„So besonders ist dieses Duell mit Michael nicht. Ich weiß, dass ich ihn schon geschlagen habe“ – Jermaine Wattimena vor Wiedersehen mit Michael van Gerwen in Runde drei des European Darts Grand Prix

PDC
Sonntag, 19 April 2026 um 11:00
Jermaine Wattimena (1)
Jermaine Wattimena hat an diesem Wochenende ein klares Signal gesendet: Mit ihm ist wieder zu rechnen. Der Niederländer startete mit einem Average von knapp 98 Punkten und einer starken Doppelquote von 50 Prozent überzeugend in den European Darts Grand Prix. Doch die nackten Zahlen erzählen nur einen Teil der Geschichte. Viel entscheidender wirkt aktuell seine Ausstrahlung: Wattimena spielt ruhig, selbstbewusst und mit sichtbarer Freude – genau das hatte ihm in schwierigeren Zeiten gefehlt.
„Klar bin ich zufrieden“, erklärte er im Gespräch mit Dartsnews.de. „Ich freue mich immer, wenn ich gewinne, um ehrlich zu sein.“ Es ist diese schnörkellose Art, die Wattimena auszeichnet. Keine großen Ankündigungen, keine Show – er lässt sein Spiel sprechen.

Zurück auf vertrautem Terrain

Der Erfolg bedeutet für Wattimena mehr als nur einen gelungenen Turnierstart. Erst nach kurzem Nachdenken wurde ihm bewusst, wie lange sein erstes European-Tour-Turnier bereits zurückliegt. „Es ist eigentlich ein bisschen merkwürdig“, sagte er. „Nach meiner ersten European Tour vor elf Jahren… und dann jetzt hier wieder zu gewinnen. Das macht es schon besonders.“
Jermaine Wattimena grüßt das Publikum
Jermaine Wattimena trifft in Runde drei auf Michael van Gerwen
Diese Zeitspanne zeigt, wie wechselhaft eine Karriere im Darts verlaufen kann. Wattimena hat Höhen erlebt, aber auch Rückschläge verkraftet. Seine aktuelle Form kommt nicht von ungefähr – sie ist das Resultat harter Arbeit und mentaler Entwicklung. Gerade deshalb wirkt sein Auftritt so stabil wie lange nicht mehr.

Die niederländische Welle nimmt Fahrt auf

Wattimena profitiert nicht nur von seiner eigenen Entwicklung, sondern auch vom starken Umfeld. Der niederländische Darts-Sport erlebt derzeit eine neue Hochphase. Spieler wie Wessel Nijman, Kevin Doets und Niels Zonneveld drängen nach oben. Gleichzeitig liefern etablierte Größen wie Michael van Gerwen und Gian van Veen konstant auf Topniveau.
Wattimena beobachtet diese Entwicklung mit Begeisterung. „Die niederländischen Spieler machen es wirklich gut. Darüber sind wir sehr froh“, betont er. Seine Prognose fällt entsprechend optimistisch aus: „Wenn es so weitergeht, haben wir vielleicht in ein oder zwei Jahren fünf oder sechs Niederländer in den Top 16 der Welt.“
Diese Einschätzung wirkt keineswegs übertrieben. Die Leistungsdichte innerhalb der niederländischen Szene hat spürbar zugenommen. Statt eines dominanten Einzelspielers entwickelt sich eine breite Spitzengruppe, die sich gegenseitig antreibt und das Niveau weiter anhebt.

Kampfzone Top 16: Jeder Punkt zählt

Für Wattimena steht in dieser Saison ein klares Ziel im Fokus: die dauerhafte Etablierung in den Top 16 der Weltrangliste. Diese Platzierung bringt nicht nur Prestige, sondern auch strategische Vorteile bei großen Turnieren.
Trotzdem bleibt er realistisch. „Ich bin nicht ‚zurück‘ in den Top 16 – ich stehe einfach drin“, stellt er klar. Der Unterschied ist entscheidend, denn die Abstände sind minimal. Ein starkes Turnier eines Konkurrenten kann die Rangliste sofort verändern.
Besonders Wessel Nijman sitzt ihm im Nacken. „Virtuell bin ich drin, aber wenn Wessel ein gutes Turnier spielt, kann ich schnell wieder raus sein“, erklärt Wattimena offen. Genau diese Dynamik sorgt für enormen Druck und gleichzeitig für Spannung.
Doch statt sich davon verunsichern zu lassen, begegnet Wattimena der Situation mit Gelassenheit. „Wenn er mich rauswirft, komme ich einfach wieder zurück“, sagt er. Diese Haltung zeigt, wie sehr sich sein Mindset verändert hat. Er vertraut auf sein Spiel und denkt in längeren Zyklen, nicht in einzelnen Ergebnissen.

Klare Ziele statt großer Worte

Auch mit Blick auf die Saison bleibt Wattimena bodenständig. Titelträume oder große Versprechen sucht man bei ihm vergeblich. Stattdessen setzt er auf Konstanz. „In den Top 16 bleiben, das ist das Wichtigste“, erklärt er. „Und gute Ergebnisse abliefern.“
Im modernen Darts ist genau das eine der größten Herausforderungen. Die Leistungsdichte ist enorm, viele Matches entscheiden sich über Nuancen. Wer sich dauerhaft in der erweiterten Weltspitze halten will, muss Woche für Woche liefern.
Wattimena scheint genau diesen Ansatz verinnerlicht zu haben. Er denkt nicht mehr in kurzfristigen Erfolgen, sondern in stabiler Entwicklung – ein entscheidender Schritt für nachhaltigen Erfolg.

Klassiker gegen van Gerwen

Die nächste Aufgabe hat es allerdings in sich: Wattimena trifft auf Michael van Gerwen. Für viele Spieler wäre das ein besonderes Duell, doch Wattimena bleibt entspannt. „Ich kenne Michael seit mehr als 24 Jahren“, sagt er. „So besonders ist es also nicht.“
Trotzdem reizt ihn die Begegnung. „Ich finde es schön, wieder gegen ihn auf der Bühne zu spielen. Das ist lange her.“ Die beiden verbindet eine lange Geschichte, die bis in ihre Jugend zurückreicht. Entsprechend gut kennen sie das Spiel des jeweils anderen.
Interessant: Wattimenas letzter Sieg gegen van Gerwen liegt bereits acht Jahre zurück. Doch auch das spielt für ihn keine große Rolle. „Das wusste ich gar nicht“, gibt er zu. „Aber ich weiß, dass ich ihn schon geschlagen habe.“

Fokus auf das Hier und Jetzt

Diese Aussage passt perfekt zu seiner aktuellen Herangehensweise. Wattimena hat gelernt, sich nicht von Statistiken oder vergangenen Ergebnissen beeinflussen zu lassen. Stattdessen richtet er den Blick konsequent nach vorne.
„Jeder Tag ist ein neuer Tag“, erklärt er. „Jede Woche ist eine neue Woche. Wir schauen einfach, was passiert.“
Diese einfache, aber wirkungsvolle Philosophie gibt ihm die Freiheit, sein bestes Spiel abzurufen. Ohne den Ballast der Vergangenheit tritt er selbstbewusster auf – und genau das macht ihn derzeit so gefährlich.
Wattimena wirkt gefestigt wie lange nicht. Sollte er dieses Niveau halten, könnte er nicht nur seine Position in den Top 16 festigen, sondern sich auch wieder regelmäßig in den späten Turnierphasen zeigen. Die Voraussetzungen dafür bringt er aktuell auf jeden Fall mit.
Klatscht 0Besucher 0
loading

Gerade In

Beliebte Nachrichten

Aktuelle Kommentare

Loading