Die Premier-League-Saison neigt sich langsam dem Ende entgegen – und womöglich auch die Zeit des aktuellen Formats. Sowohl Spieler als auch Fans kritisieren den Modus mittlerweile immer häufiger. Woche für Woche gibt es nahezu dieselben Begegnungen und viele Zuschauer empfinden das Format inzwischen als ausgelutscht. Gerade Fans, die neben der Premier League auch die Pro Tour oder European Tour verfolgen, wünschen sich deshalb Veränderungen.
Wir von Dartsnews haben deshalb einmal geschaut, wie die Tabelle aussehen würde, wenn die Premier League noch nach dem alten Format gespielt werden würde. Dafür betrachten wir ausschließlich die Erstrundenpartien jedes Spieltags. Früher absolvierte jeder Spieler pro Abend nur ein Match. Für einen Sieg gab es zwei Punkte, ein Unentschieden brachte einen Punkt und bei einer Niederlage ging man leer aus. Damals bestand die Premier League allerdings noch aus zehn Spielern. Nach neun Spieltagen schieden die Tabellenneunten und Tabellenzehnten an der „Judgement Night“ aus, ehe die Saison mit acht Spielern fortgesetzt wurde.
Für unseren Vergleich haben wir die Erstrundenpartien der aktuellen Saison herangezogen. Dabei muss man allerdings erwähnen, dass insbesondere Spieltag neun im alten Format anders ausgelost worden wäre, da sich die Partien damals nach der Tabelle richteten. Dennoch lassen wir diese Spiele mit in die Wertung einfließen, um einen möglichst vollständigen Eindruck zu bekommen.
Natürlich lässt sich das Ganze nur bedingt vergleichen. Ein Leg bei einer 5:4-Führung wird schließlich anders gespielt als bei einem möglichen 5:5-Ausgleich. Viele Spieler würden in einem Decider anders agieren als in einem Leg, in dem bereits feststeht, dass mindestens ein Punkt sicher ist. Trotzdem liefert die Tabelle einen spannenden Eindruck davon, wie eng die Saison im alten Format verlaufen wäre. Deswegen haben wir zwei Tabellen gemacht, eine mit Unentschieden und eine ohne.
Auch die Absagen wurden wie im aktuellen Premier-League-System gewertet. Der Spieler, der nicht antreten konnte, erhielt eine 0:6-Niederlage. Sein Gegner bekam einen 1:0-Legsieg sowie zwei Punkte zugesprochen.
Tabelle ohne Unentschieden
| Tabellenplatz | Spieler | Legdiffernez | Punkte |
| 1 |
Luke Littler
|
+19
|
22
|
| 2 |
Jonny Clayton
|
+9
|
20
|
| 3 |
Gerwyn Price
|
+3
|
16
|
| 4 |
Luke Humphries
|
+14
|
18
|
| 5 |
Gian van Veen |
-4 |
14 |
| 6 | Michael van Gerwen |
-11 |
12 |
| 7 |
Stephen Bunting
|
-16
|
10
|
| 8 |
Josh Rock
|
-25
|
8
|
Auch ohne Unentschieden würde Luke Littler die Tabelle anführen und aufgrund der besseren Legdifferenz als Nummer eins in die Play-offs einziehen. Dahinter wäre das Rennen allerdings deutlich spannender als im aktuellen Format. Sowohl Jonny Clayton als auch Luke Humphries würden noch um Rang zwei kämpfen. Humphries hätte dabei aufgrund seiner starken Legdifferenz weiterhin gute Chancen, Clayton noch abzufangen.
Besonders interessant wäre der Kampf um Platz vier. Dort würden Gerwyn Price und Gian van Veen dicht beieinanderliegen und sogar noch direkt aufeinandertreffen. Zwar wären aktuell dieselben vier Spieler für die Play-offs qualifiziert wie im heutigen Format, dennoch zeigt die Tabelle deutlich, wie viel enger alles zusammenliegen würde. Der größte Unterschied liegt vor allem darin, dass man an einem Abend maximal zwei Punkte statt fünf Punkte gewinnen könnte. Dadurch entstehen automatisch weniger große Abstände.
Gerade das Beispiel von
Josh Rock zeigt diesen Unterschied sehr deutlich. Im aktuellen Format wirkte der Nordire nach vielen frühen Niederlagen schnell abgeschlagen. Im alten System wäre er nach seinen vier Siegen in Folge allerdings nur vier Punkte hinter den Play-off-Plätzen gelegen. Das hätte ihm vermutlich deutlich mehr Selbstvertrauen und Momentum für die restlichen Spieltage gegeben.
Tabelle mit Unentschieden:
| Tabellenplatz | Spieler | Legdiffernez | Punkte |
| 1 |
Luke Littler
|
+18
|
20
|
| 2 |
Luke Humphries |
+13 |
18
|
| 3 |
Jonny Clayton |
+7 |
18 |
| 4 |
Gian van Veen | -3 |
15 |
| 5 |
Gerwyn Price | +2 |
14
|
| 6 |
Michael van Gerwen |
-9 |
14 |
| 7 |
Stephen Bunting
|
-14
|
12
|
| 8 |
Josh Rock
|
-24
|
9
|
Mit Unentschieden würde die Tabelle sogar noch enger zusammenrücken. Auch hier wäre Luke Littler nach 15 Spieltagen Tabellenführer, könnte allerdings noch von Luke Humphries abgefangen werden. Humphries wäre bereits sicher für die Play-offs qualifiziert und könnte am letzten Spieltag theoretisch noch die Plätze eins bis drei erreichen.
Direkt dahinter läge Jonny Clayton, der ebenfalls bereits sicher in den Play-offs stehen würde. Dahinter wäre der Kampf um Rang vier komplett offen. Gian van Veen hätte mit 15 Punkten die beste Ausgangslage. Dahinter würden
Gerwyn Price und Michael van Gerwen mit jeweils einem Punkt Rückstand lauern.
Vor allem van Gerwen hätte trotz seiner bislang enttäuschenden Saison weiterhin alle Chancen auf die Play-offs. Genau das wäre einer der größten Vorteile des alten Formats gewesen. Ein Price, welcher seit einigen Wochen ziemlich sicher für die Play-offs galt würde aktuell auf Platz 5 stehen.
Hätte Probleme im alten Premier League Format: Gerwyn Price
Auch Stephen Bunting und Josh Rock würden zwar weiterhin die letzten beiden Plätze belegen, dennoch hätte zumindest Bunting theoretisch noch Chancen gehabt, van Gerwen einzuholen.
Interessant ist vor allem der Blick auf den 14. Spieltag. Dort endeten fast alle Partien mit einem 5:5-Unentschieden. Nur Clayton gewann gegen seinen Landsmann Price und hätte dadurch einen enorm wichtigen Vorteil im Rennen um die Play-offs erhalten. Genau solche Spieltage hätten im alten Format einen noch größeren Einfluss auf die Tabelle gehabt.
Am Ende bleibt festzuhalten, dass die Premier League im alten Format tabellarisch wohl deutlich spannender gewesen wäre. Natürlich lässt sich das nur bedingt vergleichen. Ein Tagessieg im aktuellen System sorgt für enormes Selbstvertrauen und kann Spielern einen großen Schub für die kommenden Wochen geben. Gleichzeitig hätten Serien wie die vier Siege in Folge von Josh Rock im alten Format vermutlich noch mehr Wirkung entfaltet, da dort nur das eigentliche Match gezählt hätte und Halbfinal-Niederlagen nicht zusätzlich ins Gewicht gefallen wären.
Ob die PDC das Format in Zukunft tatsächlich verändert oder am aktuellen System festhält, bleibt abzuwarten. Klar ist allerdings, dass die Premier League im alten Format – selbst mit weniger Spielern – deutlich enger und ausgeglichener gewirkt hätte. Gerade aus Sicht der Spannung im Tabellenkampf hätte das alte System wohl einige Vorteile gegenüber dem heutigen Format gehabt.