Der zwölfjährige Aaron De Ridder aus Haaltert erlebt an diesem Wochenende einen Meilenstein seiner noch jungen Laufbahn. Gemeinsam mit sechs weiteren belgischen Talenten startet er bei der JDC Advanced Tour, einer der wichtigsten internationalen Turnierserien für Nachwuchsspieler im Alter von bis zu 18 Jahren. Was während der Corona-Zeit als Hobby begann, entwickelte sich in wenigen Jahren zu einem Abenteuer auf höchstem Jugendniveau. Für Aaron und seine Familie fühlt sich diese Entwicklung noch immer unwirklich an. Tritt er eines Tages in die Fußstapfen des belgischen Supertalents
Lex Paeshuyse?
Aaron steht am Beginn einer Reise, die schneller Fahrt aufgenommen hat, als es irgendjemand erwartet hätte. Die Qualifikation für die internationale Bühne markiert einen neuen Abschnitt – sportlich wie familiär.
Von der Corona-Beschäftigung zum Wettkampfdarts
Die Geschichte beginnt während der Pandemie. Aaron war gerade einmal acht Jahre alt, als ihn die Faszination für den Dartsport packte. Während viele Gleichaltrige ihre Zeit mit Videospielen oder sozialen Medien verbrachten, verfolgte er gebannt die Übertragungen im Fernsehen und beobachtete, wie die Pfeile präzise in die Triple-20 einschlugen.
„Während Corona begann Aaron, Darts im Fernsehen zu schauen, und er wollte es sofort selbst ausprobieren“, berichtet seine Mutter Kerenza Bevernage gegenüber
Het Nieuwsblad. „Sein Opa hat ihm dann ein Dartboard gekauft. Die waren fast überall ausverkauft, aber er hat es trotzdem geschafft, eines zu finden. Von da an stand das Board hier zu Hause fast nie mehr still.“
Anfangs werteten die Eltern das neue Hobby als schöne Freizeitbeschäftigung. „Für uns war es reiner Spaß. Er warf ein paar Pfeile, machte das überraschend gut für sein Alter, aber wir dachten nicht sofort an Turniere oder eine Karriere.“
Doch dieser Gedanke änderte sich schneller als gedacht. Bei seinem ersten Jugendturnier zeigte Aaron nicht nur Begeisterung, sondern auch echtes Talent. „Bei diesem ersten Turnier hat er richtig Blut geleckt“, erzählt Kerenza. „Leute aus der Dartszene haben uns angesprochen und gesagt, dass er Talent hat. Das hat uns schon kurz erschreckt.“
Realistisch bleiben
Trotz des frühen Zuspruchs bleibt die Familie bewusst auf dem Boden. Aaron trainiert intensiv – „Er steht mit Darts auf und geht damit schlafen“, sagt seine Mutter lachend – doch Leistungsdruck spielt im Hause De Ridder keine Rolle.
„Wir haben ihm nie Erwartungen auferlegt“, betont Kerenza. „Es muss Spaß machen. Wenn der Spaß weg ist, hat es keinen Sinn mehr. Natürlich wollen wir, dass er gut spielt, aber er ist immer noch zwölf Jahre alt.“
Dieser Ansatz trägt Früchte. Aaron entwickelte sich rasant weiter und sicherte sich über ein Qualifikationsturnier einen Startplatz bei der JDC Advanced Tour. Dort trifft er auf die stärksten Nachwuchsspieler seiner Altersklasse – darunter auch Ex-Weltmeister Lex Paeshuyse.
Krönte sich 2024 zum JDC Jugend-Weltmeister: Lex Paeshuyse
Für 2026 erweiterte die Organisation das Teilnehmerfeld der Advanced Tour auf 64 Spieler. Insgesamt stehen zwanzig Turniere an, verteilt auf fünf Wochenenden im englischen Bristol. Die Serie bietet damit eine internationale Plattform, auf der Talente aus verschiedenen Ländern gegen die absolute Spitze ihrer Generation antreten.
Eine verspätete Erkenntnis
Bemerkenswert: Als Aaron die Qualifikation perfekt machte, realisierte er selbst nicht sofort die Tragweite seines Erfolgs.
„Er hatte gewonnen, aber es drang irgendwie nicht durch“, erzählt Kerenza mit einem Lächeln. „Erst einen Tag später realisierte er wirklich, dass er für die Advanced Tour gesetzt war. Da haben wir gesehen, dass er stolz war.“
Für Aaron zählt vor allem der Lerneffekt. „Ich will einfach so viel Erfahrung wie möglich sammeln“, sagt er. „Du spielst gegen die besten Jugendspieler. Davon wirst du nur besser.“
Seine Ziele formuliert er ehrgeizig, aber bodenständig. „Es wäre schön, wenn ich einmal ins Halbfinale oder Viertelfinale kommen könnte. Aber ich will vor allem gut spielen und Spaß haben.“
Ein logistisches Puzzle
Eine internationale Turnierserie bringt auch organisatorische Herausforderungen mit sich. Die Familie reist ausschließlich an den Spielwochenenden nach England, damit Aaron möglichst wenig Unterricht verpasst.
„Wir fahren freitags los und sind Sonntagabend schon wieder zurück“, erklärt Kerenza. „Wir wollen, dass er seine Schularbeiten gut macht. Das bleibt Priorität.“
Unter den Eltern der teilnehmenden Spieler herrscht enger Austausch. „Wir haben eine WhatsApp-Gruppe mit allen Eltern. So können wir alles abstimmen. Wir übernachten auch im selben Hotel. Das ist schön für die Kinder, denn nach den Spielen können sie zusammen entspannen.“
Für die Familie ist vieles Neuland. „Am ersten Wochenende schauen wir vor allem, was es bringt. Wir gehen offen hinein. Es ist schon fantastisch, dass er diese Erfahrung in seinem Alter machen darf.“
Träume von der Spitze
Wie viele junge Dartspieler hat auch Aaron ein großes Vorbild: Gerwyn Price. Besonders dessen Leidenschaft und Intensität beeindrucken ihn.
Ob er selbst eines Tages dieses Niveau erreichen kann? Aaron bleibt realistisch. „Das wird sich zeigen. Ich bin noch jung. Ich will einfach weitertrainieren und sehen, wo ich lande.“