Knapp eine halbe Stunde nach Beginn
des
World Grand Prix 2026 war das Turnier aus deutscher Sicht auch
schon wieder beendet.
Niko Springer hatte sich als einziger
Deutscher qualifizieren können, war gegen einen dominant
auftretenden Danny Noppert aber klar unterlegen.
Das Ergebnis von Springer in Leicester
ist bezeichnend für die aktuelle Major-Saison der Deutschen. Nur in
einem der bisher vier gespielten Ranking-Majorturniere haben deutsche
Spieler bisher einen Sieg einfahren können. Dartsnews.de hat die
Leistungen der Deutschen bei TV-Turnieren in diesem Jahr analysiert
und liefert einen Ausblick für die kommenden Events.
Niko Springer
Niko Springer ist der erfolgreichste
deutsche Spieler 2026, gemessen an der Year-to-Date Rangliste. Der
„Meenzer Bub“ ist erst in seinem zweiten Tourkartenjahr und hat
noch kein Preisgeld zu verteidigen. Trotzdem dürfte sich Springer in
2026 mehr erhofft haben.
Niko Springer ist aktuell Deutschlands Nummer drei in der Order of Merit.
Bei dem Vorentscheid für das Winmau
World Masters präsentierte er sich nicht in Form und scheiterte in
seinem zweiten Spiel an Wessel Nijman. Auch der erste Pro-Tour Block
ließ Fragen offen.
In seinem Zweitrundenspiel gegen Lukas
Wenig unterlag Springer mit einem Average von 76 Punkten ohne
Leggewinn.
Bei zwei der ersten sieben
Pro-Tour-Turniere kämpfte sich Springer in das Achtelfinale vor,
viermal war für ihn aber schon in Runde eins Endstation. Ungewohnt
inkonstant.
Die UK Open sollten die Wende bringen.
Springer, der aufgrund seiner
Order-of-Merit-Platzierung erst in Runde 3 starten musste, traf auf
Kai Gotthardt – und verlor mit 4:6.
Trotz der Niederlage verbesserten sich
die Leistungen von Niko Springer nach den UK Open. Auf der European
Tour schaffte er es wiederholt in den Finaltag und spielte sich Mitte Mai bei
Players
Championship Event 16 in das Halbfinale, welches er gegen Jonny Clayton
verlor.
Springers nächstes Major-Turnier war
das World Matchplay. Bei seinem Debüt im Empress Ballroom von
Blackpool ging es gegen den amtierenden Weltmeister Luke Littler.
Obwohl der Gedanke naheliegt, bei
seiner ersten Partie beim zweitwichtigsten Turnier des Jahres anfängliche Nervosität zu zeigen, legte Springer einen starken Start
in die Partie hin und führte sogar zur ersten Pause mit 3:2.
Der Deutsche überzeugte mit gutem
Scoring, breakte 114 Punkte zum zwischenzeitlichen 4:5 und sicherte
sich mit einem 100er-Finish das 5:5.
Nach der zweiten Pause schaltete
Littler dann aber in die Gänge eines Weltmeisters hoch. Die letzten
vier Legs checkte der 19-Jährige mit 11 Darts aus, beendete die
Partie mit einem 109er Average und ließ ein über lange Zeit hinweg
enges Spiel, im Ergebnis deutlich aussehen.
Die gute Performance beim World
Matchplay konnte Springer auch in den Folgewochen konservieren. Bei
Players Championship Event 25 zog der „Meenzer Bub“ erneut in ein
Halbfinale ein und durch seine Erstrundenerfolge auf der European
Tour in Budapest, Prag und Antwerpen gelang ihm die Qualifikation für
den World Grand Prix.
Das Double-In Double-Out-Turnier
startete mit seinem Spiel gegen Danny Noppert.
Der Niederländer, der im vergangenen
Jahr im Halbfinale stand, begann überzeugend und ließ Springer
nicht ins Spiel kommen.
Beim 0:1-Satzrückstand und 0:2 in
Legs aus deutscher Sicht, war der absolute Fehlstart perfekt.
Springer kämpfte sich aber in das
Spiel zurück und hatte im vierten Leg des zweiten Satzes Glück,
dass Noppert seinen Matchdart nicht nutzen konnte.
Über die Doppel-3 checkte der
26-Jährige zu seinem ersten Satzgewinn und hatte urplötzlich das
Momentum auf seiner Seite, um das Spiel zu drehen.
Doch dieses konnte er nicht nutzen. Zu
schwach waren Springers Würfe auf Doppel zu Beginn der Legs. Alleine
im zweiten Leg des dritten Satzes verpasste er zehn Darts zum
Auftakt.
Beim World Grand Prix verlor Niko Springer gegen Danny Noppert mit 1:2 in Sätzen.
Noppert profitierte von diesen
Fehlern, gewann das Match auf der Doppel-10 und sorgte für die
dritte Auftaktniederlage bei einem Major für die deutsche Nummer
drei in diesem Jahr.
Es ist beachtlich, sich in seinem
zweiten Tourkarten-Jahr für fast alle großen Major-Turniere
qualifiziert zu haben. Überraschend ist dennoch, dass
Springers Ergebnisse auf Major-Bühnen stark konträr zu seinen
Pro-Tour-Auftritten verlaufen.
Stand jetzt ist Springer sowohl für
die European Championship als auch für die Players Championship
Finals qualifiziert. Für die Teilnahme am Grand Slam of Darts steht
noch ein Qualifier an. Eine Startberechtigung für dieses Turnier ist
also auch nicht ausgeschlossen.
Martin Schindler
Martin Schindlers Major-Bilanz in
diesem Jahr verlief aus Sicht eines früheren Top-16 Spielers nicht
erfolgreich. Sein bestes Turnier war eines, was nicht für die
Order-of-Merit relevant ist: der World Cup of Darts.
Gemeinsam mit Ricardo Pietrezcko
vertrat „The Wall“ die deutsche Auswahl beim Team-Event in der
Frankfurter Eissporthalle.
Im
Vorfeld war die Ausgangslage
für das deutsche Duo alles andere als ideal.
Während
Ricardo Pietreczko wenige
Wochen zuvor mit Dartitis zu kämpfen hatte, waren Schindlers
Auftritte in 2026 nicht überzeugend gewesen:
Beim World Masters war der
Straußberger als 15. der Rangliste gesetzt und traf in der ersten
Runde auf Luke Woodhouse. Was eigentlich ein guter Start in die neue
Saison hätte sein können, entwickelte sich zu einer Klatsche. Gegen
die gute Doppelquote seines Gegners, sowie dessen Scoringstärke, kam
der 30-Jährige nicht an.
Martin Schindler konnte auf der Major-Bühne in diesem Jahr nicht überzeugen.
Gerade einmal ein Leg konnte Schindler
für sich entscheiden. Auch, weil „Woody“ einen Average von knapp
109 Punkten auf die Anzeigetafel brachte und so souverän mit 3:0 in Sätzen siegte.
Schindlers zweites Major-Turnier des
Jahres sorgte dann für seinen ersten Sieg. Bei den UK Open traf „The
Wall“ in Runde 4 auf Joe Cullen. Obwohl der Engländer gleich zu
Beginn 170 Punkte checkte und auch sonst gut in die Partie kam, biss
sich die deutsche Nummer eins fest und profitierte schlussendlich von
den Doppelfehlern des „Rockstars“. Nach seinem 10:8 Erfolg wurde
ihm Gary Anderson als Gegner für Runde 5 zugelost.
Anderson, der tags zuvor bereits den
höchsten Average aller Teilnehmer spielen konnte, kam mit der guten
Form des Vortages auf die Bühne in Minehead. Schindler verkaufte
sich gut und verharrte trotz eines elf Punkte niedrigeren Averages in
der Partie, musste sich am Ende aber mit 10:7 geschlagen geben.
Spulen wir vor bis in den Juni: Beim
World Cup of Darts war von den Strapazen der Vorwochen bei beiden
Deutschen nichts zu sehen. Die Aufgabenbereiche im Team wirkten klar
verteilt: Schindler
übernahm häufig die großen Scores und
Pietreczko beendete die Legs
auf den Doppelfeldern.
Beim Gruppenauftakt gegen die
Philippinen startete Team Deutschland stark in das Turnier und
überrollte Paolo Nebrida und Alexis Toylo mit ihrer Scoringpower.
Der 4:0 Erfolg der Gastgeber beinhaltete außerdem den höchsten
gespielten Average eines deutschen Teams beim World Cup jemals: 101,9
Punkte.
Gegen Neuseeland benötigte das Team
nur ein Leg, um sich sicher für das Achtelfinale zu qualifizieren.
Dieses war bereits nach Durchgang eins bestellt und so konnten Schindler
und Pietreczko das Spiel gelassener bestreiten. Die Partie endete mit
einem 4:2 Erfolg.
Das Achtelfinale gegen Tschechien
verlief dann deutlich stressiger: Nachdem Deutschland für einen
tschechischen Fehlstart gesorgt hatte und nicht nur 4:0, sondern
zwischenzeitlich auch 6:1 führte, kämpften sich Karel Sedlaczek und
Adam Gawlas auf 6:4 heran.
Erst ein 11-Darter beim Stand von 7:6
besiegelte das deutsche Weiterkommen.
Martin Schindler und Ricardo Pietreczko vertraten Deutschland beim World Cup of Darts 2026.
Im Viertelfinale fand das deutsche
Sommermärchen dann jedoch ein jähes Ende. Obwohl Deutschland wieder
gut in die Begegnung gegen das niederländische Team um Michael van
Gerwen und Gian van Veen startete, ließ Team Oranje seine
individuelle Klasse häufiger aufblitzen. Martin Schindlers Bouncer
aus der Triple-17 bei 147 Punkten Rest beim Stand von 4:7, bestrafte
van Gerwen und besiegelte durch ein 62er-Finish das Turnieraus der
Deutschen.
Nach dem World Cup of Darts stand für
Martin Schindler zeitnah die Qualifikation für das zweitwichtigste
Turnier des Jahres fest: das World Matchplay.
Bis dato hatte „The Wall“ keines
seiner vier Spiele in Blackpool gewonnen. Und das sollte auch so
bleiben.
Da Schindler während des Jahres aus
den Top-16 der Order-of-Merit gefallen war, musste er gegen einen Top-16 Spieler antreten. Sein Gegner hieß Gerwyn Price.
„The Iceman“ erwischte einen
denkbar schlechten Start ins Match und lag schnell mit 0:4 hinten.
Schindler hatte sogar die Chance auf 5:0 zu erhöhen, verpasste aber
zwei Darts auf Doppel. Dasselbe beim Stand von 6:2: Der Deutsche
hatte die Chance auf 7:2 zu erhöhen und ließ erneut zwei Darts aus,
um das Spiel vorzeitig zu entscheiden. Erneut checkte er nicht. Der
Waliser bestrafte diese Fehler und arbeitete sich Stück für Stück
in die Partie.
Nach dem 16. Leg stand es 8:8 und
nachdem das Gros der Fans bereits dachte, dass der 41-Jährige nun ohne Gegnerwehr
siegen würde, checkte Schindler aus dem Nichts ein 121er-Highfinish
zum 9:9 und brachte das Spiel in die Verlängerung. Dort wirkte der
„Iceman“ aber wesentlich gefestigter und sorgte über sein Finish
von 100 Punkten für die Entscheidung.
Das Match vom 20. Juli war der bisher
letzte Major-Auftritt von
Martin Schindler in diesem Jahr. Obwohl er
das gesamte Jahr in einer guten Ausgangslage war, sich auch für den
World Grand Prix zu qualifizieren, rutschte er kurz vor dem Cut-Off
aus den Qualifikationsrängen.
Für den Grand Slam of Darts ist er
wie Niko Springer ebenfalls nicht qualifiziert. Dafür kann sich die
aktuelle Nummer 23 der Welt berechtigte Hoffnungen auf die European
Championship, sowie die Players Championship Finals machen.
Der World Cup hat gezeigt, dass
Schindler auch 2026 auf der großen Bühne mithalten kann. Bei den
individuellen Majors fehlte ihm bislang jedoch noch der tiefe Run.
Kai Gotthardt
Für die restlichen Deutschen blieb
die Major-Bühne 2026 nahezu unbesucht. Lediglich bei den UK Open im
März waren alle deutsche Tourcarteninhaber teilnahmeberechtigt.
Die größte deutsche
Turnier-Überraschung war Kai Gotthardt. „The Tunnel“ startete in
Runde eins mit einem Sieg und gewann auch gegen Landsmann Marvin
Kraft in Runde zwei.
Eine Runde später beendete er das
Turnier von Niko Springer mit einem 6:4-Erfolg.
Am Abend vollendete der 31-Jährige
seinen Tageslauf mit einem Sieg über Tom Sykes und qualifizierte
sich für das Sechzehntelfinale.
Dort musste er sich Michael van Gerwen
mit 5:10 geschlagen geben.
Kai Gotthardt wird voraussichtlich seine Tourkarte verlieren.
Für Gotthardt waren die UK Open das
Highlight des Jahres. Nach dem Turnier fiel es ihm schwer, an seine
dortige Leistung anzuknüpfen. Aktuell ist er sowohl für die Players
Championship Finals als auch für die WM nicht qualifiziert.
Dominik Grüllich
Das gleiche gilt für Dominik
Grüllich. Der gebürtige Wolznacher verpasste am vergangenen
Wochenende das WM-Ticket knapp über die Development Tour und ist
auch über die Pro Tour weit von einer Teilnahme an den Players
Championship Finals und der WM entfernt.
Dabei lief es bei seinem einzigen
TV-Turnier in diesem Jahr erfolgreich.
Der 24-Jährige begann die UK Open mit
einem Erfolg über Jamal van der Herik. In der anschließenden 3.
Runde bezwang der Deutsche den WM-Viertelfinalisten Justin Hood,
bevor auch Niall Culleton in Runde vier die Segel streichen musste.
In Runde fünf unterlag Grüllich dann
gegen Josh Rock.
Gabriel Clemens
Auch
Gabriel Clemens erreichte bei den
UK Open die Runde der letzten 32. Der „German Giant“ spielte
eine gute Weltmeisterschaft und konnte seine WM-Form auch in die neue
Saison transportieren. Bei der Qualifikationsrunde für das Winmau
World Masters fehlte ihm nur ein Sieg, um es in das Teilnehmerfeld zu
schaffen. Im Entscheidungsspiel bezwang ihn jedoch Wessel Nijman mit
3:1.
Die UK Open waren also das erste
Major-Turnier des früheren WM-Halbfinalisten.
Dort gewann Clemens seine
Auftaktpartie gegen den Polen Sebastian Bialecki mit 6:4. In Runde vier rang der Saarländer den Niederländer Richard Veenstra mit 10:9 im
Decider nieder, bevor er in Runde fünf chancenlos gegen James Wade mit
2:10 verlor.
Abseits
der großen TV-Kameras hatte Clemens Saison aber einen Höhepunkt
parat. Der 43-Jährige gewann bei Players Championship 24 seinen
ersten Titel bei der PDC. Der
Titel sicherte ihm die Teilnahme am Grand Slam of Darts.
Neben der WM und den Players
Championship Finals kann Clemens also bei einem weiteren Major wichtiges Preisgeld einspielen.
Gabriel Clemens gewann in dieser Saison seinen ersten PDC Titel.
Hopp und Pietreczko
Einige Deutsche wie
Max Hopp oder
Ricardo Pietreczko konnten die Erwartungen nicht erfüllen und hatten
bereits in ihrer ersten Begegnung das Nachsehen. Hopp spielt eine
gute Pro Tour Saison und erreichte bereits ein Endspiel bei Players
Championship Event 14. Er ist bei der WM und den PC Finals sicher mit
dabei.
Anders sieht das bei Ricardo
Pietreczko aus: Die deutsche Nummer zwei hat ein schwieriges Jahr
hinter sich, in dem er unter anderem mit Dartitis kämpfen musste.
Zwischenzeitlich wurde nach schwachen Leistungen vor dem World Cup of
Darts in Deutschland sogar darüber diskutiert, ob er seinen
Startplatz an der Seite von Martin Schindler nicht besser abgeben
sollte.
Am Ende entschied sich „Pikachu“
dagegen und spielte gemeinsam mit Schindler ein gutes Turnier. Bis
zur Weltmeisterschaft im Dezember wird der World Cup vermutlich sein
letztes großes Turnier in diesem Jahr bleiben. Weder für die
European Championship, den Grand Slam of Darts oder die Players
Championship Finals ist der 31-Jährige derzeit qualifiziert.
Fazit
Aus deutscher Sicht ist das Majorjahr
2026 bisher unerfolgreich verlaufen. Nur bei einem
Ranking-Majorturnier, den UK Open, konnten deutsche Spieler Siege
einfahren. Ansonsten gab es Niederlagen beim World Matchplay, dem
World Masters und jüngst beim World Grand Prix. Noch ist Zeit, die
schwache Bilanz des Jahres auszubessern:
Bei der ab dem 22. Oktober
stattfindenden European Championship sind Martin Schindler und Niko
Springer teilnahmeberechtigt, beim Grand Slam geht Gabriel Clemens
aus deutscher Sicht an den Start und bei den Players Championship
Finals sind mit Schindler, Springer, Clemens und Hopp gleich vier
Deutsche qualifiziert.