„Du kannst nicht zwei Major-Finals erreichen und bist plötzlich Teil einer ‚Big Three‘“: Luke Humphries weist Gerede über die großen Drei im Darts inklusive Van Veen zurück

PDC
Freitag, 16 Januar 2026 um 14:30
Luke Humphries
Luke Humphries hat sein Jahr 2026 mit einem klaren Statement eröffnet. Die Nummer eins der Welt legte beim Bahrain Darts Masters einen souveränen Auftritt hin, bezwang im Auftaktduell Abdulla Saeed mit einem weiteren Whitewash und zeigte, dass Form und Fokus nach der Winterpause stimmen.
Von Beginn an spielte Humphries wie ein Mann mit Ansage. Der Weltmeister wirkte scharf, konzentriert und dominierte Saeed mit hohen Aufnahmen und konstanter Scoring-Power. Während viele Profis nach der WM noch nach Rhythmus suchten, präsentierte sich der Engländer bei den Bahrain Darts Masters bereits in Topform. „Ja, das war eine ordentliche Leistung“, sagte Humphries anschließend. „Abdulla hat viel besser gespielt als in den vergangenen Jahren, aber ich habe mich selbst auch stärker gefühlt. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Performance.“

Vorbereitung statt Pause – Humphries erklärt Erfolgsrezept

Während andere Spieler zugaben, nach dem Ally-Pally-Marathon mit Konzentration und Timing zu kämpfen, sah Humphries seine Vorbereitung als entscheidenden Vorteil. Er hatte sich vorgenommen, diesmal keine längere Auszeit vom Practice Board zu nehmen – ein Unterschied, der sich bezahlt machte.
Luke Humphries
Humphries trifft im Viertelfinale auf Nathan Aspinall 
„Sonst mache ich sieben bis zehn Tage Pause ohne zu werfen und komme nach Bahrain ohne viel Training“, erklärte er. „Dieses Jahr nur drei Tage. Ich wollte einfach nicht eingerostet hierherkommen. Mein Ziel war, die Saison besser zu starten als sonst.“ Seine Strategie habe sich ausgezahlt. „Ich fand nicht, dass ich bei der WM schlecht gespielt habe – das Scoring war stark. Jetzt will ich einfach konsequenter dranbleiben.“
Trotz seines klaren Erfolges klang im Interview auch leichte Ernüchterung an. Schon wieder war Saeed sein Erstrundengegner. In allen bisherigen Ausgaben der Bahrain Darts Masters hatte das Los die beiden zusammengeführt – und jedes Mal endete das Duell mit 6:0.
„Natürlich war ich ein wenig enttäuscht, wieder gegen ihn zu spielen“, meinte Humphries. „Abdulla ist ein wirklich netter Kerl, ich verstehe mich gut mit ihm. Ich glaube, er will auch mal gegen jemanden wie Littler oder van Gerwen antreten – einfach, um diese Erfahrung zu machen. Aber am Ende ist es Business. Wenn du oben auf der Bühne stehst, geht es ums Gewinnen. Die Auslosung ist, wie sie ist.“

„Big Three? Noch lange nicht.“

Auch zur viel diskutierten Frage, ob sich im Herrendarts eine neue „Big Three“-Ära abzeichnet, nahm Humphries Stellung. Nach dem kometenhaften Aufstieg von Gian van Veen war zuletzt spekuliert worden, ob sich neben Humphries und dem jungen Luke Littler ein dritter Dauerrivale etabliert.
„Ich denke immer noch, es geht um uns zwei“, sagte Humphries entschieden. „Wer dazustoßen will, muss mehr zeigen. Du kannst nicht zwei Major-Finals erreichen und bist plötzlich Teil einer ‚Big Three‘. Luke und ich haben in den letzten zweieinhalb Jahren gefühlt 50 Major-Finals gespielt. Dieses Level musst du erstmal halten. Gian hat Potenzial, keine Frage, aber um sich wirklich einzureihen, braucht es Konstanz.“
Abseits des sportlichen Wettkampfs arbeitet Humphries an Details, die oft unterschätzt werden: Material, Komfort, Routine. Der Engländer verriet, dass er mit einem neuen Darts-Setup experimentiert – und damit gleich mehrere persönliche Aberglauben ablegt.
„Ich bin sehr nah dran an einem Dart-Wechsel“, bestätigte er. „Ihr werdet mich bald mit neuem Material sehen. Wir waren nur noch nicht fertig, um sie hier einzusetzen. Ich bin ziemlich abergläubisch, aber ich will dieses Muster durchbrechen – neue Schuhe, neue Tasche, neuer Rucksack, neue Shirts. Früher hätte ich das nie gemacht, aber ich glaube nicht mehr, dass Aberglaube mich zurückhält. Ich will einfach ausprobieren, was mir hilft, und wenn die neuen Darts passen, seht ihr sie bald auf der Bühne.“

Der Champion will wachsen – als Spieler und Mensch

Angesprochen auf seine mentale Verfassung zeigte sich Humphries reflektiert. Er gehe gelassener in die neue Saison, ohne den Druck, es allen recht machen zu müssen.
„Ich versuche immer, eine bessere Version meiner selbst zu sein“, erklärte der Weltmeister. „Nach dem WM-Titel hatte ich das Gefühl, jeden zufriedenstellen zu müssen – die PDC, mich selbst, meine Familie. Dieses Jahr will ich einfach spielen, es genießen und sehen, was passiert. Ich bin jung, habe aber noch viel mehr im Tank.“
Diese innere Ruhe wirkt sich offenbar positiv auf sein Spiel aus. Sein kontrolliertes Auftreten, die stoische Körpersprache und seine Entscheidungsfreude zeichnen ihn in dieser frühen Phase der Saison erneut als Mann aus, an dem niemand vorbeikommt.

Balance im Hochleistungskalender

Mit Bahrain, Saudi-Arabien und der beginnenden Premier League stehen Humphries in den kommenden Wochen intensive Aufgaben bevor. Die Erfahrung des Weltmeisters ist dabei Gold wert – denn der eng getaktete PDC-Kalender kann brutal sein.
„Wenn du jede World Series spielst, jeden Premier-League-Abend, jede European Tour, ist Burnout fast vorprogrammiert“, erzählte er offen. „Nach der WM denkst du, du machst einfach weiter, aber das funktioniert nicht. Spieler wie Josh Rock oder Gian van Veen werden lernen, dass man nicht alles gleichzeitig stemmen kann. Zur Saisonhälfte merkst du, wie anstrengend das wirklich ist. Aber sie sind jung, sie werden damit umgehen können.“
Humphries selbst will seine Einsätze gezielt steuern, um mental und physisch frisch zu bleiben. Erfahrung, so sagt er, sei in diesen Phasen der größte Vorteil. „Du musst wissen, wann du runterfahren kannst. Diese Balance entscheidet am Ende über Sieg oder Niederlage.“

Ohne Alkohol, aber mit Atmosphäre – Blick nach Saudi-Arabien

Schon wenige Tage nach Bahrain steht das nächste Turnier an: die Saudi Darts Masters, Teil der „Riyadh Season“. Kritische Stimmen bezweifeln, dass in einem Land ohne Alkohol die gewohnte Stimmung aufkommt – Humphries sieht das anders.
„Es braucht keinen Alkohol, um einen guten Abend zu haben“, stellte er klar. „Die Menschen in Saudi sind respektvoll und freuen sich darauf, unser Können zu sehen. Wo immer wir spielen – in Saudi, Japan oder anderswo – zeigen die Fans ihre Wertschätzung auf ihre Art. Sie genießen das Spiel, auch wenn es stiller ist.“
Besonders positiv sieht Humphries die zusätzlichen Show-Elemente der Veranstaltung, darunter die neue £200.000 Zehn-Dart-Challenge, bei der ein Spieler nach einem Neundarter das Bullseye treffen muss.
„Das ist genial“, meinte Humphries lachend. „Es bringt Spannung, Dramatik, und das Bull ist das kleinste Ziel – es sollte schwer sein. Solche Ideen machen den Sport aufregender. Das Publikum liebt Momente, in denen alles auf einem einzigen Wurf liegt.“
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