„Gary ist einer meiner Helden – hoffentlich war das schon seine beste Leistung“: Jonny Clayton freut sich auf Anderson-Duell

PDC
durch Nic Gayer
Montag, 20 Juli 2026 um 8:30
Jonny Clayton (1)
Jonny Clayton kostete seinen beeindruckenden Sieg über Damon Heta beim World Matchplay sichtlich aus. Der Waliser begeisterte die Fans in den Winter Gardens mit spektakulären Highfinishes, riss das Publikum immer wieder von den Sitzen und wirkte dabei wie jener Spieler, der vor einigen Jahren einen großen Titel nach dem anderen gewann. Trotz der starken Leistung blieb Clayton ganz er selbst: bodenständig, gelassen und stets mit einem Lächeln im Gesicht.
„Ich habe jede Sekunde genossen“, sagte Clayton anschließend im Gespräch mit den Medien, darunter auch Dartsnews.de. „Ich wusste vorher, dass es ein großartiges Match werden würde. Ich bin früh in Führung gegangen, aber mir war auch klar, dass Damon zurückkommen würde. Er ist einfach zu gut, um sich nicht zurück ins Spiel zu kämpfen.“

Hohe Finishes als Schlüssel zum Erfolg

Genau so entwickelte sich die Partie. Heta kämpfte sich zurück und erhielt mehrere Möglichkeiten, das Match komplett zu drehen. Ein verpasstes Finish des Australiers – darunter ein entscheidender Versuch auf 152 Punkte – erwies sich letztlich jedoch als spielentscheidend. Clayton nutzte die Gelegenheit eiskalt und machte den Sack mit einem starken Checkout zu.
Jonny Clayton in Aktion.
Jonny Clayton präsentierte sich nach seinem überzeugenden Sieg über Damon Heta bestens gelaunt und glaubt daran, beim World Matchplay um den Titel mitspielen zu können.
„Wenn ein Spieler so eine Chance liegen lässt und du anschließend selbst ein großes Finish spielst, dann tut das weh“, erklärte Clayton. „Das bleibt im Kopf deines Gegners. Als Spieler weißt du, dass du solche Momente ausnutzen musst. Heute Abend habe ich meine Chancen bekommen und sie genutzt.“

Die Rückkehr der „Clayton-Specials“

Seit Jahren gilt Clayton als einer der gefährlichsten Spieler auf die Doppel, wenn es um hohe Checkouts geht. Immer wieder zaubert der Waliser dreistellige Finishes genau in den entscheidenden Momenten ins Board – auch gegen Heta war das erneut ein entscheidender Faktor.
„Das sind genau die Finishes, mit denen du deinen Gegner richtig triffst“, sagte er. „Natürlich ist eine Doppel-16 auch gut. Aber wenn dein Gegner gerade eine Chance ausgelassen hat und du danach ein Finish von über hundert Punkten checkst, dann schmerzt das deutlich mehr.“
Wie sich solche Momente anfühlen, weiß Clayton aus eigener Erfahrung. „Das habe ich selbst oft genug erlebt. Du denkst: ‚Diesen Leg hätte ich gewinnen müssen‘, und plötzlich checkt dein Gegner ein unglaubliches Finish. Das tut richtig weh. Zum Glück war es heute Abend mein Abend.“
Trotz seines Erfolgs fand Clayton ausschließlich lobende Worte für seinen Kontrahenten. „Damon ist ein fantastischer Spieler und außerdem ein guter Freund. Das macht solche Spiele immer schwierig. Natürlich willst du gewinnen, aber gleichzeitig gönnst du einem Freund auch das Beste.“

Kein Druck mehr – einfach das eigene Spiel genießen

Während Clayton früher häufig auf den Namen seines Gegners schaute, hat sich seine Herangehensweise inzwischen grundlegend verändert. Genau diesen mentalen Wandel sieht er als einen der Hauptgründe für seine starke Form.
„Früher habe ich ständig gedacht: Ich spiele jetzt gegen diesen oder jenen Spieler. Heute ist mir das eigentlich egal. Ich gehe auf die Bühne, spiele mein eigenes Spiel und schaue, was passiert.“
Diese entspannte Einstellung zahlt sich aus, ist Clayton überzeugt. „Wenn ich mein bestes Niveau abrufe, haben Gegner es unglaublich schwer, mich zu schlagen. Mehr kann ich nicht tun.“
Vor allem setzt sich der Waliser heute nicht mehr unnötig unter Druck. „Natürlich möchte ich jedes Turnier gewinnen. Das will jeder Spieler. Aber ich bin auch realistisch genug, um zu wissen, dass das unmöglich ist. Im Darts verliert man nun einmal häufiger, als man gewinnt. Das galt sogar für Phil Taylor – und das gilt auch heute noch für jeden Spieler auf der Tour.“

Auf der Jagd nach dem nächsten Major

2021 war das Jahr von Jonny Clayton. Mehrere TV-Titel des Walisers sorgten damals zur Bezeichnung „The Year of the Ferret“. Seitdem wartet der Waliser zwar auf den nächsten Major-Erfolg, an seinem Selbstvertrauen hat das jedoch wenig geändert.
„Ich fühle mich gut. Und wenn du dich gut fühlst, kommen die Scores meistens ganz von allein. Natürlich möchte ich wieder einen großen Titel gewinnen, aber ich versuche, mich damit nicht verrückt zu machen.“
Gleichzeitig spürt Clayton, dass sein Spiel wieder auf dem Niveau angekommen ist, das ihn einst an die Weltspitze führte. „Ich gebe in jedem Match alles, was ich habe. Manchmal läuft es großartig, manchmal überhaupt nicht. Das gehört einfach dazu. Aber ich merke, dass mein Spiel wieder gut genug ist, um große Turniere zu gewinnen.“
Auch seine Auftritte in der Premier League haben ihm zusätzliches Selbstvertrauen gegeben. „Dieses Turnier hat mir gezeigt, dass ich immer noch mit den besten Spielern der Welt mithalten kann. Natürlich hoffe ich, nächstes Jahr wieder in der Premier League dabei zu sein, aber daran denke ich im Moment überhaupt nicht.“
Sein Fokus liegt ausschließlich auf Blackpool. „Hier gibt es zuerst noch ein paar schöne Turniere zu gewinnen. Warum sollte ich nicht genau hier anfangen?“

Duell mit einem großen Vorbild

Im Achtelfinale wartet nun Gary Anderson – ausgerechnet einer der Spieler, zu denen Clayton seit Jahren besonders aufschaut. Der Schotte überzeugte bereits in seinem Auftaktmatch mit einer starken Leistung auf der Bühne der Winter Gardens.
„Gary ist einer meiner Helden“, sagte Clayton. „Ich schaue ihm immer noch unglaublich gerne zu. Genau wie bei Michael van Gerwen versuche ich, mir immer wieder etwas von seiner Spielweise abzuschauen.“
Dass die beiden nun direkt aufeinandertreffen, macht das Duell für Clayton zu etwas Besonderem. „Gary gehört nicht ohne Grund zu den besten Dartspielern, die jemals einen Pfeil in der Hand hatten. Er hat in seinem ersten Match fantastisch gespielt – hoffentlich war das schon seine beste Leistung.“
Trotzdem überwiegt die Vorfreude. „Es wird ein Match mit viel gegenseitigem Respekt. Der bessere Spieler wird gewinnen – und natürlich hoffe ich, dass ich das bin.“
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Locker bleiben und den Moment genießen

Für Clayton ist die Freude am Spiel einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren überhaupt. „Ich glaube, das gilt für jede Sportart. Wenn man entspannt ist, lacht, Witze macht und den Moment genießt, dann spielt man meistens auch besser.“
An seinem Ehrgeiz habe das allerdings nichts geändert. „Ganz und gar nicht. Wenn ich verliere, dann verliere ich eben. Aber niemand wird jemals sagen können, dass ich nicht alles gegeben habe. Ich möchte dort oben auf der Bühne stehen und am Ende den Pokal in die Höhe stemmen.“
Besonders beeindruckt zeigte sich der Waliser erneut von der Atmosphäre in den Winter Gardens. „Die Fans waren fantastisch. Es wurde überhaupt nicht gebuht. Alle waren einfach da, um Darts zu genießen, und das war großartig mitzuerleben.“
Ein besonderes Highlight war für Clayton, dass die Zuschauer immer wieder sein Lieblingslied American Pie anstimmten. „Was will man an einem Sonntagnachmittag mehr? Hoffentlich stehe ich nächste Woche wieder hier, die Fans singen erneut American Pie und ich darf weiter von diesem Titel träumen.“

Freundschaft endet auf der Bühne

Auch auf seine Freundschaften mit vielen Tourkollegen wurde Clayton angesprochen. Warum fällt es ihm manchmal schwer, gegen enge Freunde anzutreten?
„Wenn man mit jemandem auf der Tour befreundet ist, dann liegt das meistens daran, dass er einfach ein guter Mensch ist.“
Dennoch gehe es auf der Bühne ausschließlich ums Gewinnen. „Nein, man gönnt dem anderen nicht den Sieg. Man möchte selbst der Erste sein, der eine 180 wirft, das erste Leg gewinnt oder das erste große Finish checkt. Genau darin liegt der Druck. Manchmal entstehen dadurch fantastische Spiele – und manchmal eben überhaupt nicht.“

Der Blick geht auch auf die Weltrangliste

Auch wenn Clayton bewusst nicht zu weit vorausdenken möchte, weiß er, welche Bedeutung ein gutes Ergebnis in Blackpool für seine Position in der Weltrangliste hätte.
„Das wäre natürlich großartig. Ich war, glaube ich, einmal ungefähr 28 Sekunden lang die Nummer drei der Welt – bis Michael van Gerwen wieder ein fantastisches Ergebnis gespielt hat.“
Mit einem Lächeln schob er hinterher: „Wenn ich zunächst die Nummer vier der Welt bleiben kann und bis zum Jahresende vielleicht noch weiter nach oben klettere, wäre ich damit sehr zufrieden.“
Zum Abschluss blieb Clayton seinem humorvollen Wesen treu. Auf die Frage, ob er seinen Walk-on künftig vielleicht in American Pie ändern werde, antwortete er lachend: „Noch nicht. In American Pie kommt schließlich kein Jonny vor – also bleibe ich vorerst bei meinem aktuellen Walk-on.“
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