Ryan Searle ist mit einem überzeugenden Erfolg in das World Matchplay gestartet. Der Engländer setzte sich in der ersten Runde souverän gegen den irischen Debütanten William O'Connor durch und zeigte sich anschließend zufrieden mit seiner Leistung. Gleichzeitig machte die Nummer 11 der Welt deutlich, dass sie ihr bestes Niveau in Blackpool noch längst nicht erreicht sieht.
„Es war ein wirklich solides Match“, sagte Searle im Gespräch mit den Medien, darunter auch Dartsnews.de. „Mein Ziel war es, zur zweiten Pause mit 7:3 zu führen – und genau das habe ich geschafft. Fairerweise muss man sagen, dass Willie danach deutlich besser gespielt und sich wieder herangekämpft hat. Am Ende bin ich einfach glücklich, dass ich den Sieg nach Hause gebracht habe.“
Debütanten von Beginn an unter Druck setzen
Schon vor dem Match hatte Searle einen klaren Plan. Weil O'Connor erstmals auf der Bühne der Winter Gardens stand, wollte er ihn vom ersten Leg an unter Druck setzen.
Ryan Searle zeigte sich nach seinem souveränen Auftaktsieg zufrieden, ist aber überzeugt, dass er beim World Matchplay noch deutlich mehr abrufen kann.
„Die Marschroute war, ihn von Beginn an so stark wie möglich unter Druck zu setzen“, erklärte Searle. „Das ist kein einfacher Ort für ein Debüt. Ich habe bei meiner ersten Teilnahme selbst große Probleme gehabt und weiß deshalb genau, wie sich das anfühlt. Zum Glück ist mein Plan aufgegangen und ich habe das Match gewonnen.“
Auch später erklärte der Engländer noch einmal, weshalb Erfahrung in Blackpool so entscheidend sei.
„Für jemanden, der hier noch nie gespielt hat, ist das ein unglaublich schwieriges Turnier. Es ist mein Lieblingsevent des Jahres – sogar noch vor der Weltmeisterschaft. Die Atmosphäre ist fantastisch, aber wenn du sie noch nie erlebt hast, weißt du einfach nicht, was dich erwartet. Deshalb wollte ich Willie früh unter Druck setzen.“
Nach seinem starken Auftritt bei der vergangenen Weltmeisterschaft verlief Searles Saison wechselhaft. Zwar gewann er ein Players Championship, erreichte ein weiteres Pro-Tour-Finale sowie das Endspiel eines European-Tour-Turniers, ließ aber auch bewusst einige Events aus.
Diese Entscheidung traf er mit Bedacht.
„Ich habe ein paar Turniere taktisch ausgelassen“, erklärte Searle. „Ende der kommenden Saison muss ich sehr viel Preisgeld verteidigen. Dadurch, dass ich jetzt etwas anders plane, wird die Saison danach deutlich einfacher, weil ich dann kaum etwas zu verteidigen habe.“
Dabei orientierte er sich an einem prominenten Kollegen. „Ich habe mir da ein bisschen etwas von Gary abgeschaut. Das war auch sein Rat.“
Deshalb macht sich Searle auch keine großen Sorgen um seine Position in der Weltrangliste.
„Ich habe nicht das Gefühl, unter Druck zu stehen. Selbst wenn ich nicht in den Top-16 wäre, glaube ich, dass ich auf der Pro Tour und der European Tour genug leiste, um mich für diese großen Turniere zu qualifizieren. Natürlich ist ein Platz unter den Top-16 angenehm, weil man dadurch einige der ganz großen Namen in Runde eins vermeiden kann. Aber wir sind insgesamt auf einem guten Weg.“
Mit Gary Anderson auf Titeljagd
Dass Searle und Gary Anderson eng befreundet sind, wurde auch in Blackpool deutlich. Gemeinsam reisten sie zu den Winter Gardens und bereiten sich dort auf ihre Matches vor.
„Wir waren noch im Auto, als Gary schon 8:2 geführt hat“, erzählte Searle lachend. „Wir dachten, wir würden gerade noch das Ende seines Spiels sehen, aber er hat so gut gespielt, dass wir den Schluss sogar verpasst haben.“
Dass Anderson einen starken Auftritt hinlegen würde, überraschte ihn allerdings nicht.
„Wir waren am Vortag schon morgens um halb zehn zum Training hier. Das ist eigentlich überhaupt nicht Garys Art, aber ich versuche manchmal, ihn ein bisschen mitzuziehen. Wir haben unter anderem 121 gespielt und er hat praktisch alles getroffen. Da habe ich schon gedacht, dass er heute etwas Besonderes zeigen würde.“
Auch in den kommenden Tagen wollen die beiden gemeinsam weiterarbeiten. „Morgen sind wir wieder hier, am nächsten Tag auch. Wir wollen beide bestmöglich auf unsere nächsten Spiele vorbereitet sein.“
Warum Blackpool für Searle einzigartig ist
Ohne zu zögern bezeichnet Searle das World Matchplay als sein Lieblingsturnier.
„Für mich ist das sogar noch größer als die Weltmeisterschaft“, sagte er. „Das Publikum hier versteht Darts. Bei der WM erinnert die Atmosphäre manchmal eher an ein Fußballstadion, hier erleben die Fans dagegen jedes einzelne Leg mit.“
Gerade deshalb sei der Einstieg für Debütanten so schwierig.
„Auf der European Tour spielst du das ganze Jahr vor fünf- oder sechstausend Zuschauern. Aber hier ist es anders. An diese Atmosphäre musst du dich erst gewöhnen. Dafür brauchst du einfach Erfahrung.“
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Mehr Vorbereitung für die großen Momente
Bereits vor einigen Monaten hatte Searle offen eingeräumt, dass er bei vielen Pro-Tour- und European-Tour-Turnieren eher im „Autopilot“ unterwegs sei. Für das World Matchplay änderte er seine Vorbereitung deshalb bewusst.
„Ich habe in den vergangenen Tagen sehr viel trainiert“, sagte er. „Das war schon immer mein Lieblingsturnier und deshalb versuche ich, mich so gut wie möglich darauf vorzubereiten. Bei Pro-Tour- und European-Tour-Turnieren läuft vieles automatisch. Dort sieht man von mir kaum Jubel oder Emotionen. Hier merkt man dagegen sofort, dass ich dieses Turnier unbedingt gewinnen möchte.“
Trotz seines überzeugenden Auftakts sieht der Engländer noch reichlich Luft nach oben. „Ich weiß, dass ich deutlich besser spielen kann als heute. Da ist noch eine Menge im Tank.“
Vertraute Gesichter geben zusätzliche Sicherheit
Während der European Tour reist Searle häufig allein durch Europa. Das macht die Atmosphäre in Blackpool für ihn umso besonderer.
„Normalerweise habe ich niemanden auf der Tribüne, zu dem ich in schwierigen Momenten kurz hinüberschauen kann. Hier sind Menschen, die mich unterstützen. Es ist schön, in solchen Situationen ein vertrautes Gesicht zu sehen.“
Erfahrung als entscheidender Vorteil
Mit jeder Teilnahme fühlt sich Searle auf der Bühne der Winter Gardens wohler.
„Ich bin jetzt zum fünften oder sechsten Mal hier. Diese Erfahrung brauchst du an diesem Ort – es sei denn, du bist ein absolutes Ausnahmetalent. Und ich bin überzeugt, dass ich im weiteren Turnierverlauf noch deutlich mehr zeigen kann.“
Dass seine starke Weltmeisterschaft Gegner künftig stärker beeindrucken könnte, glaubt Searle hingegen nicht. „Die erfahrenen Spieler interessiert nicht, was du in der Vergangenheit erreicht hast. Wenn überhaupt, wollen sie dich danach erst recht schlagen.“
Searle gilt seit jeher nicht als Spieler, der während der Saison unzählige Stunden am Trainingsboard verbringt. Angesichts des dichten Turnierkalenders sieht er den notwendigen Matchrhythmus ohnehin als gegeben an.
Vor dem World Matchplay traf er jedoch eine bewusste Entscheidung. „Ich habe dieses Mal deutlich mehr trainiert. Das hat man heute vielleicht noch nicht komplett gesehen, aber ich weiß, dass ich noch viel mehr zeigen kann.“
Wie bereits zuvor in der Pressekonferenz thematisiert, untermauerte Searle nochmals, dass die Vorbereitung auch in den kommenden Tagen intensiv weitergehen soll. „Gary und ich werden morgen wieder hier sein. Danach trainiere ich einen Tag allein, vielleicht mit Luke Humphries. Ich möchte einfach bereit sein, wenn mein nächstes Match ansteht.“
Mit seinem souveränen Auftaktsieg hat Ryan Searle jedenfalls eindrucksvoll unterstrichen, dass in Blackpool erneut mit ihm zu rechnen ist. Und sollte er recht behalten und tatsächlich noch „eine Menge im Tank“ haben, dürfte der Engländer im weiteren Turnierverlauf zu den gefährlichsten Titelkandidaten gehören.
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Heute berichtet er für Dartsnews.de über den professionellen Dartsport und ordnet das aktuelle Geschehen ein – von großen Turnieren bis zu Entwicklungen abseits der Bühne.
Regelmäßig ist er bei Events vor Ort und begleitet rund 20 Turniere pro Jahr, wo er Interviews führt, unter anderem mit Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gerwyn Price sowie Martin Schindler, Gian van Veen und Josh Rock.
Zudem ist er eine der prägenden Stimmen im englischsprachigen Dartsnews Podcast und Co-Host des Sport-Podcasts Overtime Takes.
Nic arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus.
In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.