Danny Noppert spricht offen über ADHS-Erkrankung: „Es hat mich in diesem Match auch ein bisschen beeinflusst, deshalb will ich schnell wissen, was passiert ist“

PDC
durch Nic Gayer
Samstag, 31 Januar 2026 um 9:00
Danny Noppert
Danny Noppert erlebte nach seinem Auftaktsieg beim Winmau World Masters 2026 gemischte Gefühle. Der Niederländer setzte sich mit 3:1 Sätzen gegen Daryl Gurney durch und zog in die nächste Runde ein. Den Ausschlag gab ein starkes 105er-Finish in einem intensiven und umkämpften Duell.
Statt ausgelassener Freude dominierte bei Noppert jedoch die Erleichterung. Nach dem letzten Dart wirkte der 35-Jährige zwar sichtbar zufrieden, blieb aber selbstkritisch. Er stellte klar, dass dies nicht seine beste Leistung gewesen sei. Das entscheidende Finish habe ihm letztlich jedoch das Match gerettet und dem Spiel die entscheidende Wendung gegeben.

Erleichterung statt Euphorie nach dem Schlüsselmoment

„Es war natürlich ein bisschen Erleichterung“, erklärte Danny Noppert im Rahmen der anschließenden Pressekonferenz. Die Partie sei alles andere als perfekt verlaufen. Umso wichtiger sei das 105er-Finish gewesen, das ihm am Ende den Sieg sicherte.
Der Jubel auf der Bühne machte deutlich, wie viel Druck in diesem Moment von ihm abfiel. Für Noppert stand sofort fest, dass genau dieses Leg der Knackpunkt der Begegnung war. Die Details des Legs seien ihm zwar nicht mehr präsent gewesen, doch das Finish habe gesessen – und darauf sei es angekommen.
In den vergangenen Monaten hat sich Nopperts Rückhalt im Publikum spürbar verstärkt. Für den Niederländer ist das eine direkte Folge seiner stabileren Leistungen auf der Bühne. „Ich denke, wenn man besser spielt, ist das Publikum natürlich auch eher auf deiner Seite“, erklärte Noppert. „Ich habe im ersten Satz wirklich gut angefangen. Das Scoring war gut, ich war voll da. Im zweiten Satz war ich dann aber nicht mehr da.“ Insgesamt habe er kämpfen müssen: „Ich hatte heute ein bisschen zu kämpfen, aber ich bin wirklich glücklich.“

Wortwechsel mit Gurney und Einfluss auf den Spielfluss

Für zusätzliche Unruhe sorgten während der Partie mehrere Wortwechsel zwischen Daryl Gurney und Schiedsrichter Kirk Bevins. Auch wenn Noppert nicht direkt involviert war, räumte er ein, dass die Situation seinen Rhythmus beeinflusste. „Ich war es nicht, aber Daryl – er ist zweimal zu Kirk gegangen und hat etwas gesagt“, schilderte Noppert. „Nach sechs Darts dachte ich kurz, vielleicht stimmt etwas mit mir nicht.“ Schnell sei ihm jedoch klar geworden, woran es lag: „Es war das Publikum, und dafür kann ich nichts.“
Der Sieg beim Winmau World Masters folgte auf eine körperlich fordernde Phase. Auf der World Series hatte Noppert zuletzt mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Auf die Frage nach seinem aktuellen Zustand antwortete er: „Ein bisschen besser, ja.“ Die Reisen hätten dennoch Spuren hinterlassen. „Ich habe die Zeit dort genossen, aber jeden Morgen, wenn ich aufgewacht bin, war ich extrem müde. Ich hatte keine Energie.“ Trotz der positiven Eindrücke blieb die Belastung spürbar: „Es war eine schöne Zeit, aber ich hatte Halsschmerzen und alles Mögliche. Einmal im Jahr passiert das, und hoffentlich bleibt es auch dabei. Ich freue mich auf eine großartige Saison.“
Trotzdem zeigte sich Noppert zufrieden mit seinen Auftritten auf der World Series, insbesondere in Bahrain. „Ich bin natürlich wirklich glücklich, dass mich die PDC zur World Series eingeladen hat“, sagte er. „In Bahrain habe ich gut gespielt.“ Dort traf er auf Gian van Veen: „Ich habe in der zweiten Runde gegen Gian gespielt und mit einem 106er-Average verloren.“ An seiner Leistung zweifelte er nicht: „Ich habe dort gut gespielt und die Zeit auch genossen.“ Am Ende sei die Belastung jedoch zu hoch gewesen: „Saudi-Arabien war am Schluss ein bisschen zu viel.“

ADHS, Konzentration und der Umgang mit Unterbrechungen

Ein weiteres Thema bleibt für Noppert die Konzentration. Der Niederländer spricht offen über sein Leben mit ADHS und die Herausforderungen, die das auf der Bühne mit sich bringen kann. „Als ich jünger war, hatte ich schon Probleme, mich zu konzentrieren und dem Lehrer zuzuhören“, erklärte er. „Wenn so etwas passiert, habe ich dasselbe Problem.“ Genau deshalb hake er im Spiel gezielt nach: „Deshalb frage ich nach sechs Darts, was passiert ist. Ich will es wissen, weil es sich für mich nicht gut anfühlt.“ Auch gegen Gurney habe ihn das beeinflusst: „Es hat mich in diesem Spiel auch ein bisschen beeinflusst. Deshalb will ich schnell wissen, was passiert ist.“
Gleichzeitig ordnete Noppert das Thema realistisch ein. „Manchmal beeinflusst es mich nicht so sehr, aber ich lebe mein ganzes Leben damit“, sagte er und stellte klar: „Ich bin ein guter Dartspieler.“
Positiv bewertete Noppert vor allem sein Finishing. „Um ehrlich zu sein: Ich war heute gut auf die Doppel“, betonte er. Gleichzeitig weiß er, dass noch Luft nach oben ist. „Ich kann besser spielen und ich muss in der nächsten Runde besser spielen.“ Sein Blick richtet sich klar nach vorn: „Wenn ich so spiele und an das glaube, was ich habe, kann ich hoffentlich dieses Jahr große Schritte machen.“
An seiner Vorbereitung will er nichts ändern. „Ich trainiere die ganze Zeit, das ganze Jahr über“, sagte Noppert. „Ich will ein guter Spieler sein und ich versuche jedes Mal, hart dafür zu arbeiten.“
Auch die Rangliste spielt für ihn eine zentrale Rolle – gerade vor dem Hintergrund der jüngsten Premier-League-Diskussionen. „Ja, natürlich ist das eine große Erleichterung“, erklärte er. „Es ist immer wichtig, Ranglistenpreisgeld zu sammeln.“ Sein Anspruch ist klar formuliert: „Ich will wachsen und so weit nach oben kommen, wie ich kann.“ Entsprechend wichtig sei jeder Erfolg: „Ich bin wirklich glücklich, dass ich gewonnen habe. Jeder Sieg für die Rangliste ist gut.“
Zusätzliche Motivation zieht Noppert aus seinen Erfahrungen auf der World Series. „Ja, natürlich, das ist wirklich schön“, sagte er mit einem Schmunzeln. „Wenn ich Urlaub buche, buche ich keinen Urlaub in Saudi-Arabien – ich fahre immer nach Griechenland, ich bin also ein bisschen langweilig!“ Dennoch schätze er die Abwechslung: „Aber ich sehe andere Teile der Welt. Es ist wirklich schön, dort vor anderen Zuschauern zu spielen.“
Mit Blick auf den weiteren Verlauf der Saison 2026 formulierte Noppert schließlich klare Ziele: „Ich will mehr Titel gewinnen“, stellte er unmissverständlich klar. „Auch auf dem Floor oder vielleicht auf der European Tour. Vielleicht ist es Zeit, größere Schritte zu machen.“
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