„Du leistest Matchfixing, oder zumindest Wettbewerbsverzerrung“ – Scharfe Kritik an Regelwerk und Format der Q-School

PDC
Donnerstag, 15 Januar 2026 um 18:00
Jimmy van Schie (4)
In der vergangenen Woche stand alles im Zeichen der Q-School, bei der in Milton Keynes und Kalkar insgesamt 256 Spieler um eine PDC Tour Card kämpften. Für bestimmte Spieler, wie Jimmy van Schie, wurde es eine erfolgreiche Woche. Doch für einige Favoriten endete dieser siebentägige Kraftakt in einer Enttäuschung. In der neuesten Folge des Darts Draait Door-Podcasts blickten Vincent van der Voort und Damien Vlottes ausführlich auf die diesjährige Q-School zurück.
Insgesamt gingen 7 der 16 verfügbaren Tour Cards bei der European Q-School an Niederländer. Trotz dieser starken Zahl stellte Van der Voort das generelle Niveau in Kalkar in Frage. Im Vergleich zur englischen Q-School fiel das Niveau in Europa laut dem Niederländer etwas ab.
„Wenn ich ein wenig kritisch sein darf …“, begann Van der Voort. „Man kann Glück haben, wenn man die Q-School in Europa spielt. Das Niveau in England ist wirklich deutlich höher. Eine Tourkarte zu holen ist großartig, aber für sehr viele Spieler ist das das Endziel. Dabei ist das erst der Anfang. Wenn du die ProTour spielst, musst du im Jahresaverage bei etwa 92 oder 93 liegen.“
Er führt weiter aus, dass eine Untergrenze von unter 90 im Durchschnitt bedeutet, dass man mit der Weltspitze schlicht nicht mithalten kann. „Eigentlich musst du in jedem Match 90 oder mehr im Schnitt spielen. Das machen in Europa nicht viele. Dann solltest du dir über die kommenden zwei Jahre Sorgen machen. Nicht, dass du mit einer Tourkarte denkst, du seist schon am Ziel. Du musst wirklich gut spielen, und manche müssen wirklich noch eine Schippe zulegen.“
In Europa gab es mehr Teilnehmer als im Vereinigten Königreich, was bedeutete, dass in Kalkar 16 Tour Cards zu vergeben waren und in Milton Keynes 13. Das ist laut Van der Voort durchaus positiv. „So ist das schon in Ordnung, dadurch steigt auch in Europa das Niveau. Man muss auch weg davon, dass mehr Engländer mitmachen. Das ist der Weg, um den Rückstand aufzuholen.“
Einer der Spieler, der sich seine Tour Card überzeugend sicherte, war der Niederländer Jimmy van Schie. Er war bereits vor dem letzten Tag sicher qualifiziert, musste am Finaltag am Sonntagnachmittag aber dennoch antreten. So schreibt es das PDC-Regelwerk vor. Van der Voort kann das kaum nachvollziehen.
Van Schie musste am Schlusstag zunächst gegen Landsmann Patrick Geeraets spielen, den er bezwingen konnte. Danach traf er auf WDF-Teamkollege und guten Freund Alexander Merkx. Van Schie hatte seine Tour Card bereits sicher, Merkx hingegen noch nicht. Diese Konstellation führt durch die Regelung zu besonderen Situationen. „Wenn du sicher bist, solltest du nicht mehr mitspielen“, so Van der Voort. „Was für eine unsinnige Regel. Dann arbeitest du mit Spielern ohne Motivation, und das ist logisch.“
Jimmy van Schie ballt die Faust in Richtung Publikum.
Van Schie war einer der sieben Niederländer, die sich ihre Tour Card bei der European Q-School sichern konnten
Van der Voort geht anschließend noch einen Schritt weiter. „Du förderst Matchfixing oder zumindest Wettbewerbsverzerrung. Da kann jemand auftauchen, der sich nicht einwirft, eine Minute vor Beginn erscheint und das Auto schon vorfahren lässt. Der schaut sich dann die erste Runde an und fährt schnell wieder weg. Damit ‚gibst‘ du jemandem einen Punkt. Das ist wieder von jemandem ausgedacht worden, bei dem man sich fragt: Wie kann das sein?“
Um es noch besser zu verdeutlichen, bringt er ein Beispiel aus der Freundschaft. „Du hast die ganze Woche zusammen abgehangen und musst am letzten Tag gegeneinander ran, du bist sicher und der andere nicht. Dann ist es sehr schwierig zu sagen, dass du den anderen weghaust. Solche Situationen sollte man nicht haben wollen, in die man die Spieler bringt.“ Doch was ließe sich daran ändern? „Verteile zum Beispiel tausend Pfund an den Tagessieger. Dann hat jeder etwas, wofür er spielt. Aber sie müssen diese ganze Regel anpassen“, sagte er.
Neben den Erfolgen von Jimmy van Schie und anderen Spielern gab es für einige Dartprofis nur Ernüchterung. Einer der Namen, der überraschend leer ausging, war der Schwede Andreas Harrysson. ‚Dirty Harry‘ hatte bei der vergangenen WM überraschend das Achtelfinale erreicht und galt im Vorfeld als einer der Topfavoriten für eine Tour Card in Kalkar. Er verpasste sie jedoch hauchdünn über das Legverhältnis, sodass wir ihn im kommenden Jahr noch nicht auf der Tour sehen werden.
Das sorgte bei Van der Voort für Verwunderung. „Was für ein merkwürdiger Spieler. Ein ganz eigenartiger Dartspieler. Die ganze Woche siehst du von ihm Matches, bei denen du denkst: ‚Wow!‘, aber manchmal ist es dann auch wieder gar nichts.“
Ein weiterer Name, der im Podcast fiel, war Ron Meulenkamp, Van der Voorts Kollege als Experte beim Niederländischen Sender Viaplay. Nach mehreren gescheiterten Anläufen in den vergangenen Jahren schaffte es ‚The Bomb‘ auch diesmal nicht, sich sein PDC-Startrecht zu sichern. Dennoch sah Van der Voort Ansatzpunkte. „Er hinterließ einen besseren Eindruck als in den vergangenen Jahren. Man hatte jetzt durchaus das Gefühl, dass Fortschritte da sind.“
Obwohl Meulenkamp bereits Erfahrung auf dem PDC-Circuit hat, reichte sein Niveau bei dieser Q-School erneut nicht aus. „Auch für ihn gilt: zu selten über neunzig im Schnitt. Willst du es dann überhaupt? Er hat sich schon bewiesen, aber das ist auch wieder ein paar Jahre her. Er muss irgendwo zeigen, dass er es kann. Vielleicht sollte er häufiger bei der Modus Super Series mitmachen. Das hat sich in den vergangenen Jahren als perfekte Lehrschule erwiesen. Wenn du zur PDC willst, musst du auch bereit dafür sein“, schloss Van der Voort.
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