Normalerweise würde
Beau Greaves um diese Zeit des Jahres in Lakeside antreten – dort, wo sie bei der
WDF Weltmeisterschaft längst zu den Publikumslieblingen zählt. Doch in diesem Winter hat sich die junge Engländerin für einen neuen Weg entschieden: Sie testet ihr Können auf der Soft-Tip-Bühne und hat sich bei den Super Darts bereits bis ins Viertelfinale gespielt.
Der gebürtige Singapurer
Paul Lim, seit Jahrzehnten Aushängeschild des Soft-Tip-Darts, gilt als Pionier dieser Szene – auch wenn er bei diesem Event nicht auf der Teilnehmerliste steht. Für viele in Asien ist die elektronische Variante des Sports ohnehin die spannendste und modernste Form des Spiels.
Die Besonderheiten des Soft-Tip-Darts
Soft-Tip-Darts unterscheidet sich in mehreren Punkten deutlich vom klassischen Steeldarts. Das Board besteht aus einem Kunststofffeld mit vorgebohrten Löchern, in die die Pfeile mit ihren Spitzen aus Plastik einrasten. Die Spieler nutzen zwar weiterhin ihre gewohnten Barrels, müssen jedoch die Spitzen austauschen, um sie an die Arcade-artigen Automaten anzupassen. Die Wurflinie liegt zudem rund sieben Zentimeter weiter vom Board entfernt als im Steeldarts – ein Detail, das das Spiel deutlich verändert.
Greaves mit ungewöhnlicher Vorbereitung auf ihre erste PDC Darts WM
Auch beim Zählen gibt es Unterschiede: Das Bullseye ist größer und zählt – sowohl innen als auch außen – 50 Punkte. Dadurch wird es zum attraktiven Hauptziel vieler Spieler, die häufiger als gewohnt den direkten Weg über die Mitte suchen. Der Modus fördert also mutige Entscheidungen und sorgt für mehr Tempo im Spiel.
Super Darts selbst folgt einem festen, aber abwechslungsreichen Format. Jedes Match ist in verschiedene Etappen unterteilt, die abwechselnd 501 und Cricket enthalten. Beim 501 haben die Spieler 15 Aufnahmen Zeit, um das Leg zu beenden. Gelingt es keinem, entscheidet ein sogenanntes „Cork“, bei dem der Pfeil, der dem Bull am nächsten liegt, über den Sieg bestimmt. Dieses Detail kann besonders entscheidend sein, da der Bull-Treffer im Soft-Tip-Darts weit häufiger Teil der Taktik ist als im klassischen Format.
Cricket, vor allem in den USA populär, ist die zweite zentrale Disziplin. Gespielt wird auf die Zahlen 15 bis 20 sowie das Bull, die jeweils dreimal getroffen werden müssen. Wer als Erster alle Zahlen „schließt“ und zusätzlich die meisten Punkte auf dem Konto hat, gewinnt die Etappe.
Das Format erklärt
| Erste Etappe | 501 (25/50 Stier) |
| Zweite Etappe | Standard-Cricket |
| Dritte Etappe | Standard-Cricket |
| Vierte Etappe | 501 (25/50 Stier) |
| Fünfte Etappe | 501 (25/50 Stier) |
| Sechste Etappe | Standard-Cricket |
| Siebte Etappe | Auswahl |
Greaves dominiert
Beau Greaves setzte am Samstag ein deutliches Ausrufezeichen. Laut ichibandarts gewann sie ihr Spiel mit 4:1 – eine nahezu makellose Leistung, bei der sie nur das erste Cricket verlor. Besonders eindrucksvoll war eine 180, die sie mit ihrer gewohnten Leichtigkeit warf – eben „so mühelos wie immer von Beau ‘n Arrow“.
Im Viertelfinale trifft sie nun auf den Sieger des Duells zwischen Man Lok Leung und Ryuta Arihara, deren Match am Samstag nicht mehr ausgetragen werden konnte. Auch die übrigen Partien versprechen Spannung pur:
José Justicia überzeugte mit einem klaren 4:0-Erfolg und dem besten Gesamtdurchschnitt des Tages, während
Seigo Asada, Terry Tan, Lylian Le Calvez, Minseok Choi und Keita Ono ebenfalls in die nächste Runde einzogen. Damit ist das Feld international breit aufgestellt.
Boris Krcmar, einst dominierende Kraft dieser Disziplin und mehrfacher Weltmeister, musste sich überraschend Minseok Choi mit 2:4 geschlagen geben. Die Viertelfinalpaarungen lauten: Asada gegen Justicia, Tan gegen Le Calvez, Choi gegen Ono und Greaves gegen den Sieger aus dem noch ausstehenden Match. Der Titel bringt nicht nur Prestige, sondern auch einen satten Scheck über 10 Millionen Yen – umgerechnet rund 48.350 Pfund.