Sportswashing im Darts? Das Bahrain Darts Masters als umstrittener Auftakt nach der Darts WM

PDC
Donnerstag, 15 Januar 2026 um 13:53
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Am Donnerstag wird erstmals nach der Darts WM wieder Darts im TV übertragen. Mit dem Bahrain Darts Masters startet zugleich das erste Turnier der World Series of Darts. Es ist das erste große Event nach der Weltmeisterschaft und traditionell der Auftakt ins neue Dartsjahr. Doch seit der Premiere begleitet das Turnier eine zentrale Frage: Geht es bei dem Bahrain Darts Masters um Sport – oder vor allem ums Geld?

Bahrains Rolle im internationalen Sport

Bahrain hat sich in den vergangenen Jahren gezielt als Austragungsort internationaler Sportevents positioniert. Neben der Formel 1 und großen Mixed-Martial-Arts-Veranstaltungen gehört inzwischen auch der Dartsport dazu. Das Bahrain Darts Masters ist Teil einer Strategie, das Königreich als modern, weltoffen und sportaffin zu präsentieren. Gleichzeitig steht Bahrain international unter Beobachtung. Berichte über eingeschränkte Meinungsfreiheit, politische Repressionen und die Arbeitsbedingungen von Gastarbeitern reißen nicht ab.
Sportliche Großveranstaltungen geraten dadurch zwangsläufig in den Verdacht des sogenannten Sportswashings. Auch im Darts wird diese Debatte zunehmend geführt. Das Bahrain Darts Masters und das Saudi Arabia Darts Masters stehen dabei sinnbildlich für diesen Konflikt.

Seit wann gibt es das Bahrain Darts Masters?

Seit 2023 findet das Bahrain Darts Masters als erstes TV-Turnier nach der Darts WM statt. Auch die vierte Ausgabe wird erneut an der Formel-1-Rennstrecke in der Exhibition World ausgetragen. Ein Formel-1-Auto auf der Bühne gehört mittlerweile fest zum Turnierkonzept. Der Aufwand ist groß, die Inszenierung auffällig. Die sportliche Bedeutung bleibt jedoch überschaubar. Für das Saudi-Arabia Darts Masters wird es 2026 die erste Auflage sein.
World-Series-Turniere zählen nicht für die Weltrangliste der Professional Darts Corporation. Für viele Profis sind sie hoch dotierte Showevents. Sie bieten die Chance, früh im Jahr Präsenz zu zeigen. Gerade mit Blick auf die Premier League wollen viele Spieler beweisen, dass ihre Nominierung berechtigt – oder überfällig – ist.

Zuschauerinteresse und Atmosphäre

Ein zentraler Kritikpunkt der ersten beiden Jahre war das geringe Zuschauerinteresse. Vor allem am ersten Tag 2023 und 2024 blieben viele Tische leer. Darts ist in Bahrain bislang kein etablierter Sport. Im vergangenen Jahr zeigte sich jedoch eine leichte Entwicklung. Die Halle war besser gefüllt, erstmals waren auch Fangesänge zu hören.
Das ist ein kleiner, aber spürbarer Schritt nach vorne für ein noch junges Event. An die Atmosphäre klassischer Darts-Veranstaltungen reicht das Turnier dennoch nicht heran. Ein Ticket kostet mindestens 57 Euro, ist dafür aber an beiden Tagen gültig. Viele Fans reisen dennoch nur zum Finaltag am Freitag an. Im Ticketshop wirkt das Event gut verkauft, vor Ort relativiert sich dieser Eindruck.

Lokale Qualifikanten – Chance oder Problem?

Traditionell erhalten auch Spieler aus Bahrain Startplätze. Bislang konnte jedoch nur Abdulnassar Yusuf ein einziges Leg gewinnen. Die gespielten Averages liegen deutlich unter internationalem Niveau. Das wirft erneut Fragen nach der sportlichen Ernsthaftigkeit auf. Lokale Präsenz ist wichtig, der Qualitätsunterschied aber enorm.
Im Vergleich dazu geht das neu geschaffene Saudi Arabia Darts Masters einen anderen Weg. Dort tritt kein einziger Spieler aus dem Gastgeberland an. Das ist ein Bruch mit der World-Series-Tradition. Gerade diese lebt eigentlich davon, lokalen Spielern eine Bühne vor TV-Kameras zu geben.
Normalerweise fordern lokale Spieler, vom Publikum getragen, die Profis heraus. Manche Karrieren begannen genau auf dieser Bühne. Das bekannteste Beispiel ist Damon Heta. Der Australier gewann 2019 die Brisbane Darts Masters. Kurz darauf etablierte er sich dauerhaft in der Weltspitze.

Argumente für Sportswashing

Das Bahrain Darts Masters fügt sich in ein größeres Gesamtbild ein. Internationale Sportevents erzeugen positive Schlagzeilen und enorme Reichweite. Politische und gesellschaftliche Themen rücken dadurch automatisch in den Hintergrund. Bahrain präsentiert sich als globaler Player und attraktives Reiseziel.
Besonders die Verbindung in den Nahen Osten wurde durch eine Netflix-Dokumentation über Matchroom Sport sichtbar. Darin wird deutlich, wie eng Eddie Hearn durch den Boxsport mit Turki Alalshikh verbunden ist. Saudi-Arabien und Bahrain nutzen Sport und Entertainment gezielt als internationales Aushängeschild. Mit enormen finanziellen Mitteln wurde inzwischen auch der Dartsport in die Region geholt.

Argumente dagegen

Darts ist traditionell ein bodenständiger Sport mit großer Fan-Nähe. Im Vergleich zu anderen Mega-Events wirkt das Bahrain Darts Masters weniger überinszeniert. Die World Series bietet grundsätzlich die Chance, den Sport global bekannter zu machen. Nicht jedes internationale Turnier ist automatisch politisch motiviert. Sport kann auch als kulturelle Brücke dienen.
Diese Argumente sind nicht von der Hand zu weisen. Gerade in neuen Märkten braucht es Anlaufzeit. Auch etablierte Turniere hatten ihre Startschwierigkeiten. Ob Bahrain diesen Weg erfolgreich gehen kann, bleibt offen.
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Stephen Bunting gewann 2025 die Bahrain Darts Masters

Die Frage nach dem Austragungsort

Bahrain und Saudi-Arabien sind derzeit die einzigen World-Series-Turniere in Asien. Dabei gibt es dort deutlich stärkere Dart-Nationen. Japan, China, Hongkong und die Philippinen verfügen über gewachsene Szenen und konkurrenzfähige Spieler. Die Philippinen stellen mit Toylo, Nebrida und Lourence Ilagan seit Jahren internationale Größen. Trotzdem gibt es dort kein World-Series-Event.
Auch ein Event in Afrika wird zunehmend gefordert. Spätestens seit dem Erfolg von David Munyua bei der Darts WM hat sich diese Debatte verstärkt. Frühere Turniere in Shanghai oder Tokio haben gezeigt, dass attraktive Alternativen existieren. Sportlich wie atmosphärisch wären diese Märkte näher am Kern des Dartsports. Finanziell dürften sie jedoch kaum mithalten.

Fazit

Die World Series wurde geschaffen, um die Stars der PDC weltweit erlebbar zu machen. In Australien, Neuseeland oder den USA funktioniert dieses Konzept seit Jahren. Auch Europa profitiert vom Boom in Polen und Skandinavien. In Bahrain ist dieser Boom bislang nur ansatzweise zu erkennen. Das Event entwickelt sich langsam, bleibt aber umstritten.
Ob die PDC vor allem wegen des Geldes in Bahrain spielt, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Fest steht jedoch: In Asien gäbe es sportlich wie atmosphärisch attraktivere Austragungsorte. Wahrscheinlich – und das ist der Kern der Debatte – mit deutlich weniger Geld.
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