„Es ist schön, zurück zu sein. Wirklich schön“, sagte Winstanley mit einem Lächeln. „Wenn man es nicht ins Teilnehmerfeld schafft, spürt man das – es gibt nur acht Plätze. Da weiß man, dass man etwas richtig gemacht hat, wenn man dabei ist.“
Matchplay vor Lakeside
Obwohl sie noch immer nostalgische Gefühle für Lakeside hegt, sieht sie das Matchplay inzwischen als das neue Aushängeschild des Frauendarts. „Was Bekanntheit und Prestige angeht, ist es definitiv das größte Turnier für uns.“
Dabei war die Rückkehr alles andere als selbstverständlich: „Das zweite Jahr zu verpassen, hat wehgetan. Ich war auf Autopilot. Aber in den letzten zwölf Monaten habe ich den Funken zurückgewonnen. Ich liebe das Spiel wieder, freue mich darauf.“
Winstanley ist nicht nur Spielerin, sondern auch Mentorin – unter anderem in den Target-Akademien:
„Das Talent dort ist unglaublich. Und im Dartsport gibt es kein Alter. Wer reisen, es sich leisten und den Hunger mitbringen kann, hat hier seinen Platz.“
Sie selbst habe mit 18 in der Kneipe angefangen – ganz ohne strukturierte Förderung. Heute sieht sie es als ihre Verantwortung, mit gutem Beispiel voranzugehen und konkurrenzfähig zu bleiben.
"Es gibt Platz für 16 Spielerinnen"
Die aktuelle Teilnehmerzahl beim Matchplay hält sie für zu niedrig. Ihre Vision:
„Es gibt Platz für 16 Spielerinnen – auf jeden Fall. Und warum nicht Frauenturniere parallel zu größeren Events wie den UK Open austragen? Sie haben genug Boards, das ließe sich gut umsetzen. Und zeigt das Frauenfinale doch einfach zwischen den Halbfinals und dem Männerfinale im TV – das wäre ein starkes Zeichen.“
Selbstvertrauen vor dem Duell mit van Leuven
In der ersten Runde trifft sie auf Noa-Lynn van Leuven, die sich derzeit nicht in Topform präsentiert. Doch Winstanley bleibt fokussiert:
„Ich schaue nie auf die Gegnerin. Man muss ein bisschen egoistisch sein. Wenn man nicht glaubt, gewinnen zu können – warum spielt man dann überhaupt?“
"Mein Leben ist der Dartsport"
Privat lebt Winstanley den Dartsport wie kaum eine andere:
„Mein Leben ist der Dartsport. Es ist mein Beruf, mein Hobby – ich lebe, atme und träume Darts.“
Obwohl Ehemann Dean Winstanley ebenfalls früher aktiv war, trainieren sie nicht gemeinsam. Dafür übt sie regelmäßig mit Kollegin Laura Turner.
Zukunft des Frauendarts: Preisgeld, Sponsoren, Bühne
Kann Darts für Frauen einmal zum Vollzeitberuf werden? „Dafür muss das Preisgeld steigen. Aber mit mehr Sichtbarkeit kommt auch mehr Sponsoring. Das passiert nicht über Nacht – aber es ist möglich.“
Die PDC Women’s Series sei ein entscheidender Schritt gewesen. „Früher mussten wir für zwei Ranglistenpunkte bis nach Rumänien reisen. Heute gibt es echte Perspektiven.“
Ein Auge auf Paige Pauling
Zum Abschluss gibt Winstanley noch einen persönlichen Tipp:
„Es gibt so viele Talente – aber Paige Pauling sollte man definitiv auf dem Schirm haben. Sie spielt das Finale der Girls’ Series, ist WDF-Weltmeisterin und einfach ein echtes Ausnahmetalent.“
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Heute berichtet er für Dartsnews.de über den professionellen Dartsport und ordnet das aktuelle Geschehen ein – von großen Turnieren bis zu Entwicklungen abseits der Bühne.
Regelmäßig ist er bei Events vor Ort und begleitet rund 20 Turniere pro Jahr, wo er Interviews führt, unter anderem mit Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gerwyn Price sowie Martin Schindler, Gian van Veen und Josh Rock.
Zudem ist er eine der prägenden Stimmen im englischsprachigen Dartsnews Podcast und Co-Host des Sport-Podcasts Overtime Takes.
Nic arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus.
In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.