„Bei der Q-School war es der Kopf – sonst hätte ich es zu 100 Prozent geschafft“: Michael Unterbuchner blickt auf Tour-Card-Enttäuschung zurück und kündigt „Vollgas“ für 2027 an
Entsprechend emotional fiel der Jubel von „T-Rex“ nach dem Matchdart aus. Vor rund 3.000 begeisterten Fans entwickelte sich eine mitreißende Atmosphäre, die zeigte, welchen Stellenwert der zweifache BDO-WM-Halbfinalist im deutschen Dartsport genießt.
„Das habe ich heute bewiesen“
Nach dem Spiel war die Erleichterung im Exklusiv-Interview mit Dartsnews.de (YouTube) deutlich spürbar. „Ich weiß ja, dass ich es kann“, erklärte Unterbuchner. „Ich konnte es bisher auf der European Tour nur noch nie so richtig abrufen. Wenn man sieht, was ich auf der Challenge Tour oder auch als Pro-Tour-Nachrücker – wo ich im Viertelfinale war – gezeigt habe… nur das auch auf der Bühne mit den Zuschauern umzusetzen, das ist ein anderes Gefühl. Und das habe ich heute bewiesen, dass ich das auch kann.“
Michael Unterbuchner feiert nach seinem 6:5-Decidersieg gegen William O’Connor emotional mit den Fans im Sindelfinger Glaspalast seinen zweiten European-Tour-Erfolg
Eine wichtige Grundlage für den Erfolg legte der Deutsche bereits früh in der Partie. Gleich in den ersten drei Legs checkte er 100, 104 und 120 Punkte – ein Auftakt, der ihm sofort Sicherheit gab. „Soll ich jetzt ehrlich sein? Sehr gut“, sagte er über diesen Start. „Wenn du weißt, dass sowas klappt, dann kriegst du Sicherheit. Und das macht auch oben als Spieler richtig Spaß. Wenn ich überlege, hätte ich diese 100 versemmelt und er macht aus, dann gehst du mit einem negativen Gefühl rein. Und jeder weiß, was William O’Connor spielen kann – er hat mir jedes Mal Druck gemacht.“
Trotz seiner langjährigen Erfahrung bleibt ein European-Tour-Auftritt für Unterbuchner eine besondere Herausforderung. „Das ist fast wie ein Bandwurm, würde ich mal sagen, ganz ehrlich“, beschrieb er das Gefühl vor dem Gang auf die Bühne. „Man geht dann schon mit gemischten Gefühlen hin, weil du weißt nicht, was oben rauskommt. Natürlich, du willst immer da oben zeigen, was du kannst, du hast Bock drauf – aber das kann auch ganz schnell umschlagen und voll ins Negative laufen.“
Vorfreude auf das Duell mit van Gerwen
In der zweiten Runde wartet nun eine echte Herausforderung: Michael van Gerwen. Als er auf das bevorstehende Duell angesprochen wurde, reagierte Unterbuchner zunächst mit einem Lachen: „Gegen wen?“ Danach ergänzte er: „Wir haben schon mal gegeneinander gespielt auf der Pro Tour.“
Die Aussicht auf das Aufeinandertreffen mit dem niederländischen Superstar auf großer Bühne motiviert ihn zusätzlich. „Ich will mal sehen, wie es richtig geht, ja. Ich freu mich drauf, ich hab Bock“, sagte er schmunzelnd.
Unterbuchner reagiert offen auf Q-School-Enttäuschung: „Ansonsten hätte ich es geschafft“
Auch abseits des aktuellen Erfolgs blickt Unterbuchner nach vorne – insbesondere nach einer bitteren Q-School-Kampagne im Frühjahr. Nachdem er im Vorfeld exklusiv gegenüber Dartsnews.de angekündigt hatte, alles auf die Tour Card setzen zu wollen, blieb der große Durchbruch in Kalkar aus. Dafür gab es jedoch einen persönlichen Grund. „Ja, bei der Q-School war es der Kopf“, erklärte er. „Ich bin Papa geworden und es war nicht ganz so klar, wann die Kleine kommt. Und damit war der Kopf auch nicht ganz bei der Sache. Ansonsten hätte ich es geschafft, da bin ich mir zu 100 Prozent sicher.“
Sein Fokus liegt nun darauf, den Spielrhythmus bestmöglich zu halten: „Klar, das erste Challenge-Tour-Wochenende fehlt mir schon wieder – aber ich nehme das jetzt alles mit, was kommt, schaue, was geht. Und dann heißt es 2027 Vollgas. Vollgas!“
Konkret bedeutet das ein volles Programm für die kommenden Monate. „Die restlichen Challenge Tours auf jeden Fall, zu 100 Prozent. Dann noch zwei Host Nation Qualifier für Kiel und Leverkusen. Ansonsten werde ich versuchen, möglichst viel irgendwo noch Steeldart zu spielen, wo es geht. Ob SDC, NEXT GEN – alles. Einfach nur, um in diesem Training zu bleiben.“