vergleichbare Karriere fehlt schlicht noch die Zeit.
Auch Laura Turner, aktiv im Damendarts und als Analystin bei Sky Sports tätig, teilt diese Einschätzung. Ihrer Ansicht nach richtet die Diskussion den Blick zu einseitig auf die Gegenwart. „Viele Menschen berücksichtigen ausschließlich das aktuelle Geschehen", sagt Turner. „Taylors langjährige Dominanz war beispiellos und von enormer Klasse. Deshalb bleibt er für mich der Beste aller Zeiten."
Turner will Littlers Leistungen damit keineswegs kleinreden. Der junge Engländer hat sich binnen kürzester Zeit zu einem der größten Stars der modernen Dartszene entwickelt und dürfte seine Erfolgsbilanz noch deutlich ausbauen. „Versteht mich nicht falsch, was Littler aktuell zeigt, ist großartig", so Turner weiter. „Auf lange Sicht kann er vielleicht mit Taylor mithalten – aber jetzt noch nicht."
Besonders die außergewöhnliche Länge von Taylors Erfolgsserie verdient laut Turner mehr Anerkennung: „Was Taylor über Jahre hinweg leistete, darf nicht unterschätzt werden."
Die Debatte wird die Dartsszene in den kommenden Jahren zweifellos weiter begleiten. Littler steht noch am Anfang seiner Karriere und kann seine Titelsammlung erheblich erweitern. Hält er sein aktuelles Niveau über mehrere Jahre, wird ein Vergleich mit Taylor kaum noch zu vermeiden sein.
Vorerst fällt das Urteil von Murphy und Turner jedoch eindeutig aus: Littler besitzt das Potenzial, irgendwann der Beste aller Zeiten zu werden. Auf Basis seiner gesamten Karriere bleibt Phil Taylor aber weiterhin der Maßstab, an dem sich alle messen müssen.
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