Die
UK Open 2026 haben für
James Wade eine zusätzliche emotionale Bedeutung. Der Engländer reist nach Minehead, um an seine starke Leistung aus dem Vorjahr anzuknüpfen – und zugleich ein sportliches Zeichen zu setzen. Hintergrund ist seine überraschende Nichtberücksichtigung für die
Premier League Darts.
Wade, inzwischen 42 Jahre alt, stand 2025 gleich zweimal in einem Major-Finale. Sowohl bei den
UK Open als auch beim World Matchplay erreichte er das Endspiel. In beiden Fällen stoppte ihn jedoch der amtierende Weltmeister Luke Littler. Trotz dieser Resultate erhielt Wade kein Ticket für die elitäre PDC-Roadshow. Die Entscheidung sorgte in der Dartswelt für Verwunderung und hinterließ beim Engländer selbst spürbare Frustration.
„Ein kompletter Tritt in die Weichteile“
Wade sprach offen über seine Enttäuschung nach der Bekanntgabe des Premier-League-Aufgebots.
James Wade hat die UK Open bereits dreimal gewonnen
„Es fühlte sich an wie ein kompletter Tritt in die Weichteile“,
sagte er über seine Nichtnominierung. „Es war wirklich ein Schlag für mein Selbstvertrauen.“
Für den Engländer ging es dabei um mehr als nur ein weiteres Turnier. Die Entscheidung bedeutete nicht nur den Verlust eines Platzes bei einem prestigeträchtigen TV-Wettbewerb. Wade hatte auch das Gefühl, trotz starker Leistungen übergangen worden zu sein.
Der Routinier deutete zudem an, dass aus seiner Sicht möglicherweise nicht allein sportliche Leistungen über eine Teilnahme entscheiden. Er glaubt, dass seine Persönlichkeit eine Rolle spielen könnte.
„Vielleicht, weil ich meine Meinung sage“, erklärte Wade. Obwohl er seine Worte sorgfältig wählte, ließ sein Unterton wenig Zweifel: Er fühlt sich möglicherweise aus Gründen außen vor gelassen, die über reine sportliche Resultate hinausgehen.
Extra Motivation für Minehead
Für Dartsexperte
Paul Nicholson ist genau das ein entscheidender Faktor für die UK Open. Der Australier glaubt, dass Wade mit zusätzlicher Motivation in das Turnier gehen wird.
Nicholson arbeitet heute als Kommentator und Analyst und kennt sowohl die sportliche als auch die mediale Perspektive des Spiels. Aus seiner Sicht gehört Wade deshalb zu den gefährlichen Außenseitern für einen tiefen Turnierlauf.
„Die UK Open haben für Spieler, die getriggert sind, eine etwas andere Bedeutung“,
erklärte Nicholson in einem Interview. „Schauen Sie auf jemanden wie James Wade, der sehr lautstark über seinen Platz in der
Premier League Darts gesprochen hat, als er dachte, dass er eine legitime Chance hatte.“
„Wenn man betrachtet, wie oft er dieses Turnier gewonnen hat und wie nah er in den vergangenen zwölf Monaten an einem erneuten Major-Sieg war, dann ist er genau so jemand, der wieder einen tiefen Run hinlegen kann“, sagte Nicholson. „Er würde nur allzu gern besser abschneiden als im letzten Jahr.“
Kann Wade die UK Open ein viertes Mal gewinnen?
Die UK Open tragen den Beinamen „FA Cup of Darts“. Grund dafür ist das offene Format des Turniers. Nach jeder Runde wird neu gelost, sodass selbst Topspieler früh aufeinandertreffen können. Diese Unberechenbarkeit sorgt regelmäßig für überraschende Begegnungen und spektakuläre Ergebnisse.
Die größten Namen der Szene, darunter auch Wade, steigen erst in der vierten Runde ein. Ab diesem Zeitpunkt kann die Auslosung jedoch jedes mögliche Duell hervorbringen.
Nicholson glaubt, dass Wade genau diesen zusätzlichen Antrieb nutzen könnte. „Vielleicht muss jemand Luke Littler rausnehmen, bevor Wade sich den Titel zurückholen kann“, erklärte er. Littler war zuletzt der Spieler, der Wade in entscheidenden Momenten auf dem Weg zu großen Titeln stoppte.
Doch gerade das offene Format der UK Open kann solche Szenarien schnell verändern. Ein frühes Ausscheiden eines Favoriten kann die Tür für andere Spieler weit öffnen.
Erfahrung als entscheidender Faktor
Nicholson hebt vor allem eine Qualität hervor, die Wade seit Jahren auszeichnet: seine enorme Erfahrung.
„Ich habe in den vergangenen 20 Jahren unglaubliche Dinge von James gesehen“, sagte er. „Er ist einer der besten Spieler, die je gelebt haben.“
Warum fehlte Wade in der Premier League?
Die Diskussion über Wades Abwesenheit in der Premier League Darts bleibt dennoch ein großes Thema. Viele Fans stellten sich die Frage, warum ein Spieler mit solchen Ergebnissen keinen Platz im Teilnehmerfeld erhielt.
Nach Einschätzung von Nicholson lag die Entscheidung jedoch nicht an einer versteckten Agenda der PDC oder des TV-Partners Sky Sports. Vielmehr habe es daran gelegen, dass einige andere Spieler in der Saison zuvor minimal stärkere Ergebnisse erzielt hatten.
„Ich habe mit mindestens fünfzehn Leuten über die Premier-League-Aufstellung gesprochen, bevor sie bekannt gegeben wurde“, erklärte Nicholson. „Und niemand hatte James Wade auf der Liste. Das kann also kein Zufall sein.“
Gleichzeitig räumt er ein, dass Wades direkte Art möglicherweise Einfluss auf seine Wahrnehmung hat – ohne dass seine Leistungen dadurch infrage gestellt würden.
„Es ist nicht so, dass das PDC-Board oder Sky Sports etwas gegen ihn hätten“, sagte Nicholson. „Es ist einfach so, dass viele von uns fanden, dass andere minimal mehr getan hatten als er.“