Am Donnerstag starten die
World Series
of Darts Finals. Ein deutscher Spieler ist nicht im Teilnehmerfeld
vertreten. Klammert man die Premier League of Darts aus, ist es das erste Mal seit vier Jahren, dass kein Deutscher
bei einem Major-Turnier der PDC vertreten ist. Woran liegt das und
welche Geschichten verbindet Darts-Deutschland mit der World Series?
Wenn am
kommenden Wochenende (17. bis 20.09.) die Topstars um Luke Littler,
Michael van Gerwen und Gian van Veen um den Titel des finalen
World-Series-Events spielen, können die deutschen Dartsprofis das
Event maximal als Zuschauer verfolgen. Erstmals
seit 2022 findet ein Majorturnier also ohne deutsche Beteiligung
statt. Ausschlaggebend dafür ist das komplizierte
Qualifikationssystem der World Series Finals.
Warum ist kein Deutscher
mit dabei?
Von den
32 Spielern, die an der Finalausgabe der World Series teilnehmen,
qualifizieren sich 24 Spieler über die sogenannte
World Series Order
of Merit. Dies ist abseits der normalen Order of Merit eine
Rangliste, um die Leistungen aller Spieler bei den sechs
World-Series-Events miteinander zu vergleichen.
Gabriel Clemens ist in diesem Jahr auch nicht bei den World Series Finals dabei. Im letzten Jahr scheiterte er in Runde eins an Mike De Decker.
Michael
van Gerwens Triumphe in Bahrain und in Dänemark waren beispielsweise
ausschlaggebend für seine erreichten 32 Punkte und die damit
einhergehende Setzlistenposition Nummer 1.
Das
Problem aus deutscher Sicht: Kein Deutscher konnte in dieser Saison
ein World-Series-Event spielen.
Bei der
World Series handelt es sich nämlich um Einladungsturniere.
Insgesamt acht der besten Spieler der Welt treffen in jedem Event auf acht Lokalmatadoren.
In
diesem Jahr fanden die Events der World Series in Saudi-Arabien,
Bahrain, Dänemark, Australien, Neuseeland und in den USA statt und
da keine deutschen Spieler eingeladen wurden, bestand nicht
die Möglichkeit, sich über die World-Series-Rangliste zu
qualifizieren.
Auch
die vier zu vergebenden Tickets an die höchst positionierten Spieler
der Order of Merit, die sich bis dato noch nicht ins Teilnehmerfeld
gespielt hatten, gingen an keinen Deutschen.
Letzte Chance über den Tour-Card-Qualifier
Eine
Chance blieb den deutschen Dartspielern aber, sich doch noch für die
World Series Finals zu qualifizieren: der Tour-Card-Qualifier.
In
diesem Qualifier haben alle Tourkarteninhaber die Möglichkeit, sich
einen Startplatz zu erspielen. Insgesamt vier zu verteilende
Startplätze gab es noch zu vergeben.
Mit Max
Hopp, Pascal Rupprecht, Maximilian Czerwinski und Matthias Ehlers
entschieden sich gleich vier Tourkarteninhaber dafür, für den
Qualifier abzusagen.
Elf weitere deutsche Spieler wollten sich die Chance auf das Majorturnier
aber nicht nehmen lassen.
Für
Arno Merk, Kai Gotthardt und Marvin Kraft war bereits früh klar,
dass sie keinen Startplatz für die World Series Finals erhalten
werden. Für sie war bereits in ihrem Auftaktmatch Schluss. Bitter
aus deutscher Sicht: Gotthardt und Merk unterlagen in
deutsch-deutschen Duellen gegen Yorick Hofkens und
Gabriel Clemens.
Für Hofkens und Clemens sollte es aber der einzige Sieg des Tages bleiben. Clemens
verlor eine Runde später im Decider gegen WM-Viertelfinalist Justin
Hood und Hofkens gelang kein Leggewinn gegen Ricky Evans. Für Leon
Weber und Lukas Wenig war ebenfalls in der Runde der letzten 64
Schluss.
Das Gleiche galt für die deutsche Nummer eins Martin
Schindler. Der geborene Straußberger schaffte es trotz eines knapp
100er-Averages nicht, den Letten Madars Razma zu bezwingen und ist
damit genauso wie
Ricardo Pietreczko nicht in Amsterdam dabei.
„Pikachu“ konnte mit einem Average von 86 Punkten nichts gegen
Raymond van Barneveld ausrichten.
Die
beiden erfolgreichsten Deutschen des Qualifiers waren
Niko Springer
und Dominik Grüllich.
Niko Springer schaffte es am Ende unter die letzten 32 des Qualifiers. Das Ticket für die World Series Finals verpasste er trotzdem.
Für
beide war im Sechzehntelfinale Schluss. Grüllich unterlag gegen
Daryl Gurney mit 3:6 und Springer musste eine bittere Niederlage im
entscheidenden letzten Leg gegen Callan Rydz hinnehmen.
Als Deutschland selbst
Gastgeber war
Somit
wird kein deutscher Spieler bei den
World Series of Darts Finals am
Donnerstag an den Start gehen. Dabei war die World Series in
Deutschland einst deutlich präsenter: Von 2017 bis 2019 machte die
PDC mit dem German Darts Masters sogar dreimal Station in der
Bundesrepublik.
Mitte
2017 kündigte PDC-Boss Barry Hearn an, ein siebtes
World-Series-Event in Deutschland austragen zu wollen.
Sportlich enttäuschende
erste Ausgabe
Die
erste Ausgabe des Turniers wurde in der Castello-Arena in Düsseldorf
ausgetragen. Aus sportlicher Sicht der Deutschen verlief das Turnier
ereignisarm. Kein Einheimischer konnte seine Auftaktpartie gewinnen.
Lediglich Dragutin Horvat hatte seinen Gegner am Rand einer
Niederlage.
Mit
Peter Wright lieferte sich „Brazzo“ ein umkämpftes Match,
welches aber im Decider durch den Schotten entschieden wurde. Wright
gewann auch seine folgenden Partien gegen Mensur Suljovic und Raymond
van Barneveld. Im Finale triumphierte „Snakebite“ deutlich gegen
Phil Taylor, in dessen letztem Turnier auf deutschem Boden, und
siegte bei der Erstausgabe des German Darts Masters.
Weltrekord auf Schalke
In
Erinnerung bleibt das German Darts Masters 2018 aufgrund des
aufgestellten Weltrekordes. Das Turnier wurde damals in der
Veltins-Arena vom Bundesligisten Schalke 04 ausgetragen. Insgesamt
20.201 Zuschauer verfolgten das Event. Bis heute hält das German
Darts Masters 2018 den Weltrekord für das Darts-Turnier auf dem
europäischen Festland mit den meisten Fans.
Auch
wenn wieder kein deutscher Spieler ein Match gewinnen konnte,
trumpfte zumindest ein deutschsprachiger Spieler auf. Der
Österreicher Mensur Suljovic gewann gegen Robert Marijanovic, Rob
Cross, Peter Wright und schlug auch Dimitri Van den Bergh im Finale.
Der Belgier hatte in seiner ersten Runde gegen
Martin Schindler den
höchsten je gespielten Average beim German Darts Masters ans
Board bringen können: 109,98 Punkte.
Deutsche Festspiele in
Köln
2019
passierte dann etwas für die deutschen Darts-Fans nie Dagewesenes:
Das Turnier, welches in Köln gespielt und im Free-TV bei ProSieben
übertragen wurde, avancierte zu deutschen Dartsfeiertagen. Gleich
drei Deutsche gewannen ihre Auftaktpartie.
Besonders
fesselnd war das Spiel von Martin Schindler gegen die damalige Nummer eins der Welt Michael van Gerwen. Der Niederländer führte schon 3:1
und hatte das Match so gut wie gewonnen, ließ sich aber zu einer
ungewöhnlichen Aktion hinreißen. Bei neun Punkten Rest warf MvG
nicht wie üblich die 1 an, um auf die Doppel-4 werfen zu können,
sondern checkte über Single-3, Doppel-3.
Schindler
äußerte sich später selbst zu diesem Vorfall und gestand, dass ihm
dieses Verhalten seines Kontrahenten einen zusätzlichen
Motivationsschub gegeben hat. Und tatsächlich gelang dem damals
22-Jährigen die Sensation. Er gewann fünf Legs in Folge und
entschied das verloren geglaubte Spiel auf der Doppel-7 zum
Matchgewinn.
Beim German Darts Masters 2019 drehte Martin Schindler einen 1:5 Rückstand gegen Michael van Gerwen.
Sowohl
für Schindler als auch für Kurz war im darauffolgenden
Viertelfinale aber Endstation gegen Mensur Suljovic und Peter Wright.
Ähnlich
überraschend erfolgte auch der 6:4-Erfolg von Nico Kurz über Gary
Anderson.
Clemens schreibt
Geschichte
Gabriel
Clemens gewann ebenfalls seine erste Runde. Mit einem 98er-Average
schlug er Raymond van Barneveld. Als einziger Deutscher verbesserte
er seine Leistung nach diesem Erfolg am Folgetag sogar noch einmal.
Das bekam vor allem Premier-League-Finalist Rob Cross zu spüren.
Dieser konnte trotz eines 106er Averages der Spielstärke von Clemens
nichts entgegensetzen und verlor mit 5:8. Das Selbstvertrauen des
„German Giant“ war unterdessen kaum zu brechen. Im Halbfinale
ließ Clemens gegen Mensur Suljovic ebenfalls kaum etwas anbrennen
und sicherte sich 5 Legs in Folge zum 8:3-Endstand.
Erst im
Finale wurde der Traum vom Titel beendet. Peter Wright musste zwar
kämpfen, aber siegte am Ende mit 8:6 und ist mit seinen zwei
Erfolgen bis heute der Rekordsieger des German Darts Masters.
Nach
der dritten Ausgabe verschwand das German Darts Masters nämlich aus
dem Turnierkalender. Seither findet das Nordic Darts Masters in
Dänemark statt.
Auch
wenn dieses Jahr kein Deutscher bei den World Series of Darts Finals
dabei ist, zeigt der Blick zurück: Deutschland war bei der World
Series nicht immer nur Zuschauer.