„Ich weiß, dass ich inzwischen wohl zu den besten Acht gehöre“ – Wessel Nijman bleibt trotz Höhenflug auf dem Boden

PDC
durch Nic Gayer
Montag, 20 Juli 2026 um 9:30
Wessel Nijman (2)
Wessel Nijman bleibt auch nach seinem souveränen Auftaktsieg beim World Matchplay bemerkenswert geerdet. Während immer häufiger über ihn als nächsten niederländischen Topspieler gesprochen und sogar eine mögliche Premier-League-Teilnahme diskutiert wird, richtet der 26-Jährige seinen Fokus ausschließlich auf die nächste Aufgabe. Die Erfolge der vergangenen Monate haben ihm viel Selbstvertrauen gegeben – seine Erwartungen an sich selbst haben sie jedoch nicht verändert.
„Ich bin einfach unglaublich glücklich“, sagte Nijman nach seinem dominanten Erfolg über Dave Chisnall im Gespräch mit den Medien, darunter Dartsnews.de. „Ich habe es in den vergangenen Interviews schon gesagt: Das World Matchplay hat einfach etwas Besonderes. Von allen Turnieren ist es mein Lieblings-Event – und ich freue mich einfach, dass ich jetzt noch drei Tage länger hierbleiben darf.“

Mehr Erfahrung, mehr Selbstvertrauen

Die starken Auftritte des Niederländers sorgten im Vorlauf erneut für viel Aufmerksamkeit – ähnlich wie bereits bei den vergangenen Weltmeisterschaften. Für Nijman fühlt sich die Situation heute allerdings völlig anders an.
Wessel Nijman in Aktion.
Wessel Nijman präsentierte sich nach seinem souveränen Auftaktsieg gegen Dave Chisnall selbstbewusst, blieb bei aller Euphorie aber seinem bodenständigen Kurs treu.
„Damals habe ich schon gesagt, dass es mir egal ist, was andere über mich sagen. So habe ich damals auch wirklich gedacht“, erklärte er. „Heute ist das anders. Damals hatte ich das Gefühl, dass die Aufmerksamkeit vielleicht ein bisschen ungerechtfertigt war. Jetzt weiß ich, dass ich inzwischen wohl zu den besten Acht gehöre. Deshalb fühlt sich das heute ganz anders an als damals bei der Weltmeisterschaft.“
Dass er inzwischen zur erweiterten Weltspitze zählt, ist für Nijman deshalb keine Überraschung mehr. Die öffentliche Wahrnehmung empfindet er mittlerweile als nachvollziehbar – schließlich haben seine Leistungen diese Entwicklung untermauert.

Jahresziel schon vor dem Sommer erreicht

Der Aufstieg des Niederländers in der Weltrangliste ist beeindruckend. Dank mehrerer Pro-Tour-Titel und zweier Erfolge auf der European Tour hat er sich virtuell bis in die Nähe der Top Ten vorgeschoben – und das, obwohl der große Durchbruch bei einem TV-Turnier bislang noch aussteht.
„Mein Ziel war es, bis zum Ende des Jahres zu den Top-16 der Welt zu gehören. Dass ich das schon vor dem Sommer geschafft habe, macht mich unglaublich glücklich“, sagte Nijman. „Natürlich würde ich gerne in die Top Ten kommen. Aber das war nie mein Ziel. Das Ziel waren die Top-16. Jetzt gehen wir den nächsten Schritt – so wie wir es in den vergangenen drei Jahren immer gemacht haben.“

Bereit für den nächsten Schritt

Mit Erfolgen auf der Pro Tour und inzwischen zwei European-Tour-Titeln scheint der nächste logische Schritt ein erster großer TV-Titel zu sein. Nijman ist überzeugt, dass sein Spielniveau dafür vorhanden ist.
„Mein Spiel ist auf jeden Fall gut genug – sonst gewinnt man solche Turniere nicht“, sagte er. „Natürlich ist es auf der großen Bühne noch einmal etwas anderes. Bei den Turnieren, die ich gewonnen habe, standen nicht immer Spieler wie Luke Littler oder Luke Humphries im Weg, weil es auf der Tour immer wieder Überraschungen gibt.“
Dennoch ist er überzeugt, auch gegen die größten Namen der Szene bestehen zu können. „Ich wäre gegen Spieler wie Littler oder Humphries wahrscheinlich nicht der Favorit. Aber ich weiß, dass ich ihnen ein richtig gutes Match liefern kann. Und ich hoffe natürlich, dass ich sie auch auf einer Bühne wie dieser schlagen kann.“
In der nächsten Runde wartet mit Gian van Veen ein Landsmann. Der sieht Nijman aufgrund der aktuellen Form sogar leicht vorne.
„Wenn man nur auf die Erfahrung schaut, wahrscheinlich nicht“, sagte Nijman. „Aber wenn man die Form betrachtet, dann könnte man schon sagen, dass ich der Favorit bin.“

Niederlagen schnell abhaken

Bei der vergangenen Weltmeisterschaft musste Nijman überraschend gegen Gabriel Clemens die Segel streichen. Rückblickend misst er dieser Niederlage jedoch keine große Bedeutung bei.
„Es war am Ende nur ein Spiel“, sagte er. „Natürlich möchtest du bei einer Weltmeisterschaft gewinnen. Aber wenn du so ein Spiel verlierst, dann ist das nicht das Ende der Welt.“
Seine Karriere betrachtet er bewusst von Partie zu Partie.
„Im Darts hast du heute so viele Chancen. Verlierst du dieses Major, kommt das nächste Major. Danach folgt ein Players Championship und anschließend wieder ein großes Turnier. Du kannst einen Monat lang über eine Niederlage nachdenken – oder du machst einfach weiter.“
Für Nijman ist genau diese Einstellung entscheidend.
„Ich glaube, genau das zeichnet die Spieler heutzutage aus. Wenn dich eine Niederlage komplett aus der Bahn wirft, wird es schwierig. Nächste Woche gibt es wieder ein Turnier, danach das nächste. Man darf sich nicht zu lange damit aufhalten – man muss einfach weitermachen.“
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Die European Tour als perfekte Vorbereitung

Den größten Entwicklungsschritt sieht Nijman vor allem in seiner gestiegenen Konstanz. „Vor allem darin, Titel zu gewinnen, Finals zu spielen und über einen ganzen Turniertag hinweg konstant Leistung zu bringen.“
Besonders die European Tour habe ihm dabei enorm geholfen. „Gerade dort musst du teilweise vier Spiele an einem Tag absolvieren. Dafür musst du körperlich fit und mental jederzeit bereit sein. Du kommst von einem Match zurück, kurze Zeit später beginnt schon wieder das Einwerfen. Du musst permanent bereit sein – und genau das hilft mir heute enorm.“
Auch wenn TV-Turniere noch einmal eine andere Herausforderung darstellen, sieht Nijman deutliche Parallelen. „Ich würde nicht sagen, dass es dasselbe ist. Aber es hilft auf jeden Fall. Halbfinals und Finals auf der European Tour bereiten dich auf solche Spiele hier vor. Genau das hat mir wahrscheinlich vor ein oder zwei Jahren noch gefehlt.“

TV-Durchbruch? Für Nijman kein Thema

Obwohl viele Beobachter davon sprechen, dass ihm nur noch ein großer TV-Lauf fehlt, beschäftigt sich Nijman damit überhaupt nicht. „Mich interessiert nicht wirklich, was andere von mir erwarten. Ich weiß selbst, was ich kann – und ich weiß, dass ich hier jeden schlagen kann.“
Sein Blick richtet sich deshalb ausschließlich auf die nächste Aufgabe. „Ich möchte einfach das nächste Spiel gewinnen. Danach möchte ich das Spiel danach gewinnen. So gehe ich an alles heran.“

Premier League? „Dafür ist es noch zu früh“

Durch seinen kometenhaften Aufstieg wird Nijman inzwischen immer wieder mit einer möglichen Premier-League-Teilnahme in Verbindung gebracht. Für ihn kommt diese Diskussion allerdings noch zu früh.
„Ich denke, dafür ist es noch zu früh“, sagte er. „Nach dem Sommer beginnt die Saison eigentlich erst richtig. Die großen Preisgelder werden in der zweiten Jahreshälfte bei den Majors vergeben. Ich verstehe, warum darüber gesprochen wird, aber ich glaube nicht, dass meine bisherigen Ergebnisse schon ausreichen, um mich jetzt für die Premier League ins Gespräch zu bringen.“
Auf die Nachfrage, ob er eine Einladung dennoch annehmen würde, musste Nijman dagegen nicht lange überlegen.
„Ja, natürlich.“
Auf die anschließende Nachfrage, ob er das zu hundert Prozent so meine, antwortete er mit einem Lächeln: „Hundert Prozent.“
Diese Mischung aus Ehrgeiz und Gelassenheit zeichnet Wessel Nijman derzeit aus. Er traut sich den nächsten Schritt ohne Zweifel zu, lässt sich von den Erwartungen anderer aber nicht aus der Ruhe bringen. Sein Weg an die Weltspitze führte ihn bislang Schritt für Schritt nach oben – und genau diesem Prinzip bleibt der Niederländer auch weiterhin treu.
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