Stephen Bunting findet, dass möglicherweise Strafen eingeführt werden sollten, um Pfeifkonzerte und andere störende Verhaltensweisen des Publikums bei Dartmatches einzudämmen. Der Engländer äußert sich kurz nachdem
Luke Littler damit gedroht hatte, künftig Turniere in den Niederlanden zu meiden – als Reaktion auf den Empfang, der ihm in Amsterdam zuteil wurde.
Littler bekam bei den
World Series of Darts Finals regelmäßig Buhrufe und Pfiffe zu hören. Der 19-jährige Engländer machte keinen Hehl daraus, dass ihn das Verhalten von den Rängen störte, und ließ sogar durchblicken, künftige Turniere in den Niederlanden womöglich auszulassen.
Für Littler endete das Turnier schließlich im Viertelfinale. Jonny Clayton beendete damit nicht nur seine Titeljagd in Amsterdam, sondern auch seinen Versuch, 2026 alle großen PDC-Majors zu gewinnen.
Bunting kann gut nachvollziehen, dass die Ereignisse in Amsterdam Littler nicht kaltgelassen haben. Im Gespräch mit
SPORTbible ging „The Bullet“ ausführlich auf die Problematik rund um das Publikum ein.
Bunting versteht Littlers Frust
„Ich denke, das ist wirklich schwierig, oder? Luke ist natürlich der beste Spieler der Welt. Aus welchen Gründen auch immer hat sich das Publikum gegen ihn gestellt. Sie wollten nicht, dass er den Clean Sweep vollendet“, sagte Bunting.
Laut dem 41-jährigen Engländer stand Littler dadurch womöglich schon mit zusätzlicher Anspannung am Oche. „Wahrscheinlich war er schon vor dem Turnier extrem fokussiert. Ich habe es selbst, glaube ich, in Deutschland und vielleicht auch in Belgien ein paar Mal erlebt, dass das Publikum angefangen hat zu pfeifen.“
Bunting weiß aus eigener Erfahrung zudem, wie schwierig es sein kann, solches Verhalten während eines Matches zu stoppen. Er verwies auf eine jüngere Partie, in der der Caller das Publikum eindringlich um Ruhe bat. Das hatte jedoch genau den gegenteiligen Effekt.
„Wenn du dem Publikum zeigst, dass es dich trifft, kann es zehnmal schlimmer werden. Es ist schwierig, aber ich mag dieses Pfeifen nicht. Mir ist lieber, jemand ruft mir etwas zu, als dass gepfiffen wird.“
Vor allem der schrille Ton pfeifender Fans kann laut Bunting besonders störend sein, wenn sich ein Spieler auf einen wichtigen Dart konzentriert. „Es ist ein schreckliches Geräusch, wenn du versuchst, dich zu fokussieren“, führte er fort. „Aber ich verstehe auch, dass es weiter passieren wird, egal wie viel wir darüber reden.“
Daher glaubt der frühere Major-Sieger, dass am Ende strengere Maßnahmen nötig sein könnten. „Vielleicht müssen Strafen eingeführt werden. Es braucht etwas, das dem Einhalt gebietet. Bis das passiert, wird es weitergehen.“
Littler wurde in Amsterdam das gesamte Wochenende vom niederländischen Publikum mit Pfiffen und Buhrufen bedacht.
Hypnose hilft Bunting auf der Bühne
Bunting versucht sich derweil bestmöglich gegen äußere Ablenkungen zu wappnen. Der Engländer berichtete, dass er unter anderem Hypnotherapie nutzt. Zudem suchte er früher Hilfe bei einem Sportpsychologen, um seine mentale Herangehensweise an das Spiel zu verändern.
„Ich gehe nicht mehr diesen negativen Weg. Ich versuche immer, auf die positiven Dinge in einem Match zu schauen“, erklärt er. „Ich habe mich abgeschottet, ich war unglücklich ... Ich hatte das Gefühl, alle lachten mich aus.“
Das war für Bunting der Moment, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Dann bin ich zu einem Sportpsychologen gegangen. Er hat mein Gehirn auf eine Weise trainiert, die ich nie für möglich gehalten hätte. Ich laufe jetzt immer mit einem Lächeln im Gesicht herum, und das ist einer der Gründe dafür.“
Vor etwa vier Jahren kam Hypnotherapie hinzu. Bunting nutzt dabei eine markante Metapher, um zu erklären, wie er heute mit negativen Gedanken umgeht. „In deinem Kopf steht gewissermaßen ein Eimer, der sich mit negativen Gedanken füllt. Jetzt weiß ich, wie ich diesen Eimer wieder leeren kann.“
Littler fehlt bei kommenden Turnieren in den Niederlanden
Vorerst scheint Littler seinen Worten über die Niederlande Taten folgen zu lassen. Der Engländer fehlt bei den nächsten drei PDC-Turnieren auf niederländischem Boden. Littler hat sich für Players Championship 29 und 30 in Den Bosch abgemeldet. Auch steht sein Name nicht auf der veröffentlichten Meldeliste für das Dutch Darts Championship.
Seine Abwesenheit bei den beiden Players Championship-Turnieren kommt nicht völlig überraschend. Littler hatte bereits vor seinem Aus in Amsterdam angedeutet, dass er in Den Bosch nur antreten würde, wenn er die
World Series of Darts Finals gewinnt. Mit diesem Titel wollte er seine Jagd auf einen beispiellosen Clean Sweep der großen PDC-Turniere fortsetzen.
Nach seiner Niederlage gegen Clayton fiel diese Motivation weg. Die Players Championship-Turniere hätten Littler zudem Preisgeld für den Kampf um die Qualifikation zu den Players Championship Finals später im Jahr einbringen können.
Seine Abwesenheit bei der Dutch Darts Championship in Maastricht sticht mehr ins Auge. Noch ist unklar, ob Littler schon vorher geplant hatte, dieses European Tour-Turnier auszulassen, oder ob seine Entscheidung mit seinen Aussagen nach dem negativen Empfang durch das niederländische Publikum zusammenhängt.
Die Diskussion über das Verhalten der Darts-Fans wird damit vorerst nicht abebben. Bunting sieht das Problem jedenfalls nicht von selbst verschwinden und meint, dass der Sport womöglich einen Schritt weiter gehen muss, um Spieler während ihrer Würfe besser zu schützen.