Scott Williams zählt zu den Spielern, die ihre Meinung ohne Umschweife äußern. Der Engländer sorgt mit seinem markanten Auftreten regelmäßig für Unterhaltung, allerdings hat ihn seine Spontaneität in der Vergangenheit auch schon in Schwierigkeiten gebracht. Trotzdem denkt Williams nicht daran, seine Persönlichkeit dem Profileben unterzuordnen.
Für Williams zählt vor allem eines: Authentizität. Sobald er die Bühne betritt, will er in erster Linie er selbst sein. Die damit verbundenen Risiken kennt er inzwischen genau.
„Das Wichtigste ist, denke ich, dass man sich selbst treu bleibt", sagt Williams. „Leider bin ich jemand, der ein bisschen exzentrisch und unberechenbar ist. Ich sage manchmal die falschen Dinge zum falschen Zeitpunkt, weil ich im Grunde keinen Filter habe."
Mit wachsender Aufmerksamkeit für seine Leistungen steigt auch die Zahl der Interviews und Medientermine. Auch dort bleibt Williams seiner Linie treu. Ein Media-Training kommt für ihn deshalb kaum infrage.
„Ich versuche, daraus zu lernen. Ich lerne eigentlich immer noch, wie diese ganze Medienwelt funktioniert. Ich habe kein Media-Training bekommen und ich will auch absolut keins. Ich denke, sonst wäre es nicht mehr so roh und natürlich."
Genau diese Offenheit macht Williams zu einem gefragten Gesprächspartner. „Jeder will mit mir reden, weil ich rede, klar rede, schön laut bin und meist direkt auf den Punkt komme. Für mich ist das einfach. Aber ich muss auch aufpassen. Du hast absolut recht: Ich kann ein Bad Boy sein."
Zwischenfall mit Humphries
Auf die Frage, ob er im Nachhinein bestimmte Aussagen oder Aktionen bereut, muss Williams nicht lange überlegen. Echte Reue empfindet er nicht, allerdings erinnert er an einen viel diskutierten Moment mit Luke Humphries. Beim Grand Slam of Darts vor einigen Jahren zeigte Williams in Richtung Humphries eine Handgeste, die als Standbild im Fernsehen für erhebliche Aufmerksamkeit sorgte.
„Ich habe vor drei Jahren beim Grand Slam Luke Humphries zwei Finger gezeigt, aber das war nicht böse gemeint, und das weiß jeder", erklärt Williams. „Es war einfach in Richtung eines Kumpels von mir. Leider haben sie genau diesen Moment als Standbild aus dem Fernsehen genommen. Das zog die Aufmerksamkeit auf sich, und so begann es."
Williams verweist zudem darauf, dass Spieler direkt nach einem Match häufig noch voller Adrenalin stecken. Gerade nach einem wichtigen Sieg fällt es nicht immer leicht, sofort die passenden Worte zu finden.
„Wenn sie dich direkt nach deinem Spiel auf der Bühne interviewen, bist du so glücklich und voller Adrenalin. Jemand wie ich… Das ist wahrscheinlich der Grund, warum sie mich in den letzten drei Jahren nicht mehr auf der Bühne interviewt haben, denn ich sage dumme Dinge."
Ganz unbelehrbar möchte sich Williams jedoch nicht nennen. Mit einem Lächeln betont er, dass er durchaus versucht, seine scharfen Kanten etwas zu kontrollieren. „Ich lerne, mich zu benehmen. Während dieses Interviews habe ich noch kein einziges Mal geflucht. Anderswo heute schon ein paar Mal, und da dachte ich: ups. Also ich versuche es wirklich. Ich gebe mein Bestes."