Van Barneveld oder van Gerwen: Wer ist der größte niederländische Dartspieler aller Zeiten? „Wir vergleichen zwei völlig unterschiedliche Epochen“

PDC
durch Nic Gayer
Mittwoch, 15 April 2026 um 13:30
Michael van Gerwen & Raymond van Barneveld (1)
Michael van Gerwen und Raymond van Barneveld gelten als die beiden größten Dartspieler, die die Niederlande je hervorgebracht haben. Während van Barneveld den Sport in seinem Heimatland maßgeblich populär machte und international etablierte, entwickelte sich van Gerwen nach Phil Taylor zu einem der prägendsten und dominantesten Spieler der PDC-Geschichte. Doch wer ist der größte niederländische Spieler aller Zeiten?
Für viele eine schwierige Frage – für Mark Webster hingegen nicht. Der Waliser hat eine klare Meinung: Van Gerwen steht für ihn unangefochten an der Spitze. „Mighty Mike“ gewann im Laufe seiner Karriere nahezu alles, was es im professionellen Darts zu gewinnen gibt. Mit 48 Major-Titeln belegt er Rang zwei der ewigen Bestenliste und dominierte die Szene über viele Jahre hinweg. Seine Überlegenheit zeigte sich nicht nur auf den großen TV-Bühnen: Auch auf der Pro Tour setzte er neue Maßstäbe – mit einer Rekordzahl von 38 Euro-Tour-Titeln sowie 36 Erfolgen bei Players-Championship-Turnieren.

Barneys Vermächtnis: fünf Weltmeistertitel und historische Wirkung

Dennoch bleibt ein Name im niederländischen Darts mindestens ebenso bedeutend: Raymond van Barneveld. „Barney“ sicherte sich insgesamt fünf Weltmeistertitel – vier bei der BDO und einen bei der PDC –, wobei insbesondere sein Triumph im Jahr 2007 nachhaltige Wirkung entfaltete.
Zwei niederländische Darts-Ikonen im Vergleich: Michael van Gerwen und Raymond van Barneveld prägten den Sport über Jahrzehnte auf unterschiedliche Weise
Zwei niederländische Darts-Ikonen im Vergleich: Michael van Gerwen und Raymond van Barneveld prägten den Sport über Jahrzehnte auf unterschiedliche Weise
Im legendären WM-Finale von 2007 besiegte er ausgerechnet Phil Taylor, damals der dominierende Spieler der PDC. Dieses Endspiel gilt bis heute als eines der größten Matches der Darts-Geschichte.
Auch mit inzwischen 58 Jahren ist van Barneveld weiterhin aktiv auf der Tour unterwegs und qualifiziert sich regelmäßig für große PDC-Turniere, auch wenn tiefe Runs seltener geworden sind. Seine mehr als 36 Jahre währende Karriere bleibt dennoch außergewöhnlich.
Für Webster fällt die Entscheidung dennoch eindeutig aus. Im Love the Darts Podcast erklärte er seine Sichtweise klar: „Michael, ohne Zweifel. Raymond war bei der BDO natürlich phänomenal und gewann dieses legendäre Finale gegen Taylor. Aber ich betrachte es aus der Sicht eines Spielers, der gegen ihn angetreten ist.“
Nach Websters Einschätzung war van Gerwen in seiner besten Phase kaum zu stoppen. „Er war mitunter unfassbar. Er hatte diese Aura, diese Bravour. In diesem Moment brauchte die Sportart das auch.“
Auch menschlich stellt Webster dem Niederländer ein positives Zeugnis aus. „Er ist auch einfach ein guter Kerl. Das Komplettpaket. Bei Niederlagen benimmt er sich korrekt und sagt die richtigen Dinge. Er hat enorm viel für den Sport getan und spielt weiterhin eine bedeutende Rolle.“
Trotz zuletzt schwankender Ergebnisse bleibt van Gerwen für Webster weiterhin ein entscheidender Faktor in der Weltspitze. „Er ist noch immer ganz nah dran. Und als Fan sitzt man bei ihm weiterhin auf der Stuhlkante.“
Besonders hebt Webster zudem die Wirkung von van Gerwens Auftreten hervor. „Diese Emotion, diese Ausbrüche – er war einer der Ersten, der das so brachte. Taylor konnte damit nichts anfangen. Aber es gab dem Darts eine neue Dimension.“ Gleichzeitig erkennt er die enorme Popularität van Barnevelds ausdrücklich an: „In den Niederlanden gewinnt Barney diesen Vergleich wahrscheinlich. Geht es aber um den besten Spieler aller Zeiten: Für mich ist es Michael.“

„Wir vergleichen eigentlich zwei Epochen“

Auch Kommentator und Experte Chris Murphy beteiligt sich an der Diskussion und verweist auf unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe zwischen den Generationen. Seiner Ansicht nach werden van Barnevelds vier BDO-Weltmeistertitel im heutigen Vergleich häufig unterschätzt. „Das ist nicht gerecht. In jener Zeit bestand der Unterschied vor allem darin, dass Taylor bei der PDC spielte. Das war’s im Grunde.“
Murphy betont zudem die unmittelbare Wirkung von van Barnevelds Wechsel in die PDC. „Er kommt zur PDC, trifft auf Taylor in dessen Hochphase und schlägt ihn sofort für seinen fünften Weltmeistertitel. Das sagt alles.“
Trotz dieser Einordnung sieht auch Murphy van Gerwen in der Gesamtbewertung knapp vorne. „Wir vergleichen im Grunde zwei unterschiedliche Epochen. Die Wirkung von van Barneveld gegenüber der puren Klasse, den Statistiken und der Dominanz von van Gerwen.“
Darüber hinaus hebt er die Bedeutung von van Gerwens Aufstieg in der Phase nach Taylors Karrierehöhepunkt hervor. „Als Taylor langsam dem Ende seiner Karriere entgegenging, trat van Gerwen auf den Plan. Das war auf seine Art ebenfalls enorm wichtig für den Sport.“
Ein weiterer interessanter Aspekt ist laut Murphy die öffentliche Wahrnehmung in den Niederlanden selbst. „Gehst du dort auf die Straße, ist die Chance groß, dass die Leute van Barneveld sagen. Er ist vielleicht noch immer populärer als van Gerwen — und das wird Michael durchaus ein wenig wurmen.“ Seine abschließende Einschätzung bleibt dennoch eindeutig: „Fragst du mich, entscheide ich mich für van Gerwen.“
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