Das polnische Duo Krzysztof Ratajski und Sebastian Białecki beeindruckt weiterhin beim World Cup of Darts. Nach einem erneuten Sieg in der Gruppenphase wächst der Glaube, dass Polen in diesem Jahr für eine historische Leistung sorgen kann. Während das Land in der Vergangenheit nie über das Viertelfinale hinausgekommen ist, wagen die Polen inzwischen vorsichtig vom Weltmeistertitel zu träumen.
Nach ihrem letzten Gruppenspiel beim World Cup of Darts sprachen beide Spieler über ihre Form, das Wachstum des Darts in Polen und ihre Ambitionen für den Rest des Turniers.
Schweres Match, wichtiges Ergebnis
Obwohl Polen erneut als Sieger von der Bühne ging, war der Erfolg kein Selbstläufer. Laut Routinier Krzysztof Ratajski war es ein nervenaufreibendes Spiel, in dem vor allem das Ergebnis zählte. „Es war ein Ziel, das wir erreichen mussten. Es war ein sehr spannendes Match, sehr nervös und auch ziemlich hart. Aber wir haben gewonnen, und das ist am Ende das Wichtigste.“
Dieser Sieg war erneut eine Bestätigung der starken Form, in der sich das polnische Doppel befindet. Vor allem Sebastian Białecki macht in den vergangenen Monaten große Schritte und wird immer häufiger als eines der größten Talente im Profidarts genannt.
Białecki voller Selbstvertrauen nach beeindruckendem Development Tour-Wochenende
Für Białecki war ein außergewöhnlich erfolgreiches Wochenende auf der PDC Development Tour ein wichtiger Schub in Richtung World Cup. Der junge Pole gewann dort gleich drei Turniere in Folge, womit er selbst nicht gerechnet hatte. „Dieses Wochenende auf der Development Tour war großartig für mich. Ehrlich gesagt hätte ich nie erwartet, drei Turniere hintereinander zu gewinnen. Als ich sah, wie viele Spiele ich gewann und auf welchem Niveau ich spielte, gab mir das enorm viel Vertrauen.“
Dennoch betont er, dass Auftritte auf einer Bühne bei einem großen TV-Turnier nicht mit Partien auf der Development Tour oder ProTour zu vergleichen sind. „Natürlich ist es anders. Ein Bühnenmatch bringt mehr Druck mit sich als ein ProTour- oder Development Tour-Spiel. Aber durch die Erfahrung, die ich in den vergangenen Jahren gesammelt habe, fühle ich mich auf der Bühne immer wohler. Das hat heute definitiv geholfen.“
Schon vor Turnierbeginn nannten verschiedene Analysten und ehemalige Spitzenspieler Polen als einen der gefährlichen Außenseiter auf den Weltmeistertitel. Mit einem erfahrenen Spieler wie Ratajski und einem talentierten, formstarken Białecki verfügt das Land über eines der ausgewogensten Duos im Teilnehmerfeld.
Die Frage stellt sich daher unweigerlich: Kann Polen den World Cup tatsächlich gewinnen? Ratajski glaubt, dass im Team noch deutlich mehr steckt, als bisher gezeigt wurde. „Wir sind beide in guter Form. Sebastian hat viele Spiele und Turniere auf der Development Tour gewonnen. Ich selbst spiele seit längerer Zeit stabil auf der ProTour. Ehrlich gesagt denke ich, dass wir noch besser spielen können, als wir es heute gezeigt haben.“
Der ehemalige UK Open-Halbfinalist erwartet sogar, dass Polen in der K.-o.-Phase noch stärker auftreten wird. „Ich erwarte, dass wir morgen besser spielen.“
Polen trifft im Achtelfinale auf Irland
Träume von einem historischen Titel
Für Polen hätte ein Gesamtsieg außergewöhnliche Dimensionen. Der World Cup of Darts zählt seit Jahren zu den prestigeträchtigsten Nationenturnieren der Sportart, doch für Polen blieb der große Durchbruch lange aus.
Ratajski ist sich der Bedeutung eines Weltmeistertitels nur allzu bewusst. „Für mich wäre das ein Traum, der in Erfüllung geht. In der Geschichte Polens sind wir bei diesem Turnier noch nie über die letzten Acht hinausgekommen. Wenn wir jetzt tatsächlich den Titel holen und die Trophäe in die Höhe halten dürften, wäre das ein unglaublicher Moment.“
Die Leistungen der vergangenen Jahre zeigen, dass Polen der absoluten Weltspitze immer näher kommt. War das Land früher von einem Topspieler abhängig, scheint inzwischen eine neue Generation bereitzustehen, die den Staffelstab übernimmt.
Darts wächst rasant in Polen
Der Aufschwung des polnischen Darts ist auch jenseits des World Cup sichtbar. Polen richtete in den vergangenen Jahren Events der World Series of Darts aus und erhielt zudem erstmals ein EuroTour-Turnier zugesprochen. Laut den Spielern ist das kein Zufall. „Darts wächst in Polen weiter“, sagt Ratajski. „Der Sport ist viel populärer als vor zwei Jahren.“
Auch Białecki beobachtet diese Entwicklung aus nächster Nähe. „Es gibt heutzutage viel mehr Locations, in denen man nahezu jeden Wochentag ein Turnier spielen kann. Außerdem entstehen immer mehr Dartschulen und Akademien für junge Spieler. Der Sport wächst wirklich enorm.“
Diese Entwicklung scheint Früchte zu tragen. Mit Spielern wie Ratajski, Białecki und mehreren Talenten, die sich auf der Development Tour zeigen, verfügt Polen über eine zunehmend breitere Basis.
Für Białecki hat die Zusammenarbeit mit Ratajski zudem eine besondere Bedeutung. Als er als junger Spieler mit dem Dartsport begann, blickte er zu dem Mann auf, der jahrelang das Gesicht des polnischen Darts war. „Als ich mit Darts anfing, war es natürlich ein Traum, eines Tages zusammen mit Krzysztof zu spielen.“
Dass dieser Traum inzwischen Wirklichkeit geworden ist, bleibt für ihn etwas Besonderes. „Als wir uns zum ersten Mal trafen, vor mehr als zehn Jahren, hätte niemand gedacht, dass wir eines Tages gemeinsam Polen beim World Cup vertreten würden.“
Ratajski kann diese Worte nur unterstreichen. Er sieht in Białecki einen Vertreter einer starken neuen Generation polnischer Dartspieler. „Jetzt spielen wir gemeinsam für unser Land. Das ist großartig. Wir haben derzeit eine sehr gute Spielergeneration.“
Das Besondere am Doppelturnier
Der World Cup of Darts unterscheidet sich von nahezu allen anderen großen PDC-Turnieren durch das Doppelkonzept. Während Spieler normalerweise individuell antreten, müssen sie hier zusammenarbeiten und einen gemeinsamen Rhythmus finden.
Laut Białecki erfordert das einen völlig anderen Ansatz. „Es ist anders als ein Einzelspiel. Man muss viel länger warten, bis man wieder an der Reihe ist. In einem Einzel wartet man nur auf einen Spieler. Hier muss man manchmal drei Spieler werfen sehen, bevor man wieder ans Board darf.“
Genau dieser Rhythmus macht den World Cup einzigartig. Die Vorbereitung ist jedoch schwierig, weil die Spieler während der Saison kaum Doppel spielen. „Normalerweise spielt man die ganze Zeit ProTour- oder Development Tour-Turniere. Deshalb ist es schwer, gezielt für ein Doppelformat zu trainieren. Zum Glück spielen wir in Polen ab und zu auch Doppelturniere. Dadurch fühlt es sich für mich nicht völlig neu an.“
Historische Chance winkt
Nach der erfolgreich absolvierten Gruppenphase wächst das Vertrauen innerhalb von Team Poland. Die Kombination aus der Erfahrung von Ratajski und der Unbekümmertheit von Białecki macht das polnische Duo zu einem gefährlichen Gegner für jeden Favoriten.
Ob der Weltmeistertitel tatsächlich in Reichweite liegt, wird die K.-o.-Phase zeigen müssen. Eines ist jedoch klar: Während Polen jahrelang ein Außenseiter war, gilt das Land inzwischen als ernsthafter Anwärter auf den Gesamtsieg.
Und sollte dem Duo tatsächlich der Triumph beim World Cup of Darts gelingen, wäre das ohne Zweifel die größte Leistung in der Geschichte des polnischen Darts.