Am Eröffnungsabend der WDF-Weltmeisterschaft in Lakeside setzte
Shane McGuirk gleich ein erstes Ausrufezeichen. Zudem feierten
Dennis Nilsson,
Haruki Muramatsu bei seinem WM-Debüt, Rückkehrer Alex Williams sowie Clint Clarkson erfolgreiche Auftaktauftritte.
Von McGuirk war erwartet worden, dass er den Finnen Petri Rasmus, der als Titelverteidiger in Lakeside antritt, klar in Schach halten würde – und lange Zeit sah es auch genau danach aus. Doch als McGuirk der Ziellinie näherkam, fand Rasmus plötzlich seinen Rhythmus und verwickelte ihn in eine deutlich härtere Partie als gedacht. Die Begegnung hätte ohne Weiteres in einen Entscheidungssatz münden können, bevor „The Arrow“ den Sack schließlich doch noch zumachte.
McGuirk startete mit einem souveränen 3:0 in den ersten Satz. Mit einem Average von 85 Punkten legte er sein bestes Leg als 16-Darter hin. Im Satzdurchschnitt stand er sogar bei 93 Punkten und checkte auf die Doppel Fünf. Rasmus hingegen eröffnete Satz zwei mit einem Finish auf Doppel 9 und holte sich direkt das Break. Mit dem Hold ging er 2:0 in Führung, doch McGuirk konterte mit einem starken 115er-Finish und einer 70 zum 2:2, sodass auch dieser Satz in ein Entscheidungsleg ging.
Dort stellte McGuirk nach 180, 140 und 89 Rest 32, ließ jedoch Matchdarts liegen. Da Rasmus aber weit zurücklag, sicherte McGuirk letztlich doch das 2:0 in Sätzen. Auch im dritten Satz ging der Finne zunächst durch einen Fehler McGuirks in Führung, ehe dieser mit einem 74er-Checkout zum 2:0 drehte.
Doch als McGuirk den Deckel draufmachen wollte, kämpfte sich Rasmus mit einem gewonnenen Satz zum 2:1 zurück und zwang „The Arrow“ zu mehr Präzision, als diesem lieb war. Der Finne eröffnete den nächsten Satz mit einem 60er-Finish, McGuirk verpasste ein Break – und Rasmus checkte 110 zum 1:1, bevor er mit einem weiteren 60er-Finish das Break zum 2:1 holte. Plötzlich fehlte ihm nur noch ein Satz zum 2:2-Ausgleich.
McGuirk antwortete mit mehreren Maxima und einem Check auf Doppel 8, sodass erneut ein Entscheidungsleg her musste. Mit einem sicheren 64er-Checkout brachte er schließlich den Sieg über die Linie.
Die Kameraführung sorgt für Diskussionen – doch Nilsson bleibt eiskalt
Noch bevor Dennis Nilsson und Shane Sakchekapo am Oche standen, beherrschte ein anderes Thema die Gespräche: die Kameraführung im WDF-Livestream, die stellenweise mehr an eine wackelige Handyaufnahme erinnerte als an eine WM-Übertragung. Doch während der Stream weiter diskutiert wurde, zeigte Nilsson bei seinem Auftakt in die Titelverteidigung keinerlei Wackler.
Der physisch beeindruckende Schwede – ein Attribut, das in nahezu jedem Porträt über ihn auftaucht – musste zunächst einen starken ersten Satz des Kanadiers überstehen. Sakchekapo nutzte früh seine Chancen und ging mit einem brillanten 13-Darter 2:0 in Führung.
Nilsson jedoch fand nach einem ungewöhnlich schwachen Leg wieder ins Match. Mit einem 15-Darter, garniert mit einer 180 und einem sicher verwandelten Doppel-20-Finish, stellte er auf 2:2. Im entscheidenden Leg des Satzes überstand er sogar einen Satzdart gegen sich – und drehte die Partie schließlich noch zu seinen Gunsten.
Dennis Nilsson, der schwedische Strongman, bei den World Series.
Aber von da an war es eine Nilsson-Show, denn er traf 140, 128 und die Doppel 20, um mit 1:0 in Führung zu gehen, und brach dann Sakchekapos Wurf mit einem 120er-Checkout. Mit unglaublichen 149 holte er sich den Satz und gewann den letzten Satz mit 3:1 und damit den Sieg. Als Nächstes kämpft James Beeton um einen Platz in der dritten Runde. Aber der erfahrene Schwede ist auf dem besten Weg dorthin.
Williams mit starkem Comeback
Anschließend stand der beeindruckende Waliser Alex Williams im Rampenlicht, der den erfahrenen Kroaten Romeo Grbavac in einem hochklassigen Duell bezwang. Obwohl Grbavac bereits beim World Cup und im Ally Pally gespielt hat und damit auf der großen Bühne mehr Erfahrung mitbringt, nimmt Williams den WDF-Circuit seit einiger Zeit zunehmend ernst – und absolvierte nun sein Lakeside-Debüt.
Der Auftakt gehörte allerdings eindeutig Grbavac. Beide lieferten sich ein Feuerwerk mit vier Maxima und zwei Ton-Plus-Checkouts, doch der Kroate dominierte den ersten Satz mit einem Average von über 108 Punkten. Mit einem 120er-Finish zum 3:1 holte er auch Satz zwei und stellte auf 2:0.
Doch dann kam Williams – wie ein Zug, der unmöglich zu stoppen ist. Der Waliser holte sich Satz drei mit 3:0, gewann sechs der nächsten sieben Legs und glich die Partie nach 0:2-Rückstand sensationell aus.
Im finalen Satz traf Williams zunächst die Doppel 16 zum 1:0. Er hatte später sogar die Chance auf ein Break, doch Grbavac hielt dagegen. Das Match ging in ein weiteres Entscheidungsleg, in dem der Kroate einen Matchdart vergab. Williams, der selbst ein 144er-Finish nur knapp verpasste, checkte schließlich über die Doppel 5 und trifft nun auf den topgesetzten Jimmy van Schie.
Ein kurioses Debüt: Lech-Musialka gewinnt – und muss trotzdem ins Play-off
Bei den Damen kam es zu einer einmaligen Situation: Nina Lech-Musialka gewann ihr Lakeside-Debüt, stand aber dennoch nicht automatisch in Runde zwei. Aufgrund eines Fehlers bei der Auslosung musste sie ein zusätzliches Play-off-Match bestreiten.
Finanziell war das kein Nachteil – sowohl die Polin als auch ihre Gegnerin Mayumi Ouchi erhalten Preisgeld für die erste Runde. Doch der Fauxpas sorgte bei der Auslosung wie auch danach für reichlich Gesprächsstoff.
Lech-Musialka ließ sich davon jedoch nicht beirren: Sie bezwang die erfahrene Japanerin mit nur einem verlorenen Leg glatt in einem Satz und trifft morgen auf Priscilla Steenbergen.