Luke Littler gegen
Gian van Veen – sportlich könnte sich dieses Duell zu einem der prägenden Aufeinandertreffen der kommenden Jahre entwickeln. Die beiden WM-Finalisten stehen mittlerweile
auf den ersten beiden Plätzen der Weltrangliste und gehören trotz ihres jungen Alters längst zur absoluten Weltspitze. Doch zwischen der Nummer eins und der Nummer zwei der Welt existiert auch eine Vorgeschichte, die über das rein Sportliche hinausgeht.
Am neunten Spieltag der
Premier League Darts Anfang April in Manchester
gerieten Littler und van Veen auf der Bühne aneinander. Im entscheidenden Leg verpasste der Niederländer bei 90 Rest seinen ersten Matchdart innerhalb der Doppel-15. Weil ihm klar war, dass er in dieser Aufnahme keinen weiteren Versuch auf ein Doppel erhalten würde, drehte sich van Veen frustriert in Richtung seiner Begleitung im Publikum – und sah dabei, wie Littler auf den Fehlwurf reagierte und die Zuschauer anheizte. Van Veen quittierte das mit einem kritischen Blick, Littler winkte demonstrativ in seine Richtung ab. Kurz darauf vergab der Engländer selbst zwei Matchdarts und legte noch eine „Crybaby“-Geste in Richtung seines Kontrahenten nach. Van Veen checkte schließlich auf der Doppel-6 zum Sieg, der anschließende Handschlag fiel entsprechend kühl aus.
Emotionen als „Würze“ des Dartsports
In der neuesten Folge des Podcasts
Darts auf die 1 wurde diese Szene nun wieder zum Thema. Ausgangspunkt waren zunächst allerdings die
hitzigen Geschehnisse zwischen Kim Huybrechts und James Hurrell bei Players Championship 25 in Hildesheim, als sich beide nach ihrer Partie ein feuriges Wortgefecht lieferten. Für
Robert Marijanovic sind solche Emotionen keineswegs ein grundsätzliches Problem – vielmehr können sie einem Match aus seiner Sicht genau das verleihen, was langfristig in Erinnerung bleibt.
Als Beispiel erinnerte Marijanovic an das aufgeladene WM-Duell zwischen Gerwyn Price und Kim Huybrechts im Jahr 2021. „Deswegen fand ich dieses Spiel vor ein paar Jahren bei der WM, Price gegen Huybrechts, als es da auch ein bisschen zu Unstimmigkeiten kam, richtig krass. Ich glaube, Price ist ihm aus Versehen auf den Fuß gestanden. Und Huybrechts komplett so: ‚Guck mal, was der hier macht, ich armer Kerl!‘ Aber das Ding war geil, das hatte Spannung, das hatte Drive. Ganz ehrlich: Das sind die Spiele, die ich sehen will. Scheiß mal drauf, dass sich mal einer daneben benimmt, jeder macht das, das ist halt so. Aber das ist doch Sport, das ist doch geil.“
Für den zweimaligen WM-Teilnehmer sind es gerade diese Begegnungen, die sich bei Fans festsetzen. „Das sind die Geschichten, an die wir uns erinnern. Und nicht an diejenigen, die sich immer vor ihren Gegnern verbeugt haben.“
Dabei falle auf, dass bestimmte Profis besonders häufig Teil solcher Geschichten seien. „Wenn wir über solche Situationen reden, sind es ja immer die gleichen Namen, die da fallen. Adrian Lewis war über ein Jahrzehnt immer wieder in solche Sachen verwickelt. Kim Huybrechts ist immer dabei, Gerwyn Price ist immer dabei. Aber das sind die Namen, die wir uns für immer merken werden. Auch wenn einige von denen nie Weltmeister geworden sind – das ist die Würze.“
Marijanovic ging bei Price sogar noch einen Schritt weiter: „Ich habe schon vor Jahren gesagt: Ich glaube, dass Darts Gerwyn Price mehr braucht, als Gerwyn Price Darts braucht.“
„Diese Fehde ist noch nicht vorbei“
Von den bekannten Reizfiguren der Vergangenheit und Gegenwart führte die Diskussion schließlich zurück zu zwei Spielern, deren Rivalität womöglich gerade erst beginnt: Luke Littler und Gian van Veen.
„Eine Story wird übrigens noch mal aufflackern: Gian van Veen und Luke Littler“, prognostizierte Marijanovic. „Diese Fehde ist noch nicht vorbei.“
Marcel Althaus teilte diesen Eindruck: „Ich habe auch das Gefühl, die mögen sich gar nicht.“
Zwischen Luke Littler und Gian van Veen kam es bereits in der Premier League zu Spannungen. Robert Marijanovic glaubt, dass das nächste Kapitel dieser Rivalität noch bevorsteht.
Für Marijanovic ist die Angelegenheit damit erst recht nicht erledigt. Er ist überzeugt, dass Littler die Szene aus Manchester nicht vergessen hat. „Das ist noch nicht vorbei, das wird noch eskalieren. Da bin ich mir ziemlich sicher. Luke Littler ist wie ein Elefant: Der merkt sich alles.“
Als Beleg erinnerte Marijanovic an einen Zwischenfall zwischen Littler und Krzysztof Ratajski auf der European Tour. Der Pole hatte versehentlich aus Littlers Glas getrunken – eine Kleinigkeit, die dem Engländer offenbar im Gedächtnis geblieben war.
„Wisst ihr noch diese Szene, als Krzysztof Ratajski aus Versehen aus seinem Glas getrunken hat bei der European Tour? Littler hat das gar nicht gefallen. Drei Monate später spielen die auf der European Tour wieder gegeneinander und Littler stellt sein Glas unter den Tisch.“
Für Marijanovic steht deshalb fest, dass auch das nächste Kapitel zwischen den beiden derzeit bestplatzierten Spielern der Welt noch geschrieben werden dürfte. Seine Prognose verbindet er mit einem Augenzwinkern: „Littler wartet auf Gian van Veen. Das kann ich euch versprechen. Der wartet auf ihn – wahrscheinlich mit einem 117er-Average.“