Warum ist kein Deutscher bei den World Series of Darts Finals dabei? Das steckt dahinter – und warum das nicht immer so war

PDC
Donnerstag, 17 September 2026 um 14:00
Martin Schindler & Gabriel Clemens
Am Donnerstag starten die World Series of Darts Finals. Ein deutscher Spieler ist nicht im Teilnehmerfeld vertreten. Klammert man die Premier League of Darts aus, ist es das erste Mal seit vier Jahren, dass kein Deutscher bei einem Major-Turnier der PDC vertreten ist. Woran liegt das und welche Geschichten verbindet Darts-Deutschland mit der World Series?
Wenn am kommenden Wochenende (17. bis 20.09.) die Topstars um Luke Littler, Michael van Gerwen und Gian van Veen um den Titel des finalen World-Series-Events spielen, können die deutschen Dartsprofis das Event maximal als Zuschauer verfolgen. Erstmals seit 2022 findet ein Majorturnier also ohne deutsche Beteiligung statt. Ausschlaggebend dafür ist das komplizierte Qualifikationssystem der World Series Finals.

Warum ist kein Deutscher mit dabei?

Von den 32 Spielern, die an der Finalausgabe der World Series teilnehmen, qualifizieren sich 24 Spieler über die sogenannte World Series Order of Merit. Dies ist abseits der normalen Order of Merit eine Rangliste, um die Leistungen aller Spieler bei den sechs World-Series-Events miteinander zu vergleichen.
Gabriel Clemens auf der Euro-Tour-Bühne.
Gabriel Clemens ist in diesem Jahr auch nicht bei den World Series Finals dabei. Im letzten Jahr scheiterte er in Runde eins an Mike De Decker.
Michael van Gerwens Triumphe in Bahrain und in Dänemark waren beispielsweise ausschlaggebend für seine erreichten 32 Punkte und die damit einhergehende Setzlistenposition Nummer 1.
Das Problem aus deutscher Sicht: Kein Deutscher konnte in dieser Saison ein World-Series-Event spielen.
Bei der World Series handelt es sich nämlich um Einladungsturniere. Insgesamt acht der besten Spieler der Welt treffen in jedem Event auf acht Lokalmatadoren.
In diesem Jahr fanden die Events der World Series in Saudi-Arabien, Bahrain, Dänemark, Australien, Neuseeland und in den USA statt und da keine deutschen Spieler eingeladen wurden, bestand nicht die Möglichkeit, sich über die World-Series-Rangliste zu qualifizieren.
Auch die vier zu vergebenden Tickets an die höchst positionierten Spieler der Order of Merit, die sich bis dato noch nicht ins Teilnehmerfeld gespielt hatten, gingen an keinen Deutschen.

Letzte Chance über den Tour-Card-Qualifier

Eine Chance blieb den deutschen Dartspielern aber, sich doch noch für die World Series Finals zu qualifizieren: der Tour-Card-Qualifier.
In diesem Qualifier haben alle Tourkarteninhaber die Möglichkeit, sich einen Startplatz zu erspielen. Insgesamt vier zu verteilende Startplätze gab es noch zu vergeben.
Mit Max Hopp, Pascal Rupprecht, Maximilian Czerwinski und Matthias Ehlers entschieden sich gleich vier Tourkarteninhaber dafür, für den Qualifier abzusagen.
Elf weitere deutsche Spieler wollten sich die Chance auf das Majorturnier aber nicht nehmen lassen.
Für Arno Merk, Kai Gotthardt und Marvin Kraft war bereits früh klar, dass sie keinen Startplatz für die World Series Finals erhalten werden. Für sie war bereits in ihrem Auftaktmatch Schluss. Bitter aus deutscher Sicht: Gotthardt und Merk unterlagen in deutsch-deutschen Duellen gegen Yorick Hofkens und Gabriel Clemens.
Für Hofkens und Clemens sollte es aber der einzige Sieg des Tages bleiben. Clemens verlor eine Runde später im Decider gegen WM-Viertelfinalist Justin Hood und Hofkens gelang kein Leggewinn gegen Ricky Evans. Für Leon Weber und Lukas Wenig war ebenfalls in der Runde der letzten 64 Schluss.
Das Gleiche galt für die deutsche Nummer eins Martin Schindler. Der geborene Straußberger schaffte es trotz eines knapp 100er-Averages nicht, den Letten Madars Razma zu bezwingen und ist damit genauso wie Ricardo Pietreczko nicht in Amsterdam dabei. „Pikachu“ konnte mit einem Average von 86 Punkten nichts gegen Raymond van Barneveld ausrichten.
Die beiden erfolgreichsten Deutschen des Qualifiers waren Niko Springer und Dominik Grüllich.
Niko Springer wirft einen Dartpfeil.
Niko Springer schaffte es am Ende unter die letzten 32 des Qualifiers. Das Ticket für die World Series Finals verpasste er trotzdem.
Für beide war im Sechzehntelfinale Schluss. Grüllich unterlag gegen Daryl Gurney mit 3:6 und Springer musste eine bittere Niederlage im entscheidenden letzten Leg gegen Callan Rydz hinnehmen.

Als Deutschland selbst Gastgeber war

Somit wird kein deutscher Spieler bei den World Series of Darts Finals am Donnerstag an den Start gehen. Dabei war die World Series in Deutschland einst deutlich präsenter: Von 2017 bis 2019 machte die PDC mit dem German Darts Masters sogar dreimal Station in der Bundesrepublik.
Mitte 2017 kündigte PDC-Boss Barry Hearn an, ein siebtes World-Series-Event in Deutschland austragen zu wollen.

Sportlich enttäuschende erste Ausgabe

Die erste Ausgabe des Turniers wurde in der Castello-Arena in Düsseldorf ausgetragen. Aus sportlicher Sicht der Deutschen verlief das Turnier ereignisarm. Kein Einheimischer konnte seine Auftaktpartie gewinnen. Lediglich Dragutin Horvat hatte seinen Gegner am Rand einer Niederlage.
Mit Peter Wright lieferte sich „Brazzo“ ein umkämpftes Match, welches aber im Decider durch den Schotten entschieden wurde. Wright gewann auch seine folgenden Partien gegen Mensur Suljovic und Raymond van Barneveld. Im Finale triumphierte „Snakebite“ deutlich gegen Phil Taylor, in dessen letztem Turnier auf deutschem Boden, und siegte bei der Erstausgabe des German Darts Masters.

Weltrekord auf Schalke

In Erinnerung bleibt das German Darts Masters 2018 aufgrund des aufgestellten Weltrekordes. Das Turnier wurde damals in der Veltins-Arena vom Bundesligisten Schalke 04 ausgetragen. Insgesamt 20.201 Zuschauer verfolgten das Event. Bis heute hält das German Darts Masters 2018 den Weltrekord für das Darts-Turnier auf dem europäischen Festland mit den meisten Fans.
Auch wenn wieder kein deutscher Spieler ein Match gewinnen konnte, trumpfte zumindest ein deutschsprachiger Spieler auf. Der Österreicher Mensur Suljovic gewann gegen Robert Marijanovic, Rob Cross, Peter Wright und schlug auch Dimitri Van den Bergh im Finale. Der Belgier hatte in seiner ersten Runde gegen Martin Schindler den höchsten je gespielten Average beim German Darts Masters ans Board bringen können: 109,98 Punkte.

Deutsche Festspiele in Köln

2019 passierte dann etwas für die deutschen Darts-Fans nie Dagewesenes: Das Turnier, welches in Köln gespielt und im Free-TV bei ProSieben übertragen wurde, avancierte zu deutschen Dartsfeiertagen. Gleich drei Deutsche gewannen ihre Auftaktpartie.
Besonders fesselnd war das Spiel von Martin Schindler gegen die damalige Nummer eins der Welt Michael van Gerwen. Der Niederländer führte schon 3:1 und hatte das Match so gut wie gewonnen, ließ sich aber zu einer ungewöhnlichen Aktion hinreißen. Bei neun Punkten Rest warf MvG nicht wie üblich die 1 an, um auf die Doppel-4 werfen zu können, sondern checkte über Single-3, Doppel-3.
Schindler äußerte sich später selbst zu diesem Vorfall und gestand, dass ihm dieses Verhalten seines Kontrahenten einen zusätzlichen Motivationsschub gegeben hat. Und tatsächlich gelang dem damals 22-Jährigen die Sensation. Er gewann fünf Legs in Folge und entschied das verloren geglaubte Spiel auf der Doppel-7 zum Matchgewinn.
Martin Schindler ist fassungslos über seinen Erfolg.
Beim German Darts Masters 2019 drehte Martin Schindler einen 1:5 Rückstand gegen Michael van Gerwen.
Sowohl für Schindler als auch für Kurz war im darauffolgenden Viertelfinale aber Endstation gegen Mensur Suljovic und Peter Wright.
Ähnlich überraschend erfolgte auch der 6:4-Erfolg von Nico Kurz über Gary Anderson.

Clemens schreibt Geschichte

Gabriel Clemens gewann ebenfalls seine erste Runde. Mit einem 98er-Average schlug er Raymond van Barneveld. Als einziger Deutscher verbesserte er seine Leistung nach diesem Erfolg am Folgetag sogar noch einmal. Das bekam vor allem Premier-League-Finalist Rob Cross zu spüren. Dieser konnte trotz eines 106er Averages der Spielstärke von Clemens nichts entgegensetzen und verlor mit 5:8. Das Selbstvertrauen des „German Giant“ war unterdessen kaum zu brechen. Im Halbfinale ließ Clemens gegen Mensur Suljovic ebenfalls kaum etwas anbrennen und sicherte sich 5 Legs in Folge zum 8:3-Endstand.
Erst im Finale wurde der Traum vom Titel beendet. Peter Wright musste zwar kämpfen, aber siegte am Ende mit 8:6 und ist mit seinen zwei Erfolgen bis heute der Rekordsieger des German Darts Masters.
Nach der dritten Ausgabe verschwand das German Darts Masters nämlich aus dem Turnierkalender. Seither findet das Nordic Darts Masters in Dänemark statt.
Auch wenn dieses Jahr kein Deutscher bei den World Series of Darts Finals dabei ist, zeigt der Blick zurück: Deutschland war bei der World Series nicht immer nur Zuschauer.
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